Bis 2022 muss der Atomstrom in Deutschland vollständig ersetzt werden. Doch bislang geht die Energiewende noch zu schleppend voran. Beim heutigen Energiegipfel im Kanzleramt möchte Angela Merkel deshalb den Druck verstärken, die Windkraft stärker fördern und den Netzausbau vorantreiben. Doch leider diskutiert sie dabei nur mit den großen Konzernen und Wissenschaftlern. "Handwerk, Stadtwerke und Vertreter der erneuerbaren Energien fehlen", kritisierte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin.

Der Ausbau der Stromnetze ist ein zentraler Ansatzpunkt, um die Energiewende zu beschleunigen. Neue und bessere Netze sind nötig, um den Strom der neuen Anlagen besser zwischen Nord und Süd zu verteilen und zu den Verbrauchern zu transportieren. Und für die Stromnetze sind nun mal die Energieversorger mit verantwortlich. Doch nicht einzig sie allein werden für den Ausbau gebraucht. Auch ohne die vermeintlich "Kleinen" der Energiebranche kann die Energiewende nicht realisiert werden und so übt die Opposition schon im Vorfeld des heutigen Gipfels heftige Kritik an der Teilnehmerauswahl der Kanzlerin.
Bei dem Treffen mit Merkel im Kanzleramt sind einzog Vertreter der Energiewirtschaft sowie Wissenschaftler eingeladen, nicht aber Vertreter der Stadtwerke, von Firmen, die sich mit den erneuerbaren Energien beschäftigen oder gar aus dem Handwerk, das die Realisierung der Energiewende maßgeblich mitbestimmt.
Stillstand bei der Energiewende
Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin warf der Regierung deshalb vor, dass "an allen wichtigen Baustellen" der Energiewende Stillstand oder Rückschritt herrsche. "Eingeladen sind mit den großen Konzernen und den Netzbetreibern die Verlierer und Blockierer der Energiewende", kritisierte Trittin.
Auch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel warf Merkel vor, dass der geplante Energiegipfel eine Schauveranstaltung ausschließlich mit den vier Ex-Monopolisten sei. Im vergangenen Jahr sei die Bundesregierung weder beim Netzausbau noch bei der Förderung der erneuerbaren Energien, weder bei der Energieeffizienz noch bei der Gebäudesanierung weitergekommen, sagte er der "Welt" und wies darauf hin, dass so die Zeche wieder einmal Verbraucher und Unternehmen zahlen müssten.
Erfreut zeigten sich die beiden Kritiker jedoch darüber, dass die beiden mitstreitenden Minister Rösler und Röttgen nicht am Gipfel teilnehmen werden. Gabriel sagte, die "permanente Selbstblockade" von Wirtschaftsminister Phillip Rösler und Umweltminister Norbert Röttgen sei zu einer Gefahr für den Industriestandort Deutschland geworden. Sie seien verantwortlich für steigende Strompreise für die Verbraucher und "das Abwürgen der Erneuerbaren", sagte auch Trittin.
Netzausbau ist große Herausforderung
Ein Thema, das der Bundeskanzlerin aktuell besonders am Herzen liegt, ist der Ausbau der Offshore-Windenergie. Dafür hat Merkel ein neues Fördergesetz in Auftrag gegeben, das die Rahmenbedingungen neu regeln soll. Wichtig sei es nun, das wirtschaftliche Risiko der Windkraftanlagen auf dem Meer beherrschbar zu machen und die Anbindung ans Festland zu stabilisieren. Das sei noch eine große Herausforderung, sagte sie dem "Hamburger Abendblatt". Die andere große Aufgabe werde der Netzausbau sein, "damit wir die Windenergie vom Norden in den Süden leiten können". Ein Netzausbauplan soll noch vor der Sommerpause feststehen. jtw/dapd