Förderbedingungen geändert Energieberater: KfW verärgert Handwerk

Energieberater des Handwerks ärgern sich über die neuen Förderbedingungen der KfW. Seit 1. März dürfen sie nach einer Beratung die anfallenden Arbeiten nicht mehr selbst ausführen. Ein Heizungsbauer aus Hessen fährt nun gemeinsam mit dem ZVSHK nach Berlin zur KfW. Ein Streit, der mehr als eine Handwerksbranche betrifft.

Jana Tashina Wörrle und Burkhard Riering

Eine energetische Sanierung sollte vorher mit einem fachkundigen Handwerker besprochen werden. - © Foto: Gina Sanders/Fotolia

Hubert Schickling ist Inhaber eines Fachbetriebes für Sanitär und Heizungstechnik im Taunus mit neun Mitarbeitern und seit fast 30 Jahren am Markt. Um den Kunden einen zusätzlichen Service zu bieten, hat sich Sohn Dirk zum Energieberater des Handwerks ausbilden lassen. Allerdings läuft es nicht so wie gedacht: Denn die KfW hat die Bedingungen geändert, so dass der Betrieb für seine Kunden zwar Förderanträge stellen kann, dann aber die förderfähigen energiesparenden Maßnahmen selbst nicht mehr ausführen darf.

Bessere Qualitätskontrolle

"Unsere Kunden sind enttäuscht", sagt Hubert Schickling. Und das obwohl die KfW bei allen Hausbesitzern, die sein Sohn in den vergangenen Monaten beraten hat, Zuschüsse genehmigt hat. Alle diese 14 Kunden haben einen Brief der KfW erhalten, in dem schwarz auf weiß geschrieben steht, dass sie die Firma Schickling Heizung und Bad nicht mit den Sanierungsarbeiten beauftragen dürfen, wenn sie die Fördergelder tatsächlich bekommen wollen. Bei einigen hat Schickling allerdings bereits mit den Arbeiten begonnen.

Grundlage dieser Verwirrung sind die neuen Förderbedingungen des KfW-Programms 430, die seit März dieses Jahres gelten. Darin ist das sogenannte Vier-Augen-Prinzip festgelegt, das eine strikte Trennung zwischen dem Berater und dem ausführenden Handwerksbetrieb fordert. Wer berät, darf keine Baumaßnahmen durchführen und wer baut, darf nicht vorher beraten. Damit will die KfW die Qualität der energetischen Sanierungsmaßnahmen kontrollieren.

Anträge gegenseitig ausfüllen

Handwerker, die sich durch die Zusatzqualifikation des Energieberaters auch neue Aufträge versprochen haben, schauen nun in die Röhre oder fürchten wie Hubert Schickling sogar, dass sich die Kunden beschweren. "Wir haben viel Geld in die Weiterbildung gesteckt und werden nun dafür bestraft", urteilt der Heizungsbauer

Mit dieser grotesken Entscheidung wird seiner Ansicht nach die Energiewende im Bereich energiesparender und umweltfreundlicher Heizungstechnik nicht gefördert sondern massiv behindert. "Wie sinnvoll ist eine Regel, wenn sich nach dieser Regel die Handwerksbetriebe nun gegenseitig die Förderanträge ausfüllen, unterschreiben, und überprüfen können, oder müssen?" Genau genommen könne nun der Glaser dem Malermeister oder dem Heizungsbauer, dem Dachdecker einen Persilschein ausfüllen, damit dessen Kunden in den Genuss der staatlichen Förderung kommen.

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Schickling hat an die KfW geschrieben und fragt: "War da die alte Regelung, dass jeder Energieberater des Handwerks in seinem ureigenen Fachgebiet seine Kunden berät und für sein Tun selbst verantwortlich zeichnet, nicht viel sinnvoller?"

Die KfW ist anderer Meinung: "Wir vergeben öffentliche Mittel und daher brauchen wir eine besondere Qualitätssicherung", sagt Sybille Bauernfeind, Sprecherin der KfW. Hintergrund sei die Unabhängigkeit der Energieberatung, die nach Ansicht  der KfW nicht ausreichend gewährleistet ist, wenn ein Handwerker berät und gleichzeitig die Arbeiten ausführt. "Ein Handwerker, der auch als Energieberater arbeitet, muss sich eben vorher entscheiden, in welcher Rolle  er zum Kunden geht", sagt  Bauernfeind.

Besuch in Berlin

Dass die Änderungen im Handwerk für Ärger sorgen, kann sie jedoch auch verstehen. "Wenn es Probleme gibt, muss man darüber sprechen. Die KfW ist kontinuierlich in Gesprächen mit Unternehmen, Verbänden und Kammern", kündigt sie an. Und genau das hat Schickling auch vor, ein Briefwechsel alleine, bei dem die Argumente hin- und hergeschoben werden, reicht ihm nicht. Nächste Woche reist er gemeinsam mit Vertretern des Zentralverbands Sanitär, Heizung, Klima (ZVSHK) nach Berlin zur KfW.

Schickling wünscht sich mehr Protest. "Wenn die Energiewende wirklich so zügig umgesetzt werden soll wie die Politik das vorgibt, geht es nicht ohne die Energieberater des Handwerks, mir ihrer Ausbildung, ihrer Erfahrung und ihrer Kundennähe. Vor Ort will er für Klarheiten sorgen. "Ich habe schon so viel Geld in den Sand gesetzt mit diesem Thema, da kommt es auf das Fahrtgeld in die Hauptstadt auch nicht mehr an", sagt der Heizungsbauer, dessen Betrieb in Hofheim im Taunus ist.

Verband unterstützt Energieberater

Unterstützung bekommt er vom Verband. Um die Qualität zu sichern, wie es die KfW fordert, sollten die Energieberatungen nach Ansicht des  Justiziars des ZVSHK endlich standardisiert werden. "Dass alles aus einer Hand kommt, halten wir dagegen für sinnvoll", sagt Karsten Müller-Oehring.

Es bleibt also spannend. Von den Änderungen der Förderbedingungen sind schließlich nicht nur Heizungsbauer und SHK-Betriebe betoffen, die auch als Energieberater arbeiten, sondern viele andere Gewerke auch. "Vor zwei Jahren reichte noch der Meisterbrief aus und wir durften die Kunden beraten, die KfW-Zuschüsse beantragen wollten", erzählt Hubert Schickling. Doch so weit zurück will er gar nicht mehr. Dass sich sein Sohn als Energieberater weiterqualifiziert hat, soll nicht umsonst gewesen sein.