Verbraucherschützer sind verärgert: Der Energieausweis sollte mehr Transparenz bei Verkauf und Vermietung bieten, aber die Umsetzung in der Praxis gelingt noch nicht. Die Ergebnisse einer Stichprobe in sechs Großstädten zeigen erhebliche Mängel.

Fast fünf Monate nach Einführung der neuen Energiesparverordnung wird der Energieausweis nur selten eingesetzt, obwohl er gesetzliche vorgeschrieben ist. Schuld daran sind, so das "Bündnis Energieausweis", das fehlende Interesse der Bundesländer und der mangelnde Durchsetzungswille der Bundesregierung .
70 Prozent der besichtigten Wohnungen ohne Ausweis
Das Bündnis Energieausweis unter Federführung des Deutschen Mieterbundes (DMB) hat 77 Wohnungsbesichtigungen in Berlin, Stuttgart, Wiesbaden, Hannover, München und Dresden durchgeführt. Seit dem 1. Mai ist es Pflicht bei Verkauf, Vermietung, Verpachtung oder Leasing unaufgefordert einen Energieausweis vorzuzeigen oder während der Besichtigung deutlich sichtbar auszulegen. Bei der Stichprobe wurde nur bei 8 von 77 Immobilien unaufgefordert der Ausweis vorgezeigt. Ganze 54 Vermieter konnten auch auf Nachfrage keinen Ausweis vorlegen.
"Geltendes Recht wird bisher nur mangelhaft umgesetzt. Insbesondere das Desinteresse der Makler ist bedenklich", so Lukas Siebenkosten, Bundesdirektor DMB. 72 Prozent der besichtigten Wohnungen wurden von einem Makler angeboten.
Bund und Länder müssen Kontrollsysteme einführen
Jedes Bundesland ist selbst für die Einhaltung und Überprüfung der Verordnung verantwortlich. Im Frühjahr hatte nur Thüringen eine Behörde für diese Aufgabe benannt. Die Länder haben für bis zu sieben Jahre die Kontrollpflicht dem Deutschen Institut für Bautechnik übertragen. Dieses kontrolliert elektronisch die Eingabe-Gebäudedaten. Es findet jedoch keine Überprüfung der Inhalte oder der Vorlagepflicht der Energieausweise statt.
In einer Pressemitteilung fordert das Bündnis Umweltministerin Barbara Hendricks und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf zu handeln und mehr für Verbraucher- und Klimaschutz zu tun. Sie müssten eine effektive Umsetzung der gesetzlichen Regelungen sicherstellen und die Landesbehörden bei dem Aufbau eines Kontrollsystems unterstützen. Außerdem müsse ein Energieausweis eingeführt werden, der vergleichbare Ergebnisse zur energetischen Beschaffenheit des Gebäudes liefert.
Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V., sieht viel Potenzial im Energieausweis: "Er ist ein wichtiges Hilfsmittel, das Mieter und Hauskäufer davor schützt, unwissentlich, Heizkostenschleudern zu beziehen." Noll verweist zudem darauf, dass es in anderen Ländern, wie zum Beispiel Dänemark, bereits unbürokratische Online-Verfahren gibt. Diese sollten Vorbild für Deutschland sein. dhz