Rund 14 Prozent aller Fahrzeuge in Deutschland könnten bis 2030 Elektrofahrzeuge sein. Ob diese einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, hängt vom Strom ab, mit dem sie betrieben werden. Ein Gutachten hat jetzt ergeben, dass die Elektroautos nur dann ohne Emissionen fahren, wenn für ihren Betrieb zusätzliche erneuerbare Energien eingesetzt werden.

Es ist das erklärte Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die deutschen Straßen zu bringen. Mit ihrer Hilfe soll der Verkehr einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Das Öko-Institut hat im Auftrag des Bundesumweltministeriums die Marktpotenziale von elektrisch betriebenen Fahrzeugen sowie ihre Auswirkungen auf den Strombedarf und den Klimaschutz analysiert.
Ein Elektrofahrzeug verursacht beim Fahren keine direkten Emissionen, im Gegensatz zu einem herkömmlichen Pkw mit Verbrennungsmotor. Allerdings können, um die Batterien der Fahrzeuge zu laden, größere Mengen an CO2-Emissionen anfallen, je nach Energiequelle. Daher muss bei einem Vergleich von konventionellen Fahrzeugen und Elektroautos die Gesamtbilanz der Emissionen betrachtet werden.
Elektrofahrzeuge haben nur dann eine positive CO2-Bilanz, wenn für ihren Betrieb zusätzliche erneuerbare Energien eingesetzt werden. Nur so fahren sie emissionsfrei.
Tageszeit der Ladung entscheidet über Klimabilanz
Durch die Elektromobilität wird nach Ansicht der Wissenschaftler 2030 eine zusätzliche Stromnachfrage von etwa elf Terawattstunden entstehen. Das entspricht circa zwei Prozent des heutigen Gesamtverbrauchs in Deutschland. Je nachdem, zu welcher Zeit – und damit in welcher Angebots- und Nachfragesituation – die Batterie am Stromnetz aufgeladen wird, kommen unterschiedliche Kraftwerke zum Einsatz. Die Tageszeit spielt also die entscheidende Rolle für das Klimaschutzpotential der Elektroautos.
Laden viele Elektrofahrzeuge gleichzeitig ihre Batterien auf, zum Beispiel abends nach der letzten Fahrt, können ungünstige zusätzliche Nachfragespitzen auftreten. Und das zu Uhrzeiten, in denen ohnehin viel Strom gebraucht wird. Deshalb, so die Experten des Öko-Institut, müsste die Batterieladezeit durch ein effektives Lademanagement gesteuert werden.
Zusätzliche erneuerbare Energien unumgänglich
Um hohe Nachfragespitzen und damit den Einsatz teurer Spitzenlastkraftwerke zu vermeiden, würde das Lademanagement regeln, dass die Batterien zu kostengünstigeren Zeiträume mit geringerer Nachfrage oder mit hoher Windeinspeisung geladen werden. Gleichzeitig kommen so aber auch CO2-intensive, klimaschädliche Kohlekraftwerke verstärkt zum Einsatz, die für die Grundversorgung in Deutschland – insbesondere nachts – aktiv werden. Durch den zusätzlichen Verbrauch der Elektrofahrzeuge wird also nicht einfach mehr Strom mit durchschnittlicher Emissionsintensität produziert, sondern besonders CO2-intensiver Strom.
"Mit Lademanagement können die Elektrofahrzeuge gut in den Strommarkt integriert werden und auch in einigen Situationen von überschüssigem Wind- oder Solarstrom profitieren", erklärt Charlotte Loreck, Expertin für Strommarktfragen am Öko-Institut. "Der entscheidende Faktor für die Klimafreundlichkeit der Elektrofahrzeuge ist jedoch der Bau zusätzlicher erneuerbarer Energien."
Die zusätzlichen erneuerbaren Energien sollten übers Jahr so viel Strom liefern, wie die Elektrofahrzeuge verbrauchen. Der Strom muss jedoch nicht gleichzeitig dann eingespeist werden, wenn die Batterien geladen werden. "Die Fahrzeuge werden auch dann laden, wenn der Wind gerade nicht weht", so Loreck weiter. "Aber dafür verdrängen die zusätzlichen erneuerbare Energien dann konventionellen Strom in anderen Stunden. Für die Klimabilanz ist wichtig, dass die Summe stimmt."
Einsparpotential herkömmlicher Autos ist höher
Verglichen mit einem Szenario ohne Elektrofahrzeuge könnten Elektrofahrzeuge im Jahr 2030 rund 5,2 Millionen Tonnen CO2 vermeiden. Dies entspricht einer Minderung der Gesamtemissionen des Pkw-Verkehrs um etwa sechs Prozent bis zum Jahr 2030.
Allerdings sollten auch konventionelle Antriebstechnologien nicht aus den Augen verloren werden. Sie werden aus Sicht der Wissenschaftler des Öko-Instituts zusammen mit Minderungsmaßnahmen in den nächsten zwanzig Jahren den größten Beitrag zur Minderung der Co2-Emissionen des Pkw-Bestands liefern. Wenn herkömmliche Fahrzeuge bis 2030 deutlich effizienter werden, können sie allein die Treibhausgasemissionen des Pkw-Verkehrs um 25 Prozent reduzieren.
ADAC sieht keine Elektrolüge
Für den ADAC sind die Erkenntnisse der Studie keine Überraschung. Es sei jedoch nicht gerechtfertigt, angesichts der Ergebnisse von einer "Elektrolüge" zu sprechen, wie dies einige Medien tun. Der Automobilclub hat nach eigenen Angaben schon länger darauf hingewiesen, dass Elektromobilität nur dann Sinn macht, wenn zusätzliche Mengen an erneuerbaren Energien in den Strommarkt eingeführt werden.
Zudem betont auch der ADAC, dass mit modernen und sparsamen Diesel- und Benzinmotoren ein großer Beitrag zum Klimaschutz zu leisten sei. Dennoch müssten alle Anstrengungen unternommen werden, um parallel dazu auch die alternativen Antriebe, darunter auch die Elektromobilität, weiter voranzutreiben. jf