Interview mit Carsten Körnig zur Solarförderung "Der Ruf nach mehr Markt ist eine Farce"

Angesichts der aktuellen Entwicklungen scheint Deutschland tief in der Solarkrise zu stecken. Aber geht es der Solarwirtschaft wirklich so schlecht? Im DHZ-Interview erklärt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar), warum die geplante Strompreisbremse zum Problem werden könnte und wo die Chancen für Handwerk liegen.

Jana Tashina Wörrle

Carsten Körnig ist Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar). - © Foto: BSW Solar

DHZ: Steckt die Solarwirtschaft wirklich in der Krise?  Drohen weitere Firmenpleiten sowohl bei Herstellern als auch bei den Installateuren, die weniger Aufträge zu erwarten haben, weil die Förderung sinkt?

Carsten Körnig: Im ersten Halbjahr 2013 hat sich die Photovoltaik-Nachfrage gegenüber dem Vorjahr hierzulande bereits mehr als halbiert. Insbesondere die Errichtung größerer Solarkraftwerke ist in Deutschland inzwischen leider kaum noch rentabel. Doch die Marktentwicklung in der Photovoltaik zeigt auch, dass die Begeisterung in der Bevölkerung ungebrochen ist und sich die Nachfrage bei kleinen Photovoltaik-Anlagen wie sie für Ein- und Zweifamilienhäuser typisch sind, stabil entwickelt. Pro Monat kommen hier aktuell zwischen 6.000 und 10.000 neue Anlagen dazu.

DHZ: Rechnet sich das wirklich?

Körnig: Ja, PV-Anlagen auf Eigenheimen können in der Regel weiterhin wirtschaftlich betrieben werden, da die Förderkürzung hier weniger stark ausgefallen ist und sich die Alternative bietet, relevante Teile des Solarstroms auch selbst zu verbrauchen. Das spart erhebliche Strombezugskosten. Durchschnittliche private Stromtarife sind ja bereits doppelt so hoch wie die Erzeugungskosten des eigenen Solarstroms. Der Verbrauch selbst erzeugten Solarstroms wird angesichts sinkender Kosten übrigens auch für immer mehr Gewerbebetriebe interessant. Diese neuen Geschäftsmodelle bieten neue Absatzchancen für das Solarfachhandwerk.

DHZ: Was denken Sie konkret über die Förderung der Solarinstallationen? Besteht Gefahr, wenn diese noch weiter gekürzt werden – Stichwort Strompreisbremse?

Körnig: Aufgrund der starken Fördereinschnitte haben wir kaum noch Wasser unterm Kiel. Allein in den vergangenen anderthalb Jahren hat die Bundesregierung die Vergütungssätze für neue PV-Anlagen mehr als halbiert und doppelt so stark gekappt, wie die Preise schlüsselfertiger Solarstromanlagen sinken konnten. Ein weiteres Aufgehen der Schere zwischen Förderung und Preisen dürfte zu einem weiteren erheblichen Marktrückgang in Deutschland führen, mit negativen Konsequenzen auf Wertschöpfung und Beschäftigung.

DHZ: Was ist jetzt zu tun?

Körnig: Die Bundesregierung ist gefordert, unmittelbar nach der Bundestagswahl die energiepolitischen Rahmenbedingungen neu zu justieren, damit die Energiewende nicht zum Erliegen kommt. Gemeinsames Ziel muss sein, die Abhängigkeit von der Förderung weiter zu reduzieren, aber bitte mit mehr Augenmaß und nur, wenn zunächst faire Wettbewerbsbedingungen auf dem Energiemarkt geschaffen werden. Der Ruf nach mehr Markt ist andernfalls eine Farce.