2013 ging der Mikromezzaninfonds an den Start und ist seitdem erfolgreich – nur das Handwerk zögert. Das könnte sich ändern.

Ihren Namen möchte die kleine Schreinerei aus Nordrhein-Westfalen eher nicht in der Zeitung lesen – dabei gibt es eigentlich nur Gutes zu berichten. Der 1980 gegründete Betrieb, der den Innenausbau von Fenstern und Türen und individuelle Möbel in der Region Köln-Bonn anbietet, ist bestens etabliert und steht heute auch finanziell auf soliden Beinen.
Vor ein paar Jahren allerdings hatte er mit den gleichen Problemen zu kämpfen, die viele im Handwerk kennen: Die Auftragslage war gut, aber der von der Hausbank ausgereichte Kontokorrentkredit reichte nicht aus, um das Material vorzufinanzieren.
Bis heute wenig genutzt
Doch der Betrieb hatte Glück, gerade war der Mikromezzaninfonds Deutschland (MMD) an den Start gegangen und der Kunde der Kapitalgesellschaft für die mittelständische Wirtschaft in NRW konnte helfen. Die ausgereichten Mikromezzaninmittel von 50.000 Euro reichten zur Abwicklung der Aufträge und befinden sich nach den üblichen Rahmenbedingungen inzwischen bereits in der Rückzahlung.
Doch so positiv sich die Erfolgsgeschichte des 2013 vom Bundeswirtschaftsministerium auch liest – seit Auflegung haben mehr als 3.300 Unternehmen mit einem Gesamtgenehmigungsvolumen von 138 Millionen Euro eine Beteiligung erhalten –, im Handwerk wird er bis heute nur wenig genutzt. So liegt beispielsweise den Betriebsberatern der Handwerkskammer Stuttgart laut Sprecher Raphael Hertkorn "derzeit überhaupt keine Anfrage zu diesem Thema vor". Und das, obwohl sich der Mikromezzaninfonds auch und gerade an kleine Betriebe richtet. Gefördert werden nicht nur Betriebsmittel, sondern auch Investitionen und Nachfolgefinanzierungen.
Zudem wurde das Volumen im Laufe der Zeit mehrfach erhöht und auch die einzelnen Fördersummen angepasst. Seit 2019 können Betriebe, die bestimmte Zusatzvoraussetzungen (siehe Kasten) erfüllen, bis zu 150.000 Euro erhalten, erläutert Susanne Hauck von der NBank, also der Investitions- und Förderbank Niedersachsens, mit Beteiligungen und dem Mikromezzaninfonds beschäftigt.
Gründe für die zögerliche Nachfrage gibt es laut Branchenkennern wohl mehrere. Zunächst einmal ist das Produkt tatsächlich wenig bekannt. Dazu kommt, dass die Zusatzbestimmungen, die dann höhere Beträge ermöglichen, auf viele Handwerksbetriebe nicht zutreffen. Vor allem aber klingen die Konditionen mit acht Prozent Zinsen pro Jahr auf den ersten Blick nicht unbedingt verlockend. Und klangen es erst recht nicht in der bis vor kurzem anhaltenden Niedrigzinsphase.
Als stille Beteiligung ausgegeben
Was dabei aber oft übersehen wird: Das erhaltene Geld muss nicht besichert werden und wird zudem nicht als klassisches Darlehen ausgegeben, sondern als stille Beteiligung. Das bedeutet, es wird dem Eigenkapital zugerechnet. Ein großer Pluspunkt bei weiterem Finanzierungsbedarf. Denn je besser die Eigenkapitalquote, desto besser können andere Kredite verhandelt werden. Ein Machtverlust, wie oft befürchtet, geht mit einer solchen Beteiligung nicht einher. Denn der Kapitalgeber bekommt weder Stimmrechte, noch mischt er sich ins Tagesgeschäft ein.
Wie Marktforschungsinstitute derzeit beobachten, steigt der Bedarf vor allem nach kurzfristigen Krediten. Viele Betriebe wollen sowohl die angestiegenen Energie- und Rohstoffpreise finanzieren als auch den Bedarf nach erweiterter Lagerhaltung stillen. Aber auch mittel- und langfristige Kredite werden verstärkt nachgefragt. Wobei gleichzeitig die Vergabe wieder restriktiver wird.
Neben einer höheren Risikomarge, der anhaltenden Unsicherheit sowie den weiterhin gestörten Lieferketten spielt die bereits eingeläutete Zinswende der EZB eine Rolle. Die Bankenverbände erwarten, dass sich die Kreditvergabestandards für Unternehmen in den kommenden Monaten nochmals verschärfen könnten.
Insofern, darin sind sich Finanzierungsexperten einig, könnte es sich für Betriebsinhaber lohnen, sich neben anderen Alternativen der Beteiligungsgesellschaften der Länder oder der KfW, deren Startgeld teilweise ebenfalls ohne vorhandenes Eigenkapital genutzt werden kann, auch mit Mikromezzanine-Kapital zu beschäftigen.
Mikromezzaninfonds Deutschland – Fakten und Konditionen
Wer kann beantragen?
Kleine und junge Unternehmen sowie Existenzgründer mit wenig Eigenkapital, die aber über eine ausreichende wirtschaftliche Tragfähigkeit verfügen. Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten sind ausgeschlossen.
Wieviel kann beantragt werden?
Normalerweise zwischen 10.000 und 50.000 Euro. Unternehmen, die aus der Arbeitslosigkeit gegründet oder von Frauen bzw. Menschen mit Migrationshintergrund geführt werden und/oder ausbilden, können sogar bis zu 150.000 Euro beantragen, anfangs allerdings nur 75.000 Euro. Gleiches gilt für umweltorientierte Unternehmen oder solche, die ausbilden.
Wie lauten die Konditionen?
Es sind keine Sicherheiten zu stellen. Bei Auszahlung wird eine Bearbeitungsgebühr von 3,5 Prozent fällig. Der Zins beträgt acht Prozent (für Unternehmen mit besonders guter Bonität 6,5 Prozent) per anno. Außerdem gibt es eine variable Gewinnbeteiligung von maximal 1,5 Prozent pro Jahr.
Achtung: Durch Unterstützung des Europäischen Sozialfonds reduziert sich die ergebnisunabhängige Vergütung bis zum 31. Dezember 2023 auf vier Prozent per anno.
Wann wird zurückgezahlt?
Die Rückzahlung beginnt nach sieben Jahren in jährlich gleich hohen Raten. Davor sind nur vierteljährlich die Zinsen zu zahlen
Wie wird beantragt?
Die Antragstellung erfolgt im jeweiligen Bundesland über die Seite www.mikromezzaninfonds-deutschland.de. Benötigt werden u.a. alle Daten zum Unternehmen und den Unternehmensinhabern, eine Darstellung des Verwendungszweckes des Geldes, Bilanzen, Jahresabschlüsse und bei Neugründungen ein Businessplan.