In einer Stadt, in der der Bürgermeister mit dem Fahrrad ins Rathaus fährt, liegt Umweltschutz einem Handwerksbetrieb nicht fern. "Wir beschäftigen uns schon seit 1998 mit Umweltschutz, obwohl das damals im Handwerk noch kein großes Thema war", sagt Metzgermeister Helmut Truffner aus Tübingen, ebenfalls Radfahrer wie der grüne Oberbürgermeister Boris Palmer.
Daniela Lorenz

Die Feinkost-Metzgerei Truffner war 1999 die erste in Baden-Württemberg, die die Öko-Audit-Urkunde nach den Richtlinien der Europäischen Union bekommen hatte. Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Energieeinsparung sind schon lange Truffners Themen. Die Zertifizierung war da nur ein Meilenstein auf dem Weg, immer wieder in Technik zu investieren und nach Einspar- und Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen. "Die Umwelt so zu erhalten, wie man sie vorgefunden hat, oder möglichst sogar noch zu verbessern – das ist die Grundphilosophie unseres Betriebs", sagt Truffner.
So ist es selbstverständlich, dass Chef und Mitarbeiter stets versuchen, Wasser und Energie zu sparen. Es sind Kleinigkeiten, wie das Licht bei Tage auszumachen oder unnötige Fahrwege beim Catering durch genaue Planung zu vermeiden – ganz nach Helmut Truffners Motto: "Verdopple die Vorbereitung, halbiere die Ausführung."
Kühlung frisst Energie
Haupt-Energieträger sind im Metzgereibetrieb Kühlung und Gefrieren. Deshalb setzt Truffner auf Wärmerückgewinnung. Die Wärme, die durch die Kühlmaschinen entsteht, wird in Warmwasser umgewandelt. Das ist heute nichts Besonderes, aber vor 15 Jahren war es revolutionär. Und Truffner investiert weiter. Erst vergangenes Jahr hat der Betrieb seine Kühlmaschinen auf neue Steuerungen umgestellt und den Energieverbrauch nochmal gedrosselt.
Für seine Produktion in der Wilhelmstraße in Tübingen plant Truffner derzeit einen energiesparoptimierten Neubau. Neu wird sein, dass das Unternehmen die Abwärme der Kessel- und Rauchanlagen durch Wärmetauscher nutzen kann. Den Räumen, in denen es kocht und dampft, wird die Wärme entzogen und dank Wärmetauscher werden die Räume, in denen das Fleisch verarbeitet wird, dadurch gekühlt. Alle Dieselfahrzeuge des 20-Mitarbeiter-Betriebs sind auf Rußpartikelfilter umgerüstet.
Der Einsatz von Energiesparlampen ist für Truffner ebenfalls selbstverständlich. Ein nächster Schritt wäre der Einsatz von LED-Leuchten. Diese Möglichkeit zieht Truffner für seinen Verkaufsraum in Betracht. "Hierbei können wir noch mal 60 Prozent Energie einsparen und haben kaum Wärmeentwicklung. Wir müssen nur aufpassen, dass die Ware dann immer noch gut aussieht und nicht verblasst."
Koordinierter Übergang
In der Zukunft wird er seinen Betrieb an seinen Sohn Thomas übergeben. Daher beschäftigen sich Vater und Sohn seit einem Jahr mit der reibungslosen Übergabe des Betriebs. Als Chef steht Helmut Truffner mit seinem Namen für seine Produkte. Zur Nachhaltigkeit gehört es für ihn daher auch, dass seine Metzgerei die Schlachttiere seit vielen Jahren von regionalen Betrieben bezieht. Kurze Transportwege bedeuten weniger Stress für die Tiere, fördern das "Tierwohl", was sich wieder auf die Qualität der Ware auswirkt. Von der Produktion bei Truffner bis zum Kunden sind es dann nur noch 20 Meter.
Hinter all dem steht aber nicht nur der Chef, sondern auch die Mitarbeiter. "Umweltschutz ist ein fortlaufender Prozess. Es nützt nichts, wenn ich dahinterstehe, es müssen auch meine Mitarbeiter mitmachen." In regelmäßigen Mitarbeitergesprächen werden Maßnahmen und Ideen durchgesprochen. Um Mitarbeiter zu motivieren, greift Truffner zu ungewöhnlichen Mitteln. Vor einigen Jahren konnte er Olympiasieger Dieter Baumann gewinnen, ein Truffner-Team für den Trollinger-Marathon zu trainieren. "Sie können jemanden nur durch ein Vorbild motivieren", sagt Truffner und stellt sich in Heilbronn selbst jedes Jahr der Herausforderung.