Das Familienunternehmen Rittmayer im oberfränkischen Hallerndorf zählt zu den ältesten Brauereien in Deutschland. Geschäftsführer Georg Rittmayer will jedoch nicht von der Tradition zehren, sondern sucht neue Geschäftsmodelle. Er setzt auf Dosenbier und holt sich Inspirationen aus China.

Georg Rittmayer ist gut gelaunt, aber auch etwas aufgeregt, wie ein Kind vor der Bescherung an Heiligabend. Pünktlich zum Tag des Redaktionsbesuches in seiner gleichnamigen Brauerei im oberfränkischen Hallerndorf wird die neue Dosenbieranlage in Betrieb genommen. Es ist das erste Mal in der mehr als 600-jährigen Geschichte des Familienbetriebs, dass Dosenbier produziert wird.
Bier aus Dosen im Trend
Für den Geschäftsführer und Braumeister eine Investition in die Zukunft: "Bier direkt aus der Dose zu trinken, ist ein Trend bei jungen Leuten und in anderen Ländern schon längst etabliert", sagt Rittmayer. Beinahe täglich erreichen ihn Anfragen anderer Brauereien, für die er Dosenbier abfüllen soll und einige Aufträge sind bereits unterzeichnet. Aber hauptsächlich will Rittmayer sein eigenes Bier in den Dosen verkaufen.
Das Pfandsystem ist ein weiterer wichtiger Grund, der nach Ansicht des Chefs für die Dose spricht. "Jedes Jahr werden 600.000 bis 700.000 Leerkisten von mittelständischen Brauereien geschreddert. Wir erhalten nur einen Bruchteil der Kosten zurück, die uns für die Leerkisten und Pfandflaschen entstehen."
Das Problem sei, dass das Pfand auf Mehrweg so niedrig ist, dass es wenig Anreiz gäbe, es zurückzubringen. Zudem würden viele Kunden ihr Leergut in anderen Super- und Getränkemärkten abgeben, als dort, wo sie es gekauft haben. Die mittelständischen Brauereien hätten im Gegensatz zu den industriellen Großbrauereien jedoch nur begrenzte Rückwege vom Handel.
Gegängelt von Bürokratie
Für Rittmayer, der auch als Präsident des Verbandes Private Brauereien Bayern die Interessen des Handwerks vertritt, ist das Pfandsystem eine von vielen Regelungen, bei denen er sich von der Politik gegängelt fühlt. Viel Aufwand und Kosten bereiten auch die Lebensmittelüberwachung, die Zollkontrollen bei der Abführung von Biersteuer oder die Arbeitssicherheit. So musste die Brauerei kürzlich einen Strahlenschutzbeauftragten ausbilden, weil eines der Füllkontrollgeräte minimale Mengen von Uran aufweist. "Wir haben jetzt jemanden, der ein Atomkraftwerk leiten kann", scherzt Rittmayer. Dennoch zeigt die Brauerei besonderes Engagement und dient als Musterbetrieb, wenn die Behörden neue Mitarbeiter beim Zoll oder dem Arbeitsschutz ausbilden.
Die Brauerei hat Georg Rittmayer in den 1990er-Jahren von seinem Vater übernommen und auf neue Beine gestellt. "Früher waren wir auf die Gastwirtschaft fokussiert und haben etwa 800 Hektoliter Bier im Jahr hergestellt. Heute sind es 30.000 Hektoliter und der Verkauf von Flaschenbier im Handel macht den Großteil des Geschäfts aus."
Daneben beliefert er andere Gastronomen, Sportvereine und Feste. Sich breiter aufzustellen, half der Brauerei dabei, unbeschadet durch die Coronapandemie zu kommen. "Wir konnten die Rückgänge beim Fassbierverkauf durch einen höheren Absatz von Flaschenbier ausgleichen. Im Gegensatz zu anderen Brauereien mussten wir keinen Tropfen Bier wegschütten."
Die hohe handwerkliche Qualität seiner Biere ist längst weit über die Grenzen von Oberfranken hinaus bekannt. Beim European Beer Star Award, der inoffiziellen Weltmeisterschaft, räumen seine Produkte regelmäßig Preise ab, die Rittmayer gerne fürs Marketing nutzt. Auf den Erfolgen ausruhen möchte er sich jedoch nicht und tüftelt ständig an neuen Kreationen. Einen Wachstumsmarkt sieht er vor allem bei alkoholfreien Bieren, zudem soll auch das Sortiment an Softdrinks breiter werden.
Der umtriebige Unternehmer sieht zudem Potenzial darin, künftig verstärkt für andere Brauereien zu produzieren. "Eine Autoshow in China hat mich inspiriert. Dort werden Fahrzeuge von sieben Marken in einem Werk gefertigt. Warum soll das nicht auch mit Bier funktionieren?", sagt der Braumeister, der bei Interesse in weitere Produktionsanlagen investieren will.
Nutzung erneuerbarer Energien
Geld in die Hand nimmt Rittmayer auch für eine energiesparende und klimafreundliche Produktion. Gerade wurde erst eine Photovoltaikanlage mit 400 kW auf dem Dach installiert, die als Stromlieferant dient. Künftig wird noch mehr Strom benötigt, weil der komplette Fuhrpark elektrifiziert werden soll. Zwei E-Stapler wurden bereits angeschafft und auch der Chef ist mit einem E-Auto unterwegs.
Zudem wird Strom aus Wasserkraft produziert und mit Holz geheizt. Auch Abwasser und die Abwärme der Maschinen in der Produktion wird so effizient wie möglich verwendet. Dafür ist ein Wärmeleitsystem mit einem Wärmespeicher im Einsatz. "Wir bewegen die Wärme so lange im Kreis, bis die Temperatur unter 60 Grad fällt und nicht mehr verwendet werden kann." Überdies wird das Biogas der hauseigenen Kläranlage genutzt. Das Ziel von Rittmayer ist es, so wenig CO2 auszustoßen wie möglich. Dafür möchte er langfristig auch in Wasserstoff investieren.
Ob sich die Ausgaben wirtschaftlich lohnen werden, steht auf einem anderen Blatt. "Wir investieren aktuell ins Blaue hinein, wie andere Betriebe auch." Der Kurs der Bundesregierung verunsichere Unternehmen stark. So wurde ihm etwa 2011 die Hackschnitzelanlage als Heizung mit Zukunft verkauft. Heute hat er Angst, die Anlage bald nicht mehr betreiben zu dürfen.
Verlässlich sei hingegen die gleichbleibend hohe Qualität seiner Biere. "Bierbrauen braucht Zeit und Ruhe. So wie die Herstellung eines guten Brotes. Da bin ich ganz oldschool." Das gelte auch beim Dosenbier.