Vermögensungleichheit DIW-Forscher schlagen 20.000 Euro Grunderbe vor

Manche Menschen erben ein Vermögen, andere gar nichts. Um dem etwas entgegenzubringen, fordern Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ein Startkapital für jeden 18-Jährigen in Höhe von 20.000 Euro. Doch wie ließe sich das finanzieren?

Junge Frau am Bankschalter hebt Geld ab.
Junge Frau am Bankschalter: Ein Grunderbe von 20.000 Euro für alle Volljährigen könnte laut Forschern die Vermögensungleichheit in Deutschland deutlich verringern. - © hedgehog94 - stock.adobe.com

In Deutschland ist das Vermögen sehr ungleich verteilt. Während die einen Millionen erben, gehen andere Menschen leer aus. Um dem etwas entgegenzuwirken, schlagen Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin ein sogenanntes Grunderbe vor. Jeder Jugendliche soll ein Startkapital von bis zu 20.000 Euro erhalten. Solch eine Finanzspritze für alle 18-Jährigen würde die Vermögensungleichheit in Deutschland deutlich reduzieren. Finanziert werden könnte es den Forschern zufolge durch die Erbschafts- oder Vermögensteuer.

Wie groß ist die Vermögensungleichheit in Deutschland?

Bei einem Grunderbe von 20.000 Euro sänke der Gini-Koeffizient um fünf bis sieben Prozent, so das Ergebnis der Studie. Der Gini-Koeffizient ist das Maß, mit dem Ungleicheit gemessen wird. In Deutschland ist er relativ hoch. Das heißt, die privaten Vermögen sind hierzulande sehr ungleich verteilt. "Die reichsten zehn Prozent haben Zweidrittel des gesamten Vermögens und die reichsten ein Prozent Eindrittel", sagt Studienmitautor Stefan Bach.

Im jetzigen Koalitionsvertrag sind Maßnahmen vorgesehen, die die Vermögensbildung unterstützen sollen. Dazu zählen die Förderung des Wohneigentums oder eine verbesserte betriebliche und private Altersvorsorge. Das gehe laut Bach zwar in die richtige Richtung, dürfte aber die große Ungleichheit bei den Vermögen nur moderat senken. "Charmanter wäre die Idee eines Grunderbes, bei dem alle 18-Jährigen ein Startkapital vom Staat geschenkt bekommen – natürlich nicht cash, sondern mit Verwendungsauflagen für Aus- und Weiterbildung, Erwerb von Wohneigentum, Selbstständigkeit oder Unternehmensgründungen".

Wie lässt sich solch eine Grunderbe finanizeren?

Das Grunderbe würde rund 15 Milliarden Euro im Jahr kosten, haben die Berliner Forscher berechnet. Sie schlagen vor, es zum Großteil über die Erhöhung von vermögensbezogenen Steuern zu finanzieren. Infrage käme ihnen zufolge eine Reform der Erbschaftsteuer, eine höhere Besteuerung von Immobiliengewinnen und eine Vermögensteuer für Hochvermögende. "Vor allem die Erbschaftsteuer ist bei vielen unbeliebt – obwohl die wenigsten davon betroffen sind. Wenn die Steuererhöhungen für ein Grunderbe verwendet würden, wären die Steuererhöhungen für Reiche sicher leichter zu vermitteln", meint Bach, der die Berechnungen im Auftrag des Forum New Economy durchgeführt hat.

"Wenn wir wirklich in absehbarer Zeit 'Wohlstand für alle' schaffen wollen, dann sollten wir die hohe Vermögensungleichheit in Deutschland durch Umverteilung reduzieren: indem die besitzlose Hälfte ein Grunderbe zum Vermögensaufbau erhält, das über Steuern auf hohe Vermögen finanziert wird", ist er überzeugt. ew

Im Interview erklärt Mitautor Stefan Bach mehr über die Hintergründe zur Studie:

Quelle: DIW Berlin