Interview Dieses Metzgerei-Duo ist eine Premiere bei "The Voice"

Anja Beck-Harth und Jenny Oberst-Harth arbeiten normalerweise in der Landmetzgerei Harth in Stadecken-Elsheim. Mit ihrem etwas anderen Familienausflug schrieben sie "The Voice of Germany"-Geschichte.

Jenny Oberst-Harth (links) und Anja Beck-Hardt vor ihrer Familienmetzgerei im rheinland-pfälzischen Stadecke-Elsheim. - © Privat

Das gab es noch nie: Mutter und Tochter greifen in derselben Staffel nach dem Mikrofon und dem Titel "The Voice of Germany". Beide tauschten Ende August ihre Plätze in der Landmetzgerei Harth gegen die TV-Bühne von ProSieben und Sat.1. Anders wie in anderen Casting-Shows zählt bei "The Voice of Germany" zunächst nur die Stimme. Die Jurymitglieder sitzen mit den Rücken zur Bühne. Erst wenn sie buzzern, bekommen sie die Kandidaten zu Gesicht – das Talent rückt in die nächste Runde. Dreht sich keiner der Stühle, geht es für den Teilnehmer nach Hause.

Für die 55-jährige Mutter Anja Beck-Harth drehten nach ihrer Darbietung des Songs "And I Am Telling You I´m Not Going" von Jennifer Hudson zwei der vier Coaches ihre Stühle. Die 27-jährige Tochter Jenny Oberst-Harth überzeugte mit "Nutbush City Limits" von Ike und Tina Turner drei Juroren.

Damit löste sowohl die sechste als auch die siebte Generation der Familienmetzgerei im rheinland-pfälzischen Stadecken-Elsheim das Ticket für die "Battles". Die Schützlinge der jeweiligen Coaches treten dabei gegeneinander in teaminternen Duellen an. Ein "Battle" zwischen Mutter und Tochter wird es zunächst nicht geben. Mutter Anja entschied sich für das Team von Mark Forster, Tochter Jenny schloss sich Peter Maffay an.

Im Interview mit der Deutschen Handwerk Zeitung sprechen beide über ihre TV-Premiere, wie die Kunden auf den Auftritt reagiert haben und über das Fleischerhandwerk.

Jenny Oberst-Harth und Mutter Anja Beck-Harth im DHZ-Interview

Anja, Mark Forster sagte zu dir: "Du hast den Song komplett geschlachtet. Du hast die Strophe zu einer Wurst gemacht und dann kam aber erst das Filet-Stückchen". Hast du dich alleine wegen diesem Spruch für Team Mark entschieden oder war deine Entscheidung ohnehin schon klar?

Anja Beck-Harth: Die Entscheidung war nicht direkt klar, es war ja auch noch die Steffi (Jurorin Stefanie Kloß, Anm. d. Red.) im Rennen und ich musste erstmal hören, was sie noch zu sagen hatte. Ich fand Mark Forster von seiner Witzigkeit und Spontanität schon immer sehr klasse. Ich wäre gerne zu Peter Maffay gegangen, aber wie ich es auch auf der Bühne schon gesagt habe, der wollte mich ja nicht.

Jenny, man hat dir angesehen, dass du sehr berührt warst, als deine Mutter angefangen hat zu singen. Wann hattest du mehr Herzrasen: Beim eigenen Auftritt oder bei dem von ihr?

Jenny Oberst-Harth: Definitiv als meine Mutter auf der Bühne war. Bei mir ging es von der Nervosität während meines Auftritts. Ich hatte in dem Moment einfach Lust, auf die Bühne zu gehen.

Anja: Das ging uns aber beiden so. Wir waren bei unseren eigenen Auftritten nicht so aufgeregt wie bei den Auftritten des anderen.

Habt ihr seit der Ausstrahlung von "The Voice of Germany" mehr Kunden?

Anja: Es ist zwar wieder mehr los als die Wochen davor, aber ich denke das liegt eher daran, dass die Leute zurück aus dem Urlaub sind. Allerdings bekommen wir viel Feedback von unseren Kunden, was uns natürlich sehr freut.

Wird auch mal während der Arbeit im Hinterraum oder sogar an der Theke gesungen?

Anja: (lacht) Höchstens der Sohn, der auch musikalisch begabt ist.  Er singt sehr gerne in der Wurstküche. Teilweise auch zum Leidwesen seiner Kollegen.

Jenny, Du und dein Bruder sind schon die siebte Generation eures Familienbetriebs. War es für dich von klein auf klar, dass du im Betrieb deiner Eltern arbeiten möchtest?

Jenny: Nein. Uns wurden immer alle Möglichkeiten offengehalten. Da ich mich schon immer fürs Kochen interessiert habe, dachte ich mir, ich mache zuerst meine Ausbildung als Köchin. Nach bestandener Ausbildung habe ich dann noch ein halbes Jahr in dem Beruf gearbeitet. Danach habe ich verschiedene Praktika gemacht und zwischendrin schon angefangen, in der Metzgerei zu arbeiten. 2017 bin ich dann fest in den Familienbetrieb eingestiegen. Diese Entwicklung ist wunderschön, weil es sehr viel Spaß macht und ich auch sehr froh bin, dass mein Bruder jetzt auch mit dabei ist.

Aktuell beklagen viele Betriebe offene Lehrstellen, auch das Fleischerhandwerk. Was sind deine Argumente für die Ausbildung?

Jenny: Der Kontakt mit Menschen und die Arbeit an qualitativ hochwertiger Ernährung. Ich finde, wir verkaufen etwas moralisch Wertvolles. Bei uns ist zu Einhundert Prozent klar wo das Tier herkommt, wo es gelebt hat und wie es verarbeitet wurde. In der heutigen Zeit wird der Trend Richtung Tierwohl immer stärker. Ich finde es wichtig, dass es auch junge Menschen gibt, die diesen Trend verkörpern und auch verkaufen. Außerdem ist es ein sehr abwechslungsreicher Job, in dem auch Kreativität gefordert ist.

"Battles" starten Ende September

Wie es für das Duo bei "The Voice of Germany" weitergeht, erfahren die Zuschauer Ende September. Dann starten die "Battles" auf ProSieben und Sat.1.