Kolumne Diesen Fehler machen Betriebe am ersten Azubi-Tag

Der erste Tag wird in vielen Betrieben organisatorisch abgehakt, statt emotional gestaltet. Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erklärt in ihrer DHZ-Kolumne, warum genau hier die Fachkräftesicherung beginnt und wie drei einfache Schritte dafür sorgen, dass Azubis bleiben statt gehen.

Der erste Tag prägt: Ob ein Azubi mit Stolz oder Unsicherheit startet, entscheidet sich im Umgang miteinander. - © industrieblick - stock.adobe.com

In meiner Meisterklasse ging es neulich um Planung. Nicht um Bauprojekte oder Jahresziele, sondern um das, was im Alltag oft untergeht: Strukturen, Abläufe, kleine Gesten. Also um all das, was entscheidet, ob etwas einfach passiert oder bewusst gestaltet wird. 

Daraus entstand eine Übung: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten einen Azubi-Willkommenstag planen. Was zunächst nach einer kleinen Aufgabe klang, entpuppte sich als vielschichtiger Moment. Denn wer wirklich plant, merkt schnell: So ein Tag ist weit mehr als Organisation.  

Es geht um Haltung, um Atmosphäre, um das Gefühl, das bleibt. Am Ende waren sich alle einig: Sie hätten nie gedacht, wie viel dahintersteckt und wie viel ein solcher Tag auslösen kann. 

Denn der erste Tag bleibt. Er prägt, ob sich jemand willkommen oder fehl am Platz fühlt. Ob der Satz "Ich bin jetzt Azubi bei uns im Betrieb" mit Stolz oder Unsicherheit ausgesprochen wird. 

Willkommenstag für Azubis und die Botschaft: "Du bist wichtig"

Ein gelungener Willkommenstag ist kein Luxus. Er ist ein Signal: an den jungen Menschen, dass er wichtig ist; an das Team, dass Ausbildung eine gemeinsame Aufgabe ist; und an das Unternehmen selbst, dass es verstanden hat: Die Zukunft entscheidet sich nicht erst angesichts des Fachkräftemangels, sondern bereits am ersten Tag.

So entsteht Wertschätzung, die spürbar ist. Und sie verändert etwas, nicht nur beim Azubi, sondern auch im Team. Denn wer sieht, dass ein neuer Mensch mit offenen Armen empfangen wird, erinnert sich daran, warum Ausbildung wichtig ist. Das stärkt das Wir-Gefühl und verbindet Generationen im Betrieb. 

Kathrin Post-Isenberg KPI
Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg führte jahrelang ihren eigenen Handwerksbetrieb. Heute ist sie Speakerin, Host des Podcasts "Nach fest kommt ab" und treibt die Diskussion rund um Arbeitgebermarke, Führung und Fachkräftesicherung im Handwerk voran. - © Markus Zielke

Ich sehe in solchen Tagen den Beginn einer Haltung. Wer so startet, bleibt eher. 
Und wer so ausbildet, stärkt nicht nur den eigenen Betrieb, sondern das ganze Handwerk. 

3 Impulse für die Praxis

  1. Planen Sie den ersten Tag so, wie Sie selbst empfangen werden möchten – herzlich, klar und ohne Hektik. 
  2. Binden Sie das ganze Team ein, damit aus einem formalen Start ein gemeinsamer Moment wird. 
  3. Bleiben Sie dran. Ein guter erster Tag ist der Auftakt. Was zählt, ist, dass die Wertschätzung im Alltag spürbar bleibt. 

Fazit

Fachkräftesicherung beginnt nicht bei großen Kampagnen, sondern in kleinen Momenten. Wer den ersten Tag mit Herz gestaltet, baut Bindung auf und legt damit das Fundament für eine starke Arbeitgebermarke. 

Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint jeden Donnerstag exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Melden Sie sich für den kostenlosen DHZ-Newsletter an, um keine Ausgabe zu verpassen.