Geschäftsfelder im Handwerk Der Dienst am Kunden zahlt sich aus

Vom Handwerker zum Dienstleister: Die Geschäftsfelder im Handwerk verändern sich. Service gehört immer mehr zum Handwerksalltag. Ein Beispiel aus der Praxis: eine Metallbaumeisterin aus dem Nordschwarzwald erzählt.

Michael Sudahl

Serviceleistungen im Handwerk entwickeln sich zu einem eigenen Geschäftsfeld. - © Foto: Kadmy/Fotolia

Um sieben Uhr in der Früh klingelt das Telefon. Als Mirjam Helber abnimmt, ist am anderen Ende ein Apotheker aus Leonberg bei Stuttgart. Die Eingangstüre in die Apotheke ist defekt. Sie schließt nicht mehr. Bei zehn Grad plus kein Vergnügen für Mitarbeiter und Kunden. Die Metallbaumeisterin aus Altensteig-Spielberg im Nordschwarzwald reagiert sofort.

Ihre beiden Servicetechniker ändern ihre Tagestour. Statt Richtung Tübingen geht es in den Norden des Landkreises Böblingen. Um 7.30 Uhr rücken sie aus. Gut eine Stunde später sind sie am Zielort. Wiederum eine Stunde später ist der Defekt behoben. Die Apotheke kann öffnen. Kalt wird es an diesem Tag keinem im Ladengeschäft.

Umsatzes steigt mit Service-Leistungen

Dass der Betroffene Pharmazeut im 60 Kilometer südlich entfernten Spielberg bei einem Handwerksbetrieb anruft und nicht beim Hersteller der Türe, hat einen Grund. Seit 2006 hat Metallbau Helber ein neues Standbein. Der Betrieb mit sieben Mann bietet unter dem Siegel Visiometall Wartung, Instandhaltung und Reparatur von Toren und Türen an.

Kunden sind Firmen und öffentliche Einrichtungen, die kraftschließende Automatiktüren und -tore einsetzen: Etwa die Universität Tübingen, etliche Bäcker und Apotheken sowie zahlreiche Speditionen. "Für rund 180 Stammkunden übernehmen wir die Wartungsarbeiten", verdeutlicht Helber. Denn Automatik- oder Brandschutztüren müssen laut Gesetz mindestens einmal im Jahr überprüft werden. Heute erwirtschaftet die 35-jährige Chefin des Familienbetriebs im Schnitt ein Fünftel des Umsatzes mit diesen Service-Leistungen.

"Zu dem Geschäft kam es, weil immer wieder Kunden uns baten, nicht nur Metallbauelemente einzubauen, sondern auch Brandschutztüren mit Feststellanlagen oder Automatiktüren zu warten und bei Bedarf zu reparieren", nennt Helber die Gründe für den Ausbau des Geschäftszweiges. An fünf Tagen die Woche touren inzwischen zwei Service-Techniker durch drei Landkreise und kümmern sich um Türen und Tore. Dazu gehört auch, die Dokumentation zu übernehmen.

Mit Laptops ausgestattet sind die Handwerker in der Lage, Prüfberichte zu erstellen, Ersatzteile zu ordern oder ein Wartungsintervall zu ändern. "Lukrativ ist das Geschäft allemal, wenn die Voraussetzungen stimmen und alles rund läuft", sagt Helber. Zwar seien die Investitionen in Herstellerschulungen oder Prüfwerkzeuge nicht zu unterschätzen, aber wenn das Team eingespielt ist, rechne es sich.

Ein eigenes Geschäftsfeld

Waren vor Jahren Serviceleistungen im Handwerk noch ein notwendiges Übel, so mausert sich die Dienstleistung am Kunden inzwischen zum eigenen Geschäftsfeld. Für Karl-Heinz Vossenkuhl ist dieser Trend unumkehrbar. Der langjährige Innovationsberater der Handwerkskammer ist seit mehr als 20 Jahren selbstständig und trainiert Betriebe in Sachen Service. "Der Bedarf ist enorm", sagt der 64-Jährige. Vor allem bei Kunden wie der öffentlichen Hand und Industriefirmen sieht der gelernte Maschinenschlosser und Techniker ein Potenzial, das Handwerker heben können. Stichwort sind Wartungsverträge.

So können etwa Metallbauer wie Helber die Pflege und Prüfungsintervalle kraftschließender Türen übernehmen. Die Vorteile hat der Kunde: Denn zum einen seien regionale Handwerker oft günstiger als Türen-Hersteller, die höhere Stundensätze und lange Anfahrtszeiten berechnen. Zum anderen sind die Reaktionszeiten deutlich schneller. "Ein Vorortbetrieb kann binnen Stunden auf Schaden oder Störung reagieren", sagt der Experte. Das mindert Ausfallzeiten. Spart somit Geld. So könnten die Handwerker mit gutem Service die Lücke zwischen Kunde und Hersteller schließen, bilanziert Vossenkuhl.

Eine Lücke schließt auch Thomas Rodens. Der Chef von Handwerk mit Stil kommt da zum Zug, wo sich der Aufwand etwa für einen Ladenumbau für einen Architekten nicht lohnt oder die Fristen zu knapp sind. Dann bietet der Betriebsmanager im Handwerk Fachrichtung Farbe neben seinem Handwerk Planung und komplettes Projektmanagement an. Für die Lumas-Galerien etwa arrangiert der Maler den Umbau von Ladengeschäften.

Alles-aus-einer-Hand-Modell

"Nach einem Projekt in Stuttgart sind wir nun bundesweit für die Firma unterwegs", sagt der Chef von 18 Mitarbeitern. Sogar nach Paris darf der Stuttgarter Handwerker reisen, um dort den Laden umzugestalten. Dabei koordiniert Rodens sämtliche Gewerke. "Vom Trockenbauer über den Flaschner bis zum Elektriker müssen binnen zweier Monate alle Arbeiten just in time erledigt sein", sagt Rodens.

Vossenkuhl wiederum beurteilt Alles-aus-einer-Hand-Modelle als zukunftsweisend. "Zeit ist ein kostbares Gut", erklärt er. Wenn Handwerker Komplettlösungen mit einem Ansprechpartner anböten und damit die Administration an sich nähmen schenkten sie den Kunden genau das: Zeit.