Bestatter mit langer Tradition Die tägliche Arbeit mit dem Tod

Es gibt unzählige Arten ein Leben zu leben, doch eines ist stets gewiss, der Tod. Für die meisten Menschen bedeutet dies das Ende, doch nicht für Familie Gumpert aus Unterfranken. In bereits fünfter Generation fängt für sie die Arbeit mit dem Tod erst an.

Benini/privat
Luis und Tom Gumpert beim Aufbau der Aufbahrung. - © Benini/privat

"Zu der Urne passt schwarz doch viel besser als braun", gibt Luis Gumpert seinem Bruder Tom zu verstehen, während sie den großen grauen Transporter leerräumen und Kiste für Kiste vor das Leichenhaus tragen. "Sybille meinte, wir sollen die braunen Tücher nehmen, aber ich finde schwarz passt viel besser.  Bei der Errichtung der Aufbahrung hat jeder Bestatter seinen eigenen Stil. Dabei gibt es keine besonderen Vorgaben, am Ende muss nur das Gesamtbild stimmen."  

Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass die Brüder zusammen auf dem Friedhof arbeiten. Beide sind schon seit mehreren Jahren im Familienunternehmen in Werneck in Unterfranken beschäftigt, Tom seit fast drei, sein älterer Bruder seit nunmehr sechs.   

Traumberuf über Umwege

"Mit 18 konnte ich mir noch gar nicht vorstellen als Bestatter zu arbeiten. Das hat sich dann aber ergeben, auch wenn die Arbeit mit Toten am Anfang schwer war", erklärt Luis. Vor dem Einstieg in den Familienbetrieb hat er Elektriker gelernt, doch seine Zukunft hat er darin nicht gesehen. Toms Traumberuf hingegen war schon in jungen Jahren Bestatter. Dennoch hat er erst eine Ausbildung zum Krankenpfleger gemacht. Die Schichtarbeit und der ständige Druck durch den Pflegenotstand haben ihn dann jedoch zu seinem ursprünglichen Wunsch zurückkehren lassen.

Letzte Reise, letzter Wille

Nach der Firmengründung 1994 hat es zwei Jahre gedauert bis Hubertus Gumpert, genannt Hubsi, den ersten Auftrag für eine Urnenbestattung bekommen hat. Heute machen diese über zwei Drittel seiner Aufträge aus. Doch die gesamte Grabkultur hat sich verändert, erklärt er. "Früher sind die Hinterbliebenen noch zweimal am Tag zum Grab gegangen und haben sich darum gekümmert. Das gibt es heute alles nicht mehr so." Die meisten Kinder verlassen ihre Elternhäuser, ziehen weg und besuchen ihre Verstorbenen immer seltener. Daher fällt die Wahl der letzten Ruhestätte immer häufiger zugunsten des einfacher zu pflegenden Urnengrabes aus. Doch so mancher wünscht sich auch eine ausgefallenere Beisetzung und Hubsi versucht jeden Wunsch so gut wie möglich umzusetzen und seine Kunden zum Besonderen zu animieren. Baumbestattungen, Beisetzungen im Ruheforst, Seebestattungen oder auch das Pressen der Asche des Verstorbenen zu Diamanten werden immer häufiger angefragt.         

Bei einem befreundeten Gärtner wurde die letzte Reise tatsächlich wörtlich genommen. Zu Lebzeiten ist dieser in der Gemeinde Jahrzehnte von Ort zu Ort gefahren und hat dabei Pflanzen, Gestecke und Obst verkauft. Vor seiner Beisetzung fuhr Hubsi mit ihm als Zeichen der Wertschätzung noch ein letztes Mal seine alte Route ab. Bei anderen wurden schon Pferde zur Beisetzung mitgebracht oder das geliebte Motorrad mit in die Aufbahrung integriert.

Aufträge von der Polizei

So langsam nimmt auch die heutige Aufbahrung Gestalt an, diesmal ganz klassisch. Sechs Thujen, auch Lebensbaum genannt, werden der Größe nach in V-Form aufgestellt. Danach werden die Töpfe der Bäume zusammen mit dem grauen Steinboden um sie herum in schwarze Samttüchern gehüllt. Dazwischen werden einige silberne Kerzenständer aufgestellt. Auch die grauen Transportkisten werden mit Tüchern bedeckt und in den Aufbau miteinbezogen. Zuletzt werden beinahe ein Dutzend Trauergestecke von Familie und Freunden, aber auch der Freiwilligen Feuerwehr und der Siebener Gemeinschaft an der Aufbahrung platziert. Danach ist erst einmal Mittag und es geht wieder heim ins Warme.

Doch viel Zeit zum Pause machen bleibt nicht, denn ein Anruf der Polizei kündigt neue Arbeit an. Im Nachbarort gab es einen weiteren Sterbefall. Bei unklaren Todesfällen erfolgt eine Beschlagnahmung des Leichnams durch die Kriminalpolizei. Für die Überführung sind Bestattungsunternehmen wie das der Familie Gumpert verantwortlich. Luis Gumpert überführt die beschlagnahmte Leiche an den von der Kripo angewiesenen Ort in Schweinfurt. Die Staatsanwaltschaft entscheidet nun darüber, ob der Leichnam obduziert werden muss.

Luis und Sybille Gumpert beim Verdichten des Urnenlochs. - © Benini/privat

Viel Zeit im Büro

Die Aufgaben des Bestatters sind weitaus umfangreicher als die des damaligen Totengräbers. Beinahe die meiste Zeit verbringt Hubert Gumpert im Büro. Krankenkasse und Rente abmelden, Sterbebilder erstellen, Sterbeanzeigen aufgeben, der Tod bringt viel mit sich.        

Vor seiner Selbstständigkeit arbeitete Gumpert als Schlosser in der Industrie, konnte daran aber nie wirklich Gefallen finden. Nach der großen Stahlkrise 1993 nahm er deswegen seine Abfindung, kaufte sich seinen ersten eigenen Bagger und ging auf volles Risiko. "Damals wurden in mehreren Ortschaften Totengräber gesucht", erzählt er. Berührungsängste mit dem Thema Tod waren bei ihm damals schon gering. Bereits sein Uropa war früher der Totengräber im Ort. Als dieser jung verstarb, übernahm seine Frau die Aufgaben. Gumperts Opa und sein Vater trugen die Tradition dann in der Familie weiter. Schon als Kind durfte er im Leichenhaus die Kerzen anzünden und hatte so bereits früh Kontakt mit dem Tod.

"Für manche steht der Tod nicht auf dem Plan"

"Manche Leute setzen sich mit dem Tod nicht auseinander. Für manche steht der Tod nicht auf dem Plan", fährt er fort. "Vor allem bei einem plötzlichen Tod sind die Angehörigen meist fix und fertig." Doch das Lebensende kann durch Krankheiten auch zur Qual werden. Der Tod ist in diesen Fällen häufig eine Erlösung und auch Familie und Freunde sind danach in der Regel eher entspannter. "Für uns ist der Tod nichts Ungewöhnliches, weil wir wissen, dass es uns auch einmal genauso geht. Und es kann zu jeder Zeit passieren", dadurch, sagt Gumpert, ist er schwer aus der Ruhe zu bringen. "Manche Dinge sind nicht mehr wichtig, weil sie einfach nicht wichtig sind." Diese Einstellung kommt ihm im Umgang mit Angehörigen oft zugute. Denn aus der Trauer der Angehörigen können schnell familieninterne Machtkämpfe entstehen. Hier gilt es ruhig zu bleiben. "Trauer braucht Zeit", erklärt Gumpert. "Du brauchst deine Zeit zum Trauern. Das berühmte Trauerjahr von früher kommt nicht von irgendwo. Einmal den Zyklus unserer Welt mit Frühling, Sommer, Herbst und Winter zu durchleben, kann es brauchen, um die Trauer zu verarbeiten."

Während der Bestattung diskret fleißig

Familie Gumpert
Familie Gumpert aus Unterfranken. Einige ihrer Vorfahren waren als Totengräber aktiv. - © Benini/privat

Nun steht die Beerdigung an. Der Friedhof ist bereits gefüllt mit Trauernden, obwohl die Kirche noch im Gange ist. Der Himmel hat sich im Laufe des Tages immer weiter zugezogen und so allmählich manifestiert sich der anfängliche Niesel immer mehr zu Regen. "Bei dem Wetter werden Reden und Ansprachen nicht vor der Aufbahrung, sondern in der Kirche gehalten" erklärt Sybille, Hubert Gumperts Frau.

Dabei hat sie immer wieder ein Auge darauf, wie die Trauergäste die Kondolenzliste ausfüllen. "Die Leute kommen wirklich auf die kreativsten Ideen. Fangen mitten auf der Seite an, blättern um, obwohl die Seite erst halb voll ist, oder schreiben ihre Namen über zwei Spalten." Gerade als es aufhört zu regnen, ist die Kirche vorbei und der Friedhof füllt sich noch mehr. Begleitet von der sechsköpfigen Blaskapelle, die bisher still im Regen ausgeharrt hat, schreitet nun der Pfarrer zur Aufbahrung und beginnt mit der Zeremonie.

Ehrlicher Dank für gut geleistete Arbeit

Nach der Beerdigung kommen immer wieder Trauergäste auf Sybille Gumpert zu und bedanken sich für die erbrachte Arbeit. Inzwischen ist sie für viele ein bekanntes Gesicht auf Beerdigungen. "Ehrlicher Dank für gut geleistete Arbeit ist das, was in anderen Berufen häufig fehlt, und was den Beruf des Bestatters so erfüllend macht", erzählen im Laufe des Tages alle vier.

Nach und nach wird der graue Transporter wieder gefüllt, alles hat seinen festen Platz. Die Kisten, die Kerzenständer und die Tücher. Zuletzt fällt die schwere Schiebetür ins Schloss und es geht wieder heim.

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Reportage-Projekts des Master-Studiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden. Die Deutsche Handwerks Zeitung ist Kooperationspartner für dieses Seminar.