Bestatterhandwerk Energiepreise lassen Kosten für Bestatter steigen

Die hohen Energie- und Lohnkosten machen auch vor dem Bestatterhandwerk keinen Halt. Die Betriebe können zwar an einigen Ecken sparen, müssen aber auch bestimmte Kosten an ihre Kunden weitergeben. Ein aktueller Blick in die Branche.

Sarg mit der Aufschrift Ruhe in Frieden
Die Kosten für Bestattungen steigen an vielen Stellen. Gas für die Feuerbestattungen wird teurer. Dafür sind auf der anderen Seite auch die Sargpreise für Erdbestattungen gestiegen. - © tierfoto-guenzburg - stock.adobe.com

Betriebe, die in der aktuellen Energiekrise auf Gas angewiesen sind, müssen sparen oder die Kosten an ihre Kunden weitergeben. Denn Gas ist ein knappes Gut. Sei es zum Wärmen oder für die Produktion. Im Handwerk ist nicht nur das Bäckerhandwerk, sondern auch die Bestatterbranche stark abhängig von der Primärquelle. Immerhin machen Feuerbestattungen rund dreiviertel aller Bestattungen in Deutschland aus – Erdbestattungen nur ein Viertel. Und Krematorien heizen fast alle mit Gas. "Wir hatten in Deutschland 2021 mehr als eine Million Sterbefälle. Und wenn man jetzt nur ganz grob rechnet und 700.000 Menschen lassen sich einäschern, dann ist eine stabile Gasversorgung sehr wichtig", sagt Elke Herrnberger vom Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB).  

Viele Faktoren treiben die Preise nach oben

Im Sommer hatten sich Branchenexperten bereits zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengefunden und Lösungsvorschläge erarbeitet, wie – zum Beispiel die Krematorien als wichtiger Teil der Prozesskette – ihre Energiekosten senken können. Laut Herrnberger könnten nach diesen Vorschlägen kleinere Krematorien oder einzelne Ofenlinien pausieren und dafür die Aufgaben von anderen Einheiten gesammelt und/oder im Dauerbetrieb bearbeitet werden. So müssen einzelne Öfen nicht mehr jeden Tag hochgeheizt werden – was besonders viel Energie benötigt. Außerdem wurde vereinbart, dass die Temperaturen im Nachbrennbereich – auf Antrag – um 100 Grad gesenkt werden dürfen. Natürlich lassen sich diese Handhabungen nicht auf alle 162 Krematorien in Deutschland übertragen, aber jede Einsparung zählt. "Zehn bis maximal 40 Prozent an Energie kann durch all diese Methoden eingespart werden", ergänzt Herrnberger.

>>> Weitere Infos zum Energiesparen in Krematorien

Es sei gut, dass die Gaspreisbremse nun doch im Januar komme. März wäre definitiv zu spät gewesen, so die Verbandssprecherin. Die Kosten für Bestattungen könnten laut Herrnberger im kommenden Jahr aber trotzdem weiter steigen. Schließlich haben Bestatter, wie alle anderen Betriebe auch, noch weitere Beträge auf der Rechnung. Auch um ihre Räumlichkeiten zu betreiben, für Licht, Lüftung, Kühlungsanlagen, das Betreiben von Trauerhallen usw. wird ebenfalls Energie benötigt. Wie hoch die Kosten dafür in summa steigen werden, vermag noch niemand genau zu benennen.

Außerdem sind bereits dieses Jahr einzelne Posten teurer geworden. "Die Kosten für einen Sarg sind in diesem Jahr um rund 30 Prozent gestiegen" sagt Herrnberger. An diesen Einkaufspreisen könne der Bestatter nichts ändern. Herrnberger rechnet damit, dass die Preise für Särge bald angepasst werden müssen.  

Sparen? – Nur nicht an der falschen Stelle

Auf der anderen Seite gebe es nicht viele Möglichkeiten, die Kosten für den Kunden zu reduzieren. Inflation und hohe Lohnkosten machten den Betrieben zusätzlich zu schaffen. Bestattungen seien eine hoch personalisierte Dienstleistung und individuell auf den Kunden zugeschnitten. Bestatter könnten in Absprache mit den Hinterbliebenen die Trauerfeier kleiner gestalten oder die Angehörigen können sich bei der Ausgestaltung der Feier miteinbringen. Aber eine Beerdigung habe nun einmal feste Bestandteile, die dazugehören und die sehr personalintensiv sind.

Herrnberger warnt Kunden eindringlich davor, aus Kostengründen, einen vermeintlich günstigen Bestatter zu beauftragen. "Was viele nicht wissen, wir haben keine Meisterpflicht in unserem Gewerk. Daher muss man ganz genau hinsehen, wen man da beauftragt", sagt sie. Für kompetente Beratung und eine budgetgerechte und individuelle Ausgestaltung seien die Bestatter vor Ort prädestiniert und nicht unbedingt ein Unternehmen, das online mit besonders kleinen Preisen wirbt.

Weitere Infos

Der Verband bietet umfangreiche Informationen rund um das Bestatterhandwerk auf seiner Website an. So können Kunden herausfinden, worauf sie bei einer Beerdigung achten sollten, was einen guten Bestatter ausmacht und mit welchen Kosten man zu rechnen hat.