Kinostart am 3. November 2022 Wenn Handwerker heimlich den Bestatter bestatten

Heute startet die bayerische Komödie "Wer gräbt den Bestatter ein?" im Kino. Wer zotige Unterhaltung im "Eberhofer"-Stil erwartet, dürfte enttäuscht werden – der schwarzhumorige Film hat dafür andere Stärken. Und gerade sein Umgang mit Handwerksberufen ist hochinteressant.

Szene aus "Wer begräbt den Bestatter?": Gärtner Gert (Tom Kreß) und Spenglermeister Patrick (David Zimmerschied) bei einer Krisensitzung auf dem Friedhof.
Das klappt doch nie: Gärtner Gert (Tom Kreß) und Spenglermeister Patrick (David Zimmerschied) bei einer Krisensitzung auf dem Friedhof. - © Alpenrepublik/Schmidbauer-Film

Wer die mittlerweile acht Krimikomödien mit dem Niederkaltenkirchener Dorfpolizisten Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) gesehen hat, der weiß: Die Provinz hat es faustdick hinter den Ohren. Die bayerische Idylle bietet nämlich nicht nur hübsche Postkarten-Motive und leckere Leberkäs-Semmeln, sondern auch Sado-Maso-Studios im Keller, verkohlte Brandleichen auf der Alm und zermatschte Körper unter Baucontainern. Gerade in diesem witzigen Kontrast liegt der Reiz der populären Kinoproduktionen, die Jahr für Jahr ein Millionenpublikum erreichen.

Wer hinter der bayerischen Provinzkomödie "Wer gräbt den Bestatter ein?", die am 3. November 2022 in den Kinos startet, ein ähnlich seichtes Erfolgskonzept vermutet, liegt allerdings falsch. Mit den Eberhofer-Krimis eint der Film der Geschwister Andreas und Tanja Schmidbauer, die bereits skurrile bajuwarische Komödien wie "Hinterdupfing" realisierten, zwar die Leiche zum Auftakt, das ländliche Bayern als Schauplatz und der unverwechselbare Zungenschlag. Ansonsten pflegt ihr Drehbuch aber eine Tonalität, die eher an die schwarzhumorigen Komödien des dänischen Kult-Regisseurs Anders Thomas Jensen erinnert.

Schafkopfrunde mit Todesfolge

Ein Tag wie jeder andere im oberbayrischen Greisendorf: Landschaftsgärtner Gert Ganterer (Tom Kreß), Müllfahrerin Rudi Roller (Angelika Sedlmeier), Klempner Patrick Paluczek (David Zimmerschied) und Bestatter Bartl Beerdegen (Uli Bauer) treffen sich in der Kneipe von Wirt Molle Mehrweg (Simon Pearce) zum Kartenspielen. Die Runde beschert Bartl das Blatt seines Lebens. Doch die Freude fährt ihm derart in die Glieder, dass er plötzlich am Kneipentisch verstirbt. Was tun?

Bürgermeister Anton Aumeier (Peter Rappenglück) setzt alles daran, dass niemand vom Ableben des einzigen Bestatters im Ort Wind bekommt. Schon gar nicht Bartls Konkurrentin Gisela von Gräbe (Marisa Burger) aus dem Nachbarort Neubrunn: Die beiden Dörfer stehen als potenzielle Touristen-Attraktionen im erbitterten Wettstreit um das zukünftige Grab der 114-jährigen Gaby Gruber (Astrid Polak). Das Haus der ältesten Deutschen steht genau auf der Grenze zwischen den Orten. Deshalb befiehlt Aumeier Gert, Rudi und Patrick, den Toten hinter dem Rücken von Polizist Siegfried Spieß (Max von Thun) und Reporterin Sabrina Steinberger (Helene Reiner) unter die Erde zu bringen …

Szene aus "Wer begräbt den Bestatter?": Gert (Tom Kreß), Rudi (Angelika Sedlmeier) und Patrick (David Zimmerschied) machen sich mithilfe eines Buches schlau.
Wie bestattet man einen Bestatter? Gert (Tom Kreß), Rudi (Angelika Sedlmeier) und Patrick (David Zimmerschied) machen sich schlau. - © Alpenrepublik/Schmidbauer-Film

Wer gräbt den Bestatter ein? Tiefschwarzer Humor statt plumper Kalauer

Wer Anders Thomas Jensens Filme und vor allem seine famose Komödiengroteske "Dänische Delikatessen" gesehen hat, dürfte hier ein Déjà-Vu erleben: Spätestens mit dem Besuch beim sensiblen Dorfmetzger Lukas Lauch (Michael A. Grimm) und seinem toughen Sohn Lenny (Thomas Schmidbauer) ähnelt sich nicht nur der tiefschwarze Humor, sondern auch manches Handlungsmotiv. Die Leiche wird fix im Kühlraum hinter Würsten deponiert, im Müllwagen versteckt oder als Rollstuhlfahrer getarnt. Dieses kurzweilige, aber selten wirklich alberne Versteckspiel, das wir als "Beseitigungsproblem" auch aus klassischen Thrillern und Krimis kennen, fällt weniger turbulent und kurios aus, als es anfangs den Anschein hat. Statt derbem Holzhammer-Humor und müder Slapstick-Einlagen setzen die Filmemacher auf subtile Situationskomik, aberwitzige Einfälle und so manchen feinen Wortwitz ("Er ist zwar als Metzger geboren, aber kein geborener Metzger.")

Dass dabei fleißig Leichenschändung betrieben und das Bestattungsrecht mit Füßen getreten wird, versteht sich fast von selbst. Geschmacklosigkeiten müssen wir aushalten, und wer hier irgendeinen Anspruch auf Realität erwartet, sitzt ohnehin im falschen Kinosaal. Doch den Filmemachern gelingt es gut, den Provinzalltag zu konterkarieren. So gibt es fast jeden Beruf im Ort nur ein einziges Mal, und weil Greisendorf zwar den Schreinerbetrieb von Hartmut Holbrick (Wowe Habdank), aber kein SHK-Unternehmen beherbergt, muss halt Spenglermeister Patrick ran, wenn die Toilette verstopft ist (obwohl Klempner bekanntlich mit Blechen und nicht mit Kloschüsseln arbeiten).

Szene aus "Wer begräbt den Bestatter?": Dorfpolizist Siegfried Spieß (Max von Thun) in der Dorfmetzgerei.
Kontrollbesuch beim Metzger: Dorfpolizist Siegfried Spieß (Max von Thun) ist dem kriminellen Treiben auf der Spur – oder auch nicht. - © Alpenrepublik/Schmidbauer-Film

Mal fachkompetent, mal naiv

So aufklärerisch und fachkompetent das handwerkliche Berufsbild hier illustriert wird, so naiv wirkt die mit populären bayerischen Schauspielern besetzte Komödie an anderer Stelle. Müllfahrerin Rudi findet wegen ihres Berufs natürlich keinen Mann und Kaminkehrerin Felice Feger (Teresa Rizos) wird bereits in der Ouvertüre des Films der Lächerlichkeit preisgegeben. Die Filmemacher reduzieren die in traditioneller Kluft gekleidete Schornsteinfegerin nicht etwa auf ihr Geschick mit Kesselbürste und Kaminbesen, sondern auf ihre vermeintliche Funktion als Glücksbringerin, die der Volksmund ihr zuschreibt. Die treudoofe Seele wird der Dramaturgie geopfert und schickt sich sogar an, über Nacht in die beruflichen Fußstapfen des Bestatters zu treten. Das mutet sehr weltfremd an und schmälert das ansonsten so authentische Bild vom Handwerk empfindlich.

Im etwas zähen Mittelteil des Films hingegen schimmert der Respekt vor den handwerklichen (und menschlichen) Qualitäten des Bestatterwesens bei einer selbstreflexiven Sequenz auf dem Friedhof wunderbar durch. Und wie sehr Eltern in Sachen Berufsorientierung noch im Gestern leben können, zeigen entlarvende Dialoge zwischen Gärtner Gert und Schülerpraktikantin Marina (Johanna Singer), die eine Praktikumswoche im Beerdigungsinstitut verbringen wollte: "Ein Praktikum beim Bestatter? Was hab ich nur falsch gemacht?", fragt sich der enttäuschte Vater, der seine Tochter lieber in einer Anwaltskanzlei oder Arztpraxis sähe. Doch die aufgeweckte Gothic-Göre findet Handwerksberufe spannend und antwortet entnervt: "Im Puff war kein Platz mehr frei."

Ein Film aus Bayern für Bayern

Große Überraschungen sind im soliden Drehbuch zwar wenige zu finden, doch tut das dem Vergnügen nicht zwingend Abbruch: Wer launige bayerische Provinzgrotesken mag, kommt voll auf seine Kosten. Gebürtige Nordlichter, die nicht der vorrangigen Zielgruppe zuzurechnen sind, dürften hingegen ihre Probleme mit dem Film haben. Das liegt weniger an der flachen Spannungskurve als vielmehr am heftigen süddeutschen Dialekt: "Wer gräbt den Bestatter ein?" ist ein bayerischer Film für ein bayerisches Publikum, das auf dem etwas langen Weg zum Finale keine Kompromisse für Zuschauer nördlich des Weißwurstäquators eingeht.

>>> Weitere Informationen zum Film "Wer gräbt den Bestatter ein?" gibt es hier.

Hier den Trailer von "Wer gräbt den Bestatter ein?" anschauen: