Interview mit Jörg Mayer "Die Politik verunsichert viele Investoren"

Die Diskussion über die Strompreisbremse hat viele Investoren der Solarbranche verunsichert. Aus Sicht von Jörg Mayer vom Bundesverband Solarwirtschaft schadet sie der Energiewende. Im DHZ-Interview erklärt er, welche anderen Faktoren die Zukunft der Solartechnik mitbestimmen.

Burkhard Riering

Jörg Mayer ist Geschäftsführer im Bundesverband Solarwirtschaft. - © Foto: BSW

DHZ Herr Mayer, der TÜV warnt vor Schrott auf dem Dach. Wird die Qualität der Solaranlagen schlechter?

Mayer So zugespitzt ist das natürlich unzulässig. Ich will das Thema nicht bagatellisieren und es gibt sicher wenige Einzelfälle unter den mittlerweile 1,4 Millionen PV-Anlagen in Deutschland. Aber sowohl die Module als die Installation sind auf hohem Niveau. Dazu trägt auch der PV-Anlagenpass bei, den wir schon 2007 mit dem Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke eingeführt haben und den inzwischen mehr als 1.300 Fachbetriebe nutzen.

DHZ Dennoch gibt es negative Fälle. Gibt es dafür Gründe?

Mayer Es gab die Jahre der Solar-Rallye, Stoßzeiten, in denen so viel installiert wurde, dass auch andere Gewerke als das qualifizierte Elektrohandwerk auf den Zug aufgesprungen sind. Das ist einerseits gut, weil so Engpässe abgefedert wurden. Andererseits kann es hier auch mal zu unsachgemäßer Installation gekommen sein.

DHZ Und die Module selbst?

Mayer Hersteller mit minderer Qualität haben hier keine Chance. Dafür ist der Wettbewerb zu stark. Außerdem müssen sich alle an die bestehenden Normen halten. Solar "made in Germany" steht weiterhin für hohe Produktqualität, aber auch aus China kommen gute Module.

DHZ Weil Sie die Chinesen ansprechen: Sind Strafzölle der EU auf chinesische Solaranlagen das richtige Mittel, um die hiesige Solarbranche zu schützen?

Mayer Wir ergreifen hier nicht Partei und wollen auch nicht mit dem Finger auf ausländische Produzenten zeigen. Schließlich begrüßen wir es, dass sich ein weltweiter Qualitätswettbewerb um die Photovoltaik-Technologie entfacht hat. Es gibt internationale Experten des Handelsrechts, die die Dumping-Frage bewerten können. Nur so viel: Ein langwieriger Handelskrieg wird sicher schädlich für die gesamte Branche sein. Daher wollen wir eine schnelle Verhandlungslösung.

DHZ Wie läuft es 2013 für die Branche?

Mayer Einen neuen Rekordzubau erwarten wir nicht. Die Torschluss-Effekte, die wir in früheren Jahren hatten, fallen weg durch die beschlossene kontinuierliche Degression. Es würde uns nicht überraschen, wenn wir auf die Hälfte des Vorjahresniveaus an Gigawatt kommen.

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DHZ Immerhin ist die so genannte Strompreisbremse, die die EEG-Umlage eingefroren hätte, ja nicht gekommen.

Mayer Die Diskussion über die Strompreisbremse hat gereicht, um viele, viele Investoren derart zu verunsichern, dass es uns und der Energiewende sehr schadet. Die Äußerungen von Umweltminister Peter Altmaier über hohe Kosten und pauschale Übertreibungen haben Zweifel in der Gesellschaft gesät, dass die Politik überhaupt noch hinter der Energiewende steht. Herr Altmaier hat zwar hier und da Ursachen von Problemen ausgemacht, aber keine Lösungen vorgeschlagen.

DHZ Was wird aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz – kurz EEG – nach der Bundestagswahl?

Mayer Das EEG wird reformiert werden. Konstruktionsfehler müssen beseitigt werden, etwa im Berechnungsverfahren der Verbraucherumlage.

DHZ Letzte Frage. Mit welchem Gefühl fahren Sie zur Leitmesse Intersolar, die vom 19. bis 21. Juni in München stattfindet?

Mayer Ich hoffe auf Impulse für die Branche. Es gibt starke Produkttrends wie neue Speichertechniken in der Solarthermie, also im SHK-Handwerk, und die neuen Batteriespeicher, die dem Markt sicher einen Schub bringen werden. Die Batteriespeicher sind eine entscheidende Technologie, weil sie den Eigenverbrauch des Solarstroms steigern und dadurch PV-Anlagen mittelfristig ohne Förderung rentabel werden können. Noch in diesem Jahrzehnt sollen sich große Teile des Marktes selbst tragen ohne EEG. Darauf arbeiten wir hin.