Im Kraftfahrzeuggewerbe wird trotz des wachsenden Neuwagengeschäftes unter dem Strich immer weniger verdient. Das hat gravierende Folgen.
Karin Birk

Das deutsche Kraftfahrzeuggewerbe hat im vergangenen Jahr trotz einer Delle im Servicegeschäft durch mehr Neuwagenverkäufe und ein stabiles Gebrauchtwagengeschäft seinen Umsatz erhöhen können. "Das Autojahr 2014 ist aus Sicht des Kfz-Gewerbes insgesamt zufriedenstellend verlaufen, jedoch lediglich bezogen auf das Umsatzwachstum", sagte der Präsident des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), Jürgen Karpinski, in Berlin.

Insgesamt konnte die Branche den Umsatz im vergangenen Jahr um 6,6 Prozent auf 147,8 Milliarden Euro erhöhen. Davon entfielen 55,7 (Vorjahr: 52) Milliarden Euro auf das vor allem von gewerblichen Zulassungen getragene Pkw-Neuwagengeschäft. Privatkunden weichen dagegen immer häufiger auf junge Gebrauchtwagen aus. Insgesamt sei der Pkw-Gebrauchtwagenmarkt um 12, 5 Prozent auf 51,88 Milliarden Euro gewachsen. Zulegen konnte das Kfz-Gewerbe auch beim Handel mit Lastkraftwagen. Auf das laufende Jahr blickt der Verband mit verhaltenem Optimismus.
Keine Ausweitung des Service-Geschäfts in Sicht
Deutlich unzufriedener ist der Verband mit der Rendite: "Sie ist absolut nicht ausreichend, um damit die steigenden Anforderungen an die Autohäuser und Werkstätten dauerhaft erfüllen zu können", sagte Karpinski mit Blick auf die vorläufige Durchschnittsrendite. Sie sei mit 1,0 bis 1,2 Prozent noch etwas niedriger als im Vorjahr.
Im Servicegeschäft wird 2015 mit einem stabilen Geschäft gerechnet. 2014 mussten die Betriebe 2014 einen Rückgang von 3,4 Prozent auf knapp 30 Milliarden Euro verkraften. Eine Trendwende sieht die Branche nicht: "Das Servicevolumen wird sich nicht erhöhen lassen", sagte Wilhelm Hülsdonk, ZDK-Vizepräsident und Bundesinnungsmeister. Der Wettbewerb und die Konzentration werden seiner Einschätzung nach deshalb noch größer werden. Für den Verbraucher sei das zwar gut, für die Betriebe aber eine große Herausforderung.
Geringere Kosten pro Wartung
Als Grund für das rückläufige Servicegeschäft nannte Hülsdonk die bessere Qualität der Fahrzeuge sowie die längeren Garantiezeiten und Serviceintervalle. Darüber hinaus habe es durch den milden Winter weniger Unfälle gegeben. Rückläufig sei die Zahl der Reparaturen auch wegen der längeren Lebensdauer der Verschleißteile. Sei ein Fahrzeug laut DAT-Report im Jahr 2005 noch 0,79 Mal pro Jahr in die Werkstatt gekommen, liege die Quote heute bei 0,55. Außerdem seien die Kosten pro Wartung 2014 um 6,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 245 Euro zurückgegangen.
Ersatzteile und ganze Autos werden über das Internet gekauft
Der Druck auf die Rendite im Servicegeschäft wird nach Einschätzung des Bunddesinnungsmeisters noch durch weitere Faktoren erhöht. Dazu zählten zum einen Regelungen von Autoversicherern, die für den Schadensfall ihren Kunden nur bestimmte – unter sehr hohem Preisdruck stehende – Betriebe anböten. Dazu zählten zum anderen All-Inclusive-Flatrates für Neuwagenkunden sowie der wachsende Einfluss des Internets. Schon heute kaufe mehr als jeder zehnte Werksattkunde Ersatzteile im Internet. Bis zum Jahr 2025 könnte es einer Studie zufolge schon jeder fünfte Kunde sein.
Auch beim Fahrzeughandel spielt das Internet eine wachsende Rolle. Dies gelte nicht nur für den Internetauftritt der Autohäuser und Werkstätten. Mittlerweile würden rund 200.000 der insgesamt drei Millionen Neuwagen über das Internet gekauft. "Da haben wir uns vertan", räumte ZDK-Vizepräsident Ulrich Fromme ein. Die Branche habe sich zwar vorstellen könnten, dass Schuhe über das Internet verkauft würden, nicht aber Autos.
| Zahlen des Kfz-Gewerbes | 2014 | 2013 | Veränderung in Prozent |
|---|---|---|---|
| Anzahl der Betriebe | 38.500 | 38.500 | 0 |
| fabrikatsgebundene Betriebe | 17.500 | 17.500 | 0 |
| fabrikatsungebundene Betriebe | 21.000 | 21.000 | 0 |
| Anzahl Mitarbeiter | 462.000 | 460.000 | +0,4 |
| davon Auszubildende | 90.700 | 87.490 | +3,7 |
| kaufmännische Azubis | 18.300 | 17.190 | +6,5 |
| gewerbliche Azubis | 72.400 | 70.300 | +3,0 |