Um zwei Prozent sollte die gesamtwirtschaftliche Energieeinsparung bereits in den vergangenen Jahren steigen. Doch Fehlanzeige: Die Bundesregierung hat ihr Ziel nicht erreicht und lässt sich nun auch mit den entscheidenden Weichenstellungen zur Energiewende immer mehr Zeit.
Jana Tashina Wörrle

Nur um 1,8 Prozent sind die Energieeinsparungen in Deutschland seit 1990 jährlich gestiegen, ermittelte nun die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen. Zwei Prozent wären eigentlich das Ziel gewesen, das die Bundesregierung im Rahmen ihrer langfristig angelegten Energie- und Klimapolitik angekündigt hatte. Die Energieeffizienz in Deutschland stagniert also und bedarf somit neuer Anreize. Doch auch hierbei halten sich die Politiker zurück. Der Streit um die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung ist hierfür der beste Beweis. Noch immer ist keine Einigung gefunden. Zum wiederholten Male versuchen verschiedene Handwerksverbände nun die Politiker dazu zu animieren, die Chancen, die sich hierbei für Wirtschaft und Verbraucher bieten, zu fördern.
Großes Potenzial bei den Gebäuden
Heute soll der Vermittlungsausschuss von Bund und Ländern nochmals über die Gebäudesanierung beraten. Denn auf dem Weg zur realen Energiewende, spielt der Gebäudebereich eine zentrale Rolle. Auf ihn entfallen in Deutschland rund 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs und etwa ein Drittel der schädlichen CO2-Emissionen.
Um die Hausbesitzer zu überzeugen, mehr in die richtige Dämmung und energiesparende Heizungen zu investieren, bedarf es laut dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) jedoch zusätzliche Anreize. Eine erhebliche Zunahme der Sanierungen könne demnach nur über eine steuerliche Absetzbarkeit der privaten Investitionen erzielt werden. Gemeinsam mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) hat der ZDH nun die Politik aufgerufen, hierfür ein sozial ausgewogenes Konzept zu finden.
Die Verunsicherung ist groß
Sowohl Handwerksbetriebe, die im Bereich der Gebäudesanierung arbeiten als auch Mieter, die verunsichert sind, ob für sie die Ausgaben für Wohnung und Heizung steigen könnten, brauchen Planungssicherheit. Eine steuerliche Förderung könnte neue Aufträge fürs Handwerk und gleichzeitig einen finanziellen Ausgleich für die Hausbesitzer bedeuten.
"Grundsätzlich sind sich alle einig, dass eine radikale Wende in der Energiepolitik kommen muss", sagt auch der Präsident des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), Manfred Stather. Doch die Politik ließe konkrete Anreize, die dazu gesetzt werden müssten ungehindert verpuffen, kritisiert er. Dass viele Immobilienbesitzer ihre Einstellung zu Energiepolitik der Vergangenheit geändert haben, zeigte auch eine Repräsentativbefragung des ZVSHK. Zwei Drittel der hierbei Befragten sagten, dass Fukushima ihre Einstellung zur Atomkraft nachhaltig verändert hat.
Deutschland wählt die Alternative
Entgegen vieler anderer Länder, die weiterhin auf Atomkraft setzen, hat sich Deutschland für den Ausstieg und die Energiewende entschieden und setzt damit auf eine zukunftsfähige und nachhaltige Energiepolitik. Nach Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) wird die Kernkraft bis 2035 weltweit um 70 Prozent zunehmen. Ein Szenario, das nicht nur Umweltaktivisten beunruhigt.
Mit der Entscheidung zur Energiewende und dem Umstieg auf regenerative Energien hätte der Bundesregierung aber auch klar sein müssen, dass hierfür neue Investitionen nötig sind. "Die Energiewende ist nicht umsonst zu haben", betont auch der ZVSHK und weist darauf hin, dass von der Politik verhältnismäßig wenig über das gesprochen wird, was sofort wirkt: Nämlich Energieeffizienz im Wärmemarkt. Hier könnten mit relativ geringem Invest – etwa dem Einbau einer modernen Heizungsanlage – bereits nach kurzer Zeit enorme Einsparungen möglich sein.
Um bei der Energieeffizienz hat Deutschland schließlich einiges aufzuholen. Obwohl diese in den vergangenen Jahren erheblich gesteigert werden sollte, lag sie 2010 nur gering über den Vorjahreswerten. Die Werte, die die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen errechnete, zeigen, dass die Industrie 2010 sogar Einbußen bei der Energieeffizienz verbuchte. Gewerbe, Handel und Dienstleistungen hielten das Niveau von 2009, lediglich die steigerten ihre Werte deutlich um 7,5 Prozent.