Kommentar Die Diskussion um die Impfung ist vergiftet

Die Corona-Schutzimpfung ist in bedenklicher Weise politisiert worden. Es wird höchste Zeit, verbal abzurüsten. Der Politik fällt eine Schlüsselrolle zu.

Mitarbeiterinnen von Bäckereien sind mitunter Anfeindungen ausgesetzt. - © Detlev Müller

Der Streit um die Corona-Impfung wird in einer Heftigkeit ausgetragen wie keine andere politische Auseinandersetzung der vergangenen Jahre. Kollegen geraten sich in die Haare, Freundschaften zerbrechen, Familien zerstreiten sich.

Wer gehofft hatte, dass sich die Lage in Deutschland normalisieren würde, wenn nur eine ausreichende Zahl an Menschen geimpft sei, wird gerade eines Besseren belehrt. Für Zwischentöne ist kein Platz, wenn die einen behaupten, die Pandemie sei die größte Bedrohung der Menschheit seit dem Zweiten Weltkrieg, und die anderen Corona zur „mittelschweren Grippe" erklären.

Die Corona-Schutzimpfung ist in einer bedenklichen Weise politisiert worden. Die einen pochen in sektenhafter Tugendhaftigkeit auf verschärfte Regeln und knallharte Kontrollen. Die anderen erheben den Widerstand gegen Maske und Impfung zum Ausdruck von Freiheit. So findet die Gesellschaft kaum mehr zusammen. In dieser kritischen Phase agiert die Politik ungeschickt. Sie setzt vor allem auf Druck und Zwang. Sie hält an einer Linie fest, die von Anbeginn an logische Brüche aufwies und auf zweifelhaften Statistiken beruhte.

Es gibt sehr viele sehr gute Gründe für eine Impfung. Es gibt einige bedenkenswerte Einwände der Impfkritiker. Schlussendlich wird uns nichts übrigbleiben, auf den mündigen Unternehmer und Arbeitnehmer zu vertrauen, Solidarität und Rücksichtnahme einzufordern. Und die Politik sollte rasch darauf hinarbeiten, die Corona-Maßnahmen nach skandinavischem Vorbild auslaufen zu lassen. Das Virus rechtfertigt nicht länger den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ausnahmezustand.