Impfung Verschärfte Corona-Regeln stressen Betriebe

Die Konflikte am Arbeitsplatz nehmen zu. Der Streit über den Umgang mit der Corona-Schutzimpfung hat auch das Handwerk erreicht. Die Politik spielt dabei eine unrühmliche Rolle.

Verschärfte Corona-Regeln gelten nun auch für viele Handwerksbetriebe. - © www.bild-text-ton.de

Der Streit über den richtigen Umgang mit der Corona-Impfung hat auch das Handwerk erreicht. Seitdem Bund und Länder ihre Gangart verschärft haben, erleben viele Unternehmer zunehmend Konflikte in ihren Betrieben. Neue Regeln erschweren Ungeimpften die Teilhabe am öffentlichen Leben.

"Das Thema 'Corona-Schutzimpfung' spaltet unsere Gesellschaft, auch das Handwerk", sagt Jörg Dittrich, Präsident des Sächsischen Handwerkstags. "Jede Seite denkt, sie hat die einzig wahre Wahrheit. Wir müssen wieder miteinander ins Gespräch kommen – Unterschiede auch mal aushalten können." Der Dachdeckermeister aus Dresden sagt: "Die Politik lädt Aufgaben auf den Schultern der Unternehmer ab."

Impfzwang durch die Hintertür

Tatsächlich sind Impfkritiker inzwischen einer Reihe von Bestimmungen unterworfen, die sie als Impfzwang durch die Hintertür empfinden. Eine allgemeine Impfpflicht hingegen soll es nicht geben, darauf hatte sich die Politik frühzeitig verständigt. „Das ist eine berechtigte Kritik, dass sich der Gesetzgeber scheut, eine Impfpflicht einzuführen und das auf die Arbeitgeber abwälzt“, sagt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht. Aber so stehe es im Gesetz.

Zuletzt hatten einige Bundesländer Corona-Verordnungen erlassen, die es etwa Geschäften ermöglichen, nur noch Geimpfte und Genesene einzulassen. Für Handwerksbetriebe mit Publikumsverkehr gelten nun auch strengeren Regeln. Beim Friseur, in Kosmetiksalons, im Bäckerei-Café: Für Kunden und Besucher gilt bereits jetzt in vielen Bereichen, dass sie einen negativen Corona-Test vorweisen müssen, sofern sie nicht geimpft oder genesen sind. Beschäftigte sind in einigen Bundesländern ebenso dazu verpflichtet.

Boykottaufruf in Thüringen

Das führt mitunter zu Konflikten. So sah sich eine Bäckereikette in Thüringen Boykottaufrufen ausgesetzt, weil sie auf die Einhaltung der gesetzlichen Regeln pochte. Unternehmer berichten, dass ihre Mitarbeiter beschimpft werden, wenn sie Corona-Impfnachweise kontrollieren oder auf die Einhaltung der Maskenpflicht pochen. Impfkritiker beklagen im Gegenzug eine Ausgrenzung.

Für den Präsidenten des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, steht es außer Frage, "dass es die freie Entscheidung jedes Einzelnen bleibt, sich impfen zu lassen oder aber sich dagegen zu entscheiden". Aber wenn sich jemand bewusst entscheide, sich nicht impfen zu lassen, „dann sollte sie oder er sich doch zumindest so solidarisch mit den Kolleginnen und Kollegen wie auch gegenüber den Kunden zeigen, Auskunft über seinen Impfstatus zu geben“, so der ZDH-Präsident. So könne dieser Entscheidung bei der Organisation des Gesundheitsschutzes im Betrieb und bei der Planung der Außeneinsätze Rechnung getragen werden.

Arbeitgeber würden gerne Impfstatus erfragen

Es sei auch für die Geschäftstätigkeit von großer Bedeutung, weil immer mehr Kunden nur geimpfte Handwerker in ihren Räumen arbeiten lassen wollten. "Daher scheint es schon gerechtfertigt, dass diejenigen Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber den Impfstatus erfragen dürfen, deren Beschäftigte im direkten Kundenkontakt tätig sind", sagt Wollseifer.

Andererseits wird auch von ungeimpften Handwerker berichtet, die vor Annahme eines Auftrags ausdrücklich von ihren Kunden verlangen, auf die Einhaltung der 3G-Regeln zu verzichten. Überdies beklagen viele Betriebe, dass sie Aufträge verschieben mussten oder verloren hätten, weil sie keine Auskunft zum Impfstatus ihrer Beschäftigten geben konnten. Wollseifer hält das für widersinnig: "Es kann doch wohl nicht sein, dass Arbeits- und Ausbildungsplätze gefährdet werden, weil gegenüber Arbeitgebern eine Information verweigert wird, die ansonsten in der Freizeit bei Restaurant-, Kino- und Theaterbesuchen bereitwillig gegeben wird."