3G-Regeln Arbeitgeber wüssten gerne mehr über den Impfstatus

Ob sich ein Mitarbeiter impfen lässt, ist Privatsache. Einige Betriebe würden sich allerdings wünschen, mehr über den Impfstatus der Mitarbeiter zu erfahren, um Abläufe besser organisieren zu können.

In vielen Betrieben wird kontrovers über die Impfung diskutiert. - © Patrick Daxenbichler - www.pd-design.at

Der Streit über den richtigen Umgang mit Corona verlagert sich in die Betriebe. Gleichzeitig wünschen sich viele Unternehmer nichts sehnlicher als eine Normalisierung der Verhältnisse. Wie bewerten führende Vertreter des Handwerks die Lage? Wie sollen sich die Betriebe verhalten? Was würden Sie sich von der Politik wünschen? Die DHZ hat nachgefragt.

"Das Thema 'Corona-Schutzimpfung‘ spaltet unsere Gesellschaft, auch das Handwerk", sagt Jörg Dittrich, Präsident des Sächsischen Handwerkstags. "Jede Seite denkt, sie hat die einzig wahre Wahrheit. Wir müssen wieder miteinander ins Gespräch kommen – Unterschiede auch mal aushalten können." Der Dachdeckermeister aus Dresden klagt: "Die Politik lädt Aufgaben auf den Schultern der Unternehmer ab." Es sei für viele Unternehmer im Handwerk ein Unding, dass man zwecks Kontaktnachverfolgung in Corona-Fällen überall verpflichtet sei, personenbezogene Daten zu hinterlassen. "Arbeitgeber aber haben kein Recht, von Arbeitnehmern Auskunft darüber zu verlangen, ob sie geimpft sind oder nicht. Mit Transparenz hat das nichts zu tun." Jeder solle selbst entscheiden, ob er sich impfen lassen will oder nicht. "Es ist für mich aber ein Gebot der Fairness, dass wir in punkto Corona-Schutzimpfung wissen, ob wir uns im Büro, in der Werkstatt oder auf der Baustelle guten Gewissens begegnen können", so der Präsident der Handwerkskammer Dresden.

Verbal abrüsten

Franz Xaver Peteranderl, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern und des Bayerischen Handwerkstages (BHT), pflichtet seinem Dresdner Kollegen bei. "Sich impfen zu lassen ist Privatsache und soll es auch bleiben." Nicht-Geimpfte durch verschiedene Maßnahmen wie die Lohnfortzahlung bei Corona-Quarantäne zu bekehren oder gar zur Impfung zu zwingen, halte er für falsch. "Ebenso verkehrt finde ich aber auch, sich Impf-Argumenten aus Prinzip zu verweigern, weil sie nicht ins eigene Weltbild oder das des Freundeskreises passen. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Diskussion um den Piks, die auch im Handwerk intensiv geführt wird, uns weiter auseinanderbringt", sagt Peteranderl. Hier müssten Gesellschaft und Politik wohlüberlegt handeln und verbal abrüsten. Der Bauunternehmer verweist darauf, dass das Hauptinteresse des Handwerks darin bestehe, seiner Arbeit bestmöglich nachgehen zu können. Die Einschränkungen, denen die Betriebe in der Corona-Krise ausgesetzt waren – von Schließungen über krankheits- und quarantänebedingten Mitarbeitermangel bis zu erheblichen Nachfrageeinbrüchen – hätten die Arbeit zahlreicher Handwerksunternehmen und sogar ganzer Branchen erheblich gestört. "Das muss künftig unbedingt vermieden werden." Um die Oberhand über die Pandemie zu gewinnen und schwere Krankheitsverläufe zu verhindern, sei nach Einschätzung so gut wie aller maßgeblichen Experten eine möglichst hohe Impfquote in der Bevölkerung entscheidend. Peteranderl: "Persönlich halte ich die Corona-Schutzimpfung auch für einen Akt der Solidarität gegenüber Kolleginnen und Kollegen, unseren Kunden und gegenüber Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können."

Vorteile einer Impfung

Auch Rainer Reichhold, Präsident Baden-Württembergischer Handwerkstag (BWHT), unterstreicht die Vorteile einer Impfung. "Dass es in diesem Herbst deutlicher weniger Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie gibt, ist der Impfung vieler Menschen zu verdanken." Für das Handwerk habe das Thema eine große wirtschaftliche Bedeutung. Zunehmend ließen Kunden nur noch immunisierte Handwerker ins Haus, bei nicht geimpften oder genesenen Mitarbeitern drohten Auftragsstornierungen. Für die Handwerker wiederum bedeute eine Impfung des Kunden mehr Sicherheit. Es profitierten beide Seiten. "Daher sollten Betriebe bei den Mitarbeitern für eine Impfung werben und Inhaber mit gutem Beispiel vorangehen", empfiehlt der Präsident der Handwerkskammer Region Stuttgart. Die Politik müsse zumindest für die Dauer der Pandemie eine Auskunftspflicht der Mitarbeiter in direktem Kundenkontakt gegenüber dem Betrieb einführen.

Wichtige Information fürs Geschäft

Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, wünscht sich ebenfalls eine Auskunftspflicht zum Impfstatus. "Den Impfstatus der eigenen Belegschaft zu kennen, hilft entscheidend dabei, einen wirksamen Gesundheitsschutz im eigenen Betrieb wie auch gegenüber den Kunden zu organisieren und so für die geringstmögliche Ansteckungsgefahr im betrieblichen Miteinander wie auch im Umgang mit Kunden zu sorgen." Es sei zunehmend auch für die Geschäftstätigkeit von großer Bedeutung, weil immer mehr Kundinnen und Kunden nur geimpfte Handwerkerinnen und Handwerker in ihren Räumen arbeiten lassen wollten. "Daher scheint es schon gerechtfertigt, dass diejenigen Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber den Impfstatus erfragen dürfen, deren Beschäftigte im direkten Kundenkontakt tätig sind", so Wollseifer.

Schon jetzt berichten viele Betriebe, dass sie Aufträge verschieben mussten oder verloren haben, weil sie keine Auskunft zum Impfstatus ihrer Beschäftigten machen konnten. Wollseifer: "Es kann doch wohl nicht sein, dass Arbeits- und Ausbildungsplätze gefährdet werden, weil gegenüber Arbeitgebern eine Information verweigert wird, die ansonsten in der Freizeit bei Restaurant-, Kino- und Theaterbesuchen bereitwillig gegeben wird."

Freie Entscheidung des Einzelnen

Der ZDH-Präsident erinnerte daran, dass seit Beginn der Pandemie ein Grundsatz oberste Priorität im Handwerk hatte: "Wir wollen, dass alle Beschäftigten in unseren Betrieben und auch unsere Kundinnen und Kunden gesund bleiben." Daher hätten die Betriebsinhaber ein Interesse daran, Ansteckungen zu vermeiden – sei es innerhalb der Belegschaft oder bei Kundinnen und Kunden. Wollseifer: "Wirksamstes Instrument dafür ist die Impfung." Außer Frage stehe dabei, "dass es die freie Entscheidung jedes Einzelnen bleibt, sich impfen zu lassen oder aber sich dagegen zu entscheiden". Aber wenn sich jemand bewusst entscheide, sich nicht impfen zu lassen, "dann sollte sie oder er sich doch zumindest so solidarisch mit den Kolleginnen und Kollegen wie auch gegenüber den Kunden zeigen, Auskunft über seinen Impfstatus zu geben", so der ZDH-Präsident. So könne dieser Entscheidung bei der Organisation des Gesundheitsschutzes im Betrieb und bei der Planung der Außeneinsätze Rechnung getragen werden.