Viele Beschäftigten können sich keine längere Lebensarbeitszeit vorstellen, ergab eine Umfrage im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbunds. Eher würden sie höhere Rentenbeiträge bezahlen.

Ein Großteil der Erwerbstätigen in Deutschland lehnt eine weitere Erhöhung des Renteneintrittsalters ab. Das ist das Ergebnis einer vom DGB und den Arbeitskammern des Saarlandes und Bremen in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage. So können sich 81 Prozent der Befragten auch bei einer steigenden Lebenserwartung keine weitere Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters über 67 Jahre hinaus vorstellen. Nur für fünf Prozent käme eine längere Lebensarbeitszeit infrage. Statt länger zu arbeiten würden die Befragten eher noch höhere Beiträge bezahlen.
Piel: Rentenniveau muss stabilisiert und erhöht werden
Rund 90 Prozent der Befragten halten es zudem für äußerst und sehr wichtig, dass mit der Alterssicherung Armut im Alter vermieden wird. Für DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel ist die Botschaft an die Bundesregierung klar: Diese müsse bei der bevorstehenden Rentenreform das Rentenniveau – also das Verhältnis von Löhnen und Renten – dauerhaft stabilisieren und in einem weiteren Schritt auch wieder anheben, forderte sie. Derzeit liegt das Rentenniveau bei 48 Prozent.
Gewerkschafterin fordert höhere Löhne und mehr Tarifbindung
Wie Piel weiter sagte, sind zur Stabilisierung des Rentenniveaus höhere Löhne unumgänglich. "Wir müssen zurück in die Tarifbindung", forderte die Gewerkschafterin bei der Vorstellung der Umfrage. Wer Arbeitgeber nicht an der Flucht aus der Tarifbindung hindere, gefährde die Sicherheit für viele im Alter, fügte sie hinzu. Auch müsse die Anzahl der prekär Beschäftigter reduziert werden.
Darüber hinaus sprachen sich rund vier Fünftel aller Befragten für eine Ausweitung der gesetzlichen Rentenversicherung auf Beamte und Selbstständige aus. Dabei befürworteten allerdings nur 39 Prozent der Beamten eine gesetzliche Rentenversicherung für alle. Bei den Selbständigen und Freiberuflern waren es dagegen 81 Prozent.
Geringe Altersvorsorge bei Selbständigen mit wenig Einkommen
Die Umfrage zeigte außerdem, dass insbesondere Selbstständige mit geringem Einkommen bisher wenig für ihre Altersvorsorge tun. So gaben 40 Prozent der Befragten mit einem Einkommen von weniger als 2.000 Euro an, keine grundlegende Altersvorsorge zu betreiben. Bei den Einkommen von 2.000 bis 3.000 Euro waren es 17 Prozent, bei Einkommen von 3.000 bis 4.500 ganze 19 Prozent und bis 6.000 Euro 17 Prozent. Bei Einkommen von 6.000 bis 7.500 Euro waren es dagegen nur noch sechs Prozent.
Für die repräsentative Umfrage hat das Marktforschungsunternehmen Kantar Public vom 3. bis zum 23. Januar dieses Jahres 3.085 Personen befragt.