Die Bundesregierung will in Sachen Energiewende vorankommen - ein Problemfeld waren bisher die Energiespeicher. Die gewinnen nun immer mehr an Bedeutung. Die Preise sinken deutlich.
Frank Muck

"Die Stimmung war gut." Andreas Habermehl kommt positiv gestimmt von der Intersolar zurück. Der Diplom-Ingenieur ist ehrenamtlich im Lenkungsausschuss Technik des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) zuständig für erneuerbare Energien. Während im vergangenen Jahr viele mit hängenden Köpfen herumgeschlichen seien, meint der ZVEH-Experte, bei der Fachmesse für Solarenergie in München eine Art Aufbruchstimmung gespürt zu haben.
Dreimal so viel Aussteller wie im vergangenen Jahr
Ablesen lässt sich der Aufschwung zum Beispiel in den Zahlen der "ees Europe". Die der Intersolar angeschlossene Messe für elektrische Energiespeicher (Electrical Energy Storage) verzeichnete mit 158 Ausstellern eine Verdreifachung. Die hohe Beteiligung spiegelt die wachsende Bedeutung von Energiespeichern wider. Gefragt sind ganzheitliche Systeme, die die Produktion des Stroms sowie einen von anderen Versorgern unabhängigen Verbrauch ermöglichen.
Das ist ohne Energiespeicher nicht möglich. Die Anzahl der installierten Stromspeicher wuchs nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft innerhalb der vergangenen zwölf Monate um das Doppelte auf 20.000 Einheiten. Die erhöhte Nachfrage und die technische Entwicklung haben umgekehrt zu einem deutlichen Preisrutsch geführt. Innerhalb von zwei Jahren sank der Preis um 26 Prozent. Vor allem Lithium-Systeme seien seit Mitte 2014 teilweise um bis zu 50 Prozent im Preis gefallen. Die günstigen Preise und die Förderung durch die KfW haben die Nachfrage weiter befördert. Deutschlandweit werden derzeit 600 Systeme monatlich verkauft, meist in Verbindung mit einer Photovoltaikanlage.
Favorit bei der Zellchemie: Lithium
Andreas Habermehl kann den Trend an den Zahlen im eigenen Unternehmen ablesen. "Seit dem zweiten Quartal läuft es richtig gut", sagt Habermehl, der Prokurist bei der Firma Lück Gebäudetechnik ist. Habermehl rechnet mit einem Umsatz von 400.000 Euro im Photovoltaiksegment im laufenden Jahr. Das wäre im Vergleich zu 2014 mehr als das Doppelte.
Die steigende Nachfrage habe jedoch wenig mit der technischen Entwicklung zu tun. In dieser Hinsicht hätten die Intersolar und die ees nach Habermehls Ansicht nicht unbedingt Neues gebracht. Einige Anbieter wie Solarwatt hätten eher beim Design und bei der Vereinfachung der Installation gepunktet. Bei der Zellchemie kristallisiert sich nach und nach ein Favorit heraus. Die Lithiumzelle setzt sich gegenüber Bleibatterien durch.
Systeme sind auch sicherheitstechnisch ausgereift
Sicherheitstechnisch hat Andreas Habermehl inzwischen wenig Bedenken. Es gebe zertifizierte Systeme, die bedenkenlos verbaut werden könnten. Seinen Kollegen aus der Elektrotechnik empfiehlt er allerdings, den Kunden nur eigensichere Systeme anzubieten, wo bei einem Fehler kein unsicherer Zustand auftrete. Die Technik dieser Systeme hält er für ausgereift.
Ein Sicherheitsleitfaden für Lithium-Ionen-Hausspeicher schließt inzwischen etwaige Lücken in der Normung. Der unter anderem vom BSW-Solar und dem ZVEH herausgegebene Leitfaden soll international Verbreitung finden. Für den Herbst ist die Veröffentlichung einer Whitelist geplant.
Trends bei den Neuheiten
- Bei Speicherzell-Technologien dominieren Lithium-Ionen-Zellkonzepte (meist LiFePO4-Zellen).
- Produktion, Qualitätssicherung und Zellchemie erlauben inzwischen Zyklenzahlen von weit über 6.000, einen Entladegrad bis 100 Prozent und einen breiten Temperatureinsatzbereich.
- Verbesserte Batteriemanagementsysteme bieten mehr Effizienz, Lebensdauer und Sicherheit.
- Vielen Hersteller gelingen Kostensenkungen.
- Inzwischen gibt es nachrüstbare Speichersysteme auch mit Gleichstrom-Kopplung.
- Smarte Speichersysteme bieten einen Vielzahl an Funktionen (Back-up-Funktionen, wetterprognosebasierte Ladestrategien, intelligente selbstlernende Laststeuerungen, webbasierte Betriebsüberwachungsfunktionen, und App-Anwendungen für die Überwachung per Smartphone).
- Die Installation der Speichersysteme wird einfacher (Plug and Play).
