Milliardeneinsparungen möglich Deutschland hat noch viel Potenzial beim Energiesparen

Ständig wird über neue Technologien diskutiert, um den Atomstrom zu ersetzen und regenerative Energien zu nutzen, dabei liegen die größten Chancen für die Energiewende eigentlich im Energiesparen. Nach Ansicht der Deutschen Energie-Agentur (dena) ist die Energieeffizienz die wirtschaftlichste Säule der Energiewende. Würden jetzt die richtigen Maßnahmen ergriffen, könnten Milliarden Euro eingespart werden.

Deutschland kann seine Energiekosten um bis zu 33 Milliarden Euro senken, wenn jetzt die richtigen Maßnahmen ergriffen werden. - © JiSIGN/Fotolia

Die Energiewende gilt momentan als Vorzeigeprojekt Deutschlands. Die grünen Technologien boomen und die erneuerbaren Energien sind auf dem besten Weg, den herkömmlichen Strom zu ersetzen. Doch der Umstieg auf eine andere Energieversorgung hat auch Schattenseiten. So steigen die Stromkosten ständig an und die Kritik an den staatlichen Subventionen für die grünen Energien wird lauter.

Damit die Energiewende auch weiterhin die Unterstützung der Bevölkerung findet, um die Kosten zu senken und um auch beim Thema Umweltschutz weiter voranzukommen, muss Deutschland stärker auf Energieeffizienz setzen. Die Deutsche Energie-Agentur (dena), an der neben der Bundesrepublik unter anderem die KfW Bankengruppe, die Allianz, die Deutsche Bank und die DZ Bank beteiligt sind, hat deshalb auf ihrem "Energieeffizienzkongress 2012" ausführlich über dieses Thema beraten.

Wir brauchen einen Mix von Förderprogrammen

Im Ergebnis heißt es nun, dass mit den richtigen Maßnahmen von Politik, Wirtschaft und Verbrauchern die Energiekosten bis zum Jahr 2020 um bis zu 33 Milliarden Euro gesenkt werden könnten. Weniger Sprit fressende Autos, der Einsatz neuer Haushaltsgeräte und die energetische Gebäudesanierung könnten dabei helfen. "Nur wenn wir es schaffen, unsere Volkswirtschaft energieeffizient zu organisieren, ist die Energiewende umwelt- und sozialverträglich überhaupt erreichbar", sagte dazu Stephan Kohler, der Vorsitzende der dena.

Nach seiner Ansicht sind die Technik und das Know-how bereits vorhanden. "Umso ärgerlicher ist es, dass wir gerade hier hinterherhinken. Der Markt braucht klare, attraktive und verlässliche Rahmenbedingungen", forderte Kohler. Nur mehr Energieeffizienz ermögliche es den Verbrauchern, Energiepreissteigerungen zu kompensieren und damit die Kostenbelastung zu begrenzen, die durch den Ausbau der erneuerbaren Energien auf jeden Einzelnen von uns zukomme.

Derzeit verbrauchen Deutschlands Unternehmen, Haushalte sowie öffentliche und private Einrichtungen rund 2.500 TWh Endenergie und zahlen dafür jährlich rund 260 Milliarden Euro, insbesondere für Verkehrsleistungen, Wärme und Stromnutzung.

Nach Berechnungen der dena könnten die Deutschen bei einem konsequenten Einsatz fürs Energiesparen bis zu 33 Milliarden Euro sparen. Dies entspräche 13 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs. Doch die Voraussetzung dafür seien deutlich bessere Rahmenbedingungen für Investitionen in in wirtschaftliche Energieeffizienzmaßnahmen. Deshalb fordert die dena einen sinnvoll abgestimmten Mix von Förderprogrammen, Ordnungsrecht und Marktinstrumenten.

So sollte die energetische Gebäudesanierung durch eine deutliche Aufstockung der Fördermittel im KfW-Programm und durch die Einführung der Steuerabschreibung auf fünf Milliarden Euro jährlich vorangetrieben werden. Um beim Energiesparen auch die öffentliche Hand und den Dienstleistungssektor stärker einzubeziehen, plädiert die dena dafür, die Sanierungsmaßnahmen auch auf  Nichtwohngebäude auszudehnen und mehr auf hocheffiziente Neubauten zu setzen. Helfen könnten insgesamt eine effizientere Gebäudetechnik sowie ein besseres Energiemanagement.

dena will Industrie zum Sparen verpflichten

Für den Verkehrssektor schlagen die Experten geförderte Spritspartrainings, effizientere Fahrzeuge und eine verbraucherfreundlichere Kennzeichnung von verbrauchsarmen Fahrzeugen vor. Darüber hinaus bedarf es für die privaten Haushalte neuer hocheffizienter Haushaltsgeräte und Beleuchtungsmittel.

Energiesparen könnte aber auch die Industrie in Deutschland. Insbesondere Maßnahmen im Bereich der Prozesswärme sowie die systemische Optimierung stromverbrauchender Querschnittstechnologien wie Druckluft-, Pumpen- und Lüftungssystemen seien hier erfolgversprechend. Um gezielte Anreize zu setzen, fordert die dena, die Befreiung von der EEG-Umlage für die energieintensive Industrie an die Einführung von Energiemanagementsystemen und Energieaudits zu koppeln.

Die möglichen Einsparungen verteilen sich demnach wie folgt auf die genannten Gruppen:

  • Verkehrssektor: Hier könnten bis 2020 rund zwölf Milliarden Euro eingespart werden.
  • Private Haushalte: Rund elf Milliarden Euro wären  hier möglich.
  • Dienstleistungssektor und öffentliche Hand: Auch hier liegt das Einsparpotenzial bei elf Milliarden Euro.
  • Industrie: Hier sind Einsparungen bei den Energiekosten von 4,4 Milliarden Euro möglich.
jtw