Stress auf der Arbeit im internationalen Vergleich
Deutsche Mitarbeiter: Gestresst, aber glücklich?
In keinem Land sind Mitarbeiter so gestresst wie in Deutschland. Gleichzeitig zählen sie zu den glücklichsten Angestellten europaweit. Wie passt das zusammen und wie sieht es im internationalen Vergleich aus?
Deutsche Arbeitnehmer sind Stress-Weltmeister, dicht gefolgt von Mitarbeitern aus Frankreich und Kanada. Das ergab eine Studie des Personaldienstleisters Robert Half, der über 23.000 Arbeitnehmer in acht Ländern zu den Themen Zufriedenheit und Stress im Job sowie zur Interesse an der Arbeit befragte.
Trotz Stress sind Deutsche Mitarbeiter glücklich
Auffallend: Trotz ihres hohen Stressempfindens zählen d eutsche Mitarbeiter zu den glücklichsten überhaupt – nur die US-Amerikaner sind noch ein wenig zufriedener mit ihrem Job. Woran liegt das? "Ein wichtiges Instrument für Job-Zufriedenheit ist es, jedem Mitarbeiter Aufgaben zu übertragen, die zu seinen Fähigkeiten passen und die ihn interessieren. Denn unsere Studie zeigt auch: Deutsche Arbeitnehmer sind nicht nur die zweitglücklichsten, sondern zeigen weltweit auch das größte Interesse an ihrem Beruf. Sind die Aufgaben interessant, relativiert dies den Einfluss von Stress auf die Job-Zufriedenheit ein Stück weit", sagt Sven Hennige, Senior Managing Director Central Europe & The Netherlands bei Robert Half. Am unzufriedensten sind übrigens französische Arbeitnehmer .
Wo Angestellte den größten Stress haben, wie glücklich sie sind und was darauf Einfluss hat, zeigt das Ranking . dhz
Niederländische Mitarbeiter sind entspannter und belegen deshalb den achten und letzten Platz im Stress-Ranking. Ihre größte Jobmotivation: Das Gefühl, etwas geleistet zu haben. Auf einer Zufriedenheitsskala von eins bis 100 erreichen sie übrigens 69.9 Punkte. Damit ist die Niederlande das Land mit den drittglücklichsten Mitarbeitern.
Auch in Australien ist das Stress-Level im Beruf eher niedrig. Ein fairer und respektvoller Umgang ist Mitarbeitern aus Down Under besonders wichtig. Das scheinen sie auch gut umzusetzen: Mit 67.9 Punkten sind sie zufriedener, als viele Arbeitnehmer aus anderen Ländern.
Ein wenig gestresster als die australischen Arbeitnehmer sind diejenigen aus dem Vereinigten Königreich (Platz sechs). Zudem sind sie auch unzufriedener, denn sie erreichen im Glücksranking lediglich 67.2 Punkte.
In den USA leben die zufriedensten Mitarbeiter (71.8 Punkte). Auch das Stressempfinden am Arbeitsplatz ist hier eher niedrig. Für die US-Amerikaner bedeutet das: Platz fünf in der Länderübersicht.
Die belgischen Mitarbeiter ergattern den vierten Platz im Stress-Ranking. Damit liegen sie genau im Mittelfeld. Schlechter sieht es bei der Job-Zufriedenheit aus: Hier kommen sie auf lediglich 65.2 Punkte. Ein Grund dafür, könnten fehlende Freiheiten am Arbeitsplatz sein. Denn genau die würden belgische Arbeitnehmer besonders glücklich machen.
Für die Franzosen sieht es arbeitstechnisch nicht gut aus: Sie schaffen es nicht nur auf Platz zwei des Stressvergleichs, auch in puncto Arbeitszufriedenheit holen sie nur 63.8 Punkte. Damit sind sie die Franzosen die unglücklichsten Mitarbeiter.
Die deutschen Ergebnisse überraschen: Obwohl die Mitarbeiter der Bundesrepublik den größten Stress haben, sind sie gleichzeitig die europaweit zufriedensten Angestellten. Grund: Deutsche Arbeitnehmer haben weltweit das größte Interesse an ihrer Arbeit. Das zeigt ein weiterer internationaler Vergleich Robert Halfs.