Gemeinsame Baustelle der Sto-Stiftung DesignBuild-Projekt: Studenten und Handwerker arbeiten Hand in Hand

Im thüringischen Sundhausen arbeiten junge Handwerker und Architekturstudenten gemeinsam auf einer Baustelle. Das "DesignBuild"-Projekt soll das Verständnis für die Arbeit des jeweils anderen fördern, indem sie miteinander und voneinander lernen.

Durch den Umbau und die neuen Nutzungsmöglichkeiten soll der ehemalige "Konsum" wieder zum Dorfmittelpunkt von Sundhausen werden. - © Sto Stiftung/Christoph Große

Was ein Architekt im Büro entwirft, lässt sich manchmal in der Praxis nicht so leicht umsetzen. Auf der Baustelle heißt das, schnell eine Lösung finden, denn Stillstand ist ärgerlich und teuer. Genau hier setzt ein Projekt der Sto-Stiftung an. Junge Handwerker und Architekturstudenten arbeiten bei einem "DesignBuild"-Projekt in Sundhausen Hand in Hand.

Die Idee dahinter: Durch gemeinsame Arbeit Verständnis für die Arbeit des anderen bekommen. "Der Anspruch von "DesignBuild"-Projekten ist voneinander, miteinander und auf Augenhöhe zu lernen", sagt Ralf Pasel, Professor an der Technischen Universität Berlin und Stiftungsrat Architektur der Sto-Stiftung. Jeder trage aus seiner Perspektive etwas bei.

DesignBuild-Projekt für eine lebenswerte Region

In mehreren "Bauhütten" hauchen nun Studenten und Handwerker gemeinsam dem ehemaligen "Konsum" des 380-Seelen-Dorfes in Thüringen neues Leben ein. Ein "Konsum" war in der DDR ein Geschäft, in dem Lebensmittel, Baumaterial oder Ähnliches verkauft wurden. Aus terminlichen Gründen konnten zwar nicht wie geplant die Fachschüler der Malerfachschule in Fulda nach Sundhausen kommen. Dafür sprangen unentgeltlich drei Anwendungstechniker des Sto-Konzerns ein.

Das "DesignBuild"-Projekt unterstützt eine Initiative der Stiftung Landleben und des Vereins Land­engel. Sie will im Dorf und in der Region wieder Strukturen aufbauen, die das Leben attraktiv und lebenswert machen. Auch die Internationale Bauausstellung Thüringen (IBA) kooperiert bei dieser Idee.

Zum einen soll die Infrastruktur verbessert, aber auch ein Gesundheits-, Pflege- und Versorgungsnetzwerk für die Dorfbewohner aufgebaut werden. Zum anderen greift das "DesignBuild"-Projekt ein weiteres Problem der ländlichen Region auf: den baulichen Leerstand. Viele Scheunen von Vierseitenhöfen in Sundhausen sind verfallen.

"Bauliches Volumen in diesem Maßstab zu erhalten oder für eine andere bauliche Nutzung aufzuwerten, kostet natürlich viel Geld", sagt Architekt Ralf Pasel. Viele Familien könnten das finanziell nicht stemmen. Das Projekt zeige aber beispielhaft, wie man mit Leerstand umgehen könne.

Gemeinsames Arbeiten auf der Baustelle fördert das Verständnis für die ­Arbeit des anderen: Anwendungstechniker Jan Guhl zeigt einer Architekturstudentin, wie eine Außenfassade verputzt wird. - © Sto Stiftung/Christoph Große

Haus-im-Haus-Konzept

Denn auch der "Konsum" am Anger in Sundhausen stand lange leer. Für ihn wurde nun ein Haus-im-Haus-Konzept entworfen, das ihn wieder zum Mittelpunkt des Dorflebens machen soll. So entstehen mehrere Räume, die unterschiedlich genutzt und mehrfach belegt werden können. Geplant sind sogenannte Gesundheitskioske. Das heißt, in einem der Räume mietet sich beispielsweise die Dorfkümmerin ein, einen halben Tag in der Woche bieten ein Zahnarzt oder eine Podologin Termine an. Denkbar wären aber auch wöchentliche Zeitfenster für Friseur, Bäcker, Metzger oder Steuerberater. Vieles sei denkbar, um den Menschen im Dorf den Alltag zu erleichtern. Bürgermeister Christopher Kaufmann wird ebenfalls hier ein Büro beziehen.

Beim Haus-im-Haus-Konzept bauen die Studenten kleine Holzhäuser aus Kiefer in den ehemaligen Geschäftsraum. Die Kassettendecke sowie Boden und Wände in Holzständerbauweise werden gedämmt, Schiebetüren und große Fenster eingesetzt. Die Anwendungstechniker Martin Klischke, Oliver John und Jan Guhl verputzen die Fassade und streichen Fenster, Außen- und Innenwände. Nur eine Arbeit muss verschoben werden. Auf der anthrazitfarbenen Außenfassade soll – direkt an der Bushaltestelle - Ton in Ton ein Relief des stilisierten Dorfnamens mit grobem Putz aufgebracht werden. Um die Schablonen der sechs Buchstaben anbringen zu können, ist der Untergrund mit 10 Grad Celsius zu kalt. Erst wenn es wärmer wird, prangt dann am alten "Konsum" in der Dorfmitte "SNDHSN".