Personal + Management -

Vorteile eines Vierbeiners Der Wau-Effekt: Warum ein Hund Ihrem Betrieb guttun könnte

Studien zeigen: Vierbeiner im Büro verhindern Burn-Out, sorgen für Bewegung und Kommunikation. Was sie sonst noch alles bewirken, verrät Markus Beyer vom Bundesverband Bürohund.

Der Hund ist der beste Freund des Menschen, sagt der Volksmund, und feiert diese Freundschaft am 7. Juni ganz offiziell mit dem Tag des Hundes. Markus Beyer, Hundetrainer und ehrenamtlicher Vorsitzender des Bundesverbands Bürohund, verwundert diese Begeisterung nicht. Allein schon wegen der Sache mit dem Oxytocin. Wenn Hände Hunde streicheln, setzt sich dieses Bindungshormon frei. Der Insulin- und der Cortisolspiegel sinken. Dopamin wird ausgeschüttet. Stress baut sich ab. Glück stellt sich ein. "Es gibt viele Studien zu diesem Thema, und sie alle zeigen: Hunde sind mit die beste Burn-Out-Prävention", sagt Beyer.

Arbeitgeber informieren sich zunehmend über Vierbeiner

Deren Herrchen und Frauchen brauchen dafür keine wissenschaftlichen Beweise. Sie haben ihre Tiere einfach gerne um sich, auch tagsüber. Viele Unternehmen scheinen das inzwischen verstanden zu haben. In letzter Zeit häufen sich bei Markus Beyer die Anrufe von Arbeitgeberseite: Wie lässt sich das Mensch-Hund-Miteinander konfliktfrei ausgestalten? Die Attraktivität von Firmen wird in Zeiten des Fachkräftemangels inzwischen auch danach bewertet, ob sie Hunde im Büro erlauben oder nicht. Der Internetkonzern Amazon hat die Messlatte in diesem Bereich hochgehängt. In der Zentrale in Seattle arbeiten über 45.000 Menschen, viele von ihnen kommen in Begleitung ihres besten Freundes ins Büro. An der Pforte werden kostenlos Leckerlies ausgegeben.

Hunde können Schimmel riechen

Aber Hunde sind nicht nur Wegbegleiter. Sie können noch viel mehr. Es gibt Blindenführhunde, Rettungshunde, Sprengstoffsuchhunde, Drogenspürhunde und solche, die Alarm schlagen, wenn Diabetiker in den Unterzucker geraten. Und es gibt Hunde, die Handwerkern behilflich sind bei der Suche nach Schimmel. Schon im Alter von 16 Wochen werden sie spielerisch an den Geruch von Schimmelpilzen gewöhnt. Nach einem Jahr Ausbildung sind sie gern gesehene Experten bei der Begutachtung und Sanierung von Gebäuden. Sie wittern die Gefahr, die unsichtbar unterm Parkett lauert oder hinter Einbauschränken. Geeignet für diesen Job sind alle Hunderassen außer solche mit kurzen Nasen. Kriterien für die Zertifizierung finden sich auf der Internetseite des Bundesverbands für Schimmelpilzsanierung.

>>> Lesetipp: Schimmelspürhund Franzi: Dem Schimmel auf der Spur

Was für einen Hund im Betrieb spricht – und worauf Arbeitgeber achten sollten

Generell gilt das mit den Hunderassen übrigens auch fürs Büro. Jede Rasse hat ihre Anlagen, was Charaktereigenschaften, Bewegungsdrang, Sozialverhalten angeht. Menschen tragen durch Erziehung und Umgang entscheidend dazu bei, welche Persönlichkeiten sich mit der Zeit herausbilden. Ob die Wahl auf einen Dackel oder eine Dogge fällt, ist also zweitrangig, viel wichtiger ist, dass der Hund, der mit zur Arbeit geht, Menschen mag, vom Wesen her eher zurückhaltend ist und sich mit anderen Hunden versteht. Auf was es sonst noch zu achten gilt und warum Hunde ein Kommunikationsbeschleuniger sind, weiß Hunde-Experte Beyer.

1. Tierschutz im Auge behalten

Ob Schreinerei oder Konstruktionsbüro, die Verordnungen des Tierschutzes müssen unbedingt eingehalten werden. Dazu gehört, dass immer frisches Wasser zur Verfügung steht und die Menschen dafür Verantwortung tragen, dass den Hunden kein Leid geschieht. Ob Labor, Werkstatt oder Verladeverkehr, Unfallgefahr muss ausgeschlossen werden. Auch in besonders warmen oder lärmintensiven Räumen fühlen sich die Tiere auf Dauer nicht wohl.

2. Kommunikation ist das A und O

Es gibt Menschen, die allergisch reagieren auf Tierhaare, die Angst haben vor Hunden oder schlichtweg keine Lust, sich mit diesen Tieren zu beschäftigen. Beyer rät deshalb zur fairen, lösungsorientierten Kommunikation: "Der Plan geht nur auf, wenn es keine Verlierer gibt." Was hilft, ist Regeln gemeinsam zu erarbeiten. Welche Bereiche sind für Hunde tabu? Dürfen Hunde mit in Besprechungen gebracht werden?

3. Mehr Bewegung im Alltag

Bürohund besiegt Schweinehund: Wer seinen Hund mit ins Geschäft bringt, muss mindestens über Mittag mal kurz mit ihm nach draußen. Ein paar Schritte gehen, ein paar Minuten frische Luft – wem tut das nicht gut? Beyer: "Ich weiß das aus eigener Erfahrung: Wenn ich mit meinem Golden Retriever Nando spazieren gehe, sortiere ich gedanklich meine aktuellen Aufgaben. Das bringt Struktur in den Tag." Er rät Arbeitgebern deshalb, kurze Spaziergänge als Arbeitszeit zu werten.

>>> Lesetipp:Sport und Bewegung in den Arbeitsalltag integrieren: So klappt´s

4. Auszeit für die Amygdala

Wer ununterbrochen hochkonzentriert vor sich hinarbeitet, ist nicht nur weniger produktiv, sondern steht nachgewiesenermaßen unter Dauerstrom. Grund: Unbewusst wird in vielen Fällen im Gehirn die Amygdala angesteuert, die unserem Körper Gefahr signalisiert. Wer hin und wieder von einer kalten Schnauze angestupst und zu Streicheleinheiten aufgefordert wird, muss seine Gedankenwelt und damit die Anspannung kurz unterbrechen. Das tut Körper und Seele gut.

5. Nie mehr einsam

Noch nie hatte das Leben solch eine Geschwindigkeit wie heute, noch nie hatte es so viel zu bieten. Und trotzdem werden die Menschen auch in Gesellschaft immer einsamer. Das führt zu schweren Depressionen und nicht selten zu Arbeitsunfähigkeit. Beyer: "Wer einen Hund an seiner Seite hat, hat immer die Wahl, in Kommunikation zu treten mit seinen Mitmenschen. Irgendeiner quatscht einen immer an. Das verbessert die Stimmung erheblich."

6. Eisbrecher auf vier Pfoten

Studien haben gezeigt: Hunde sind aus wirtschaftlicher Sicht effektive Eisbrecher. Sie dienen Menschen als Kommunikationsbrücke, beispielsweise, wenn Teamarbeit ansteht. Über das Tier kommen Mitarbeiter innerhalb kürzester Zeit ungezwungen ins Gespräch und bringen sich damit auf eine gemeinsame, persönliche Ebene. Besprechungen, die so beginnen, laufen vergleichsweise offen und zügig ab.

7. Nicht Chef sein, sondern Mensch

Auch in kleinen Betrieben gibt es oft klare zwischenmenschliche Grenzen: Hier der Chef, dort die Mitarbeiter. Unternehmer, die einen Hund an ihrer Seite haben, wirken deutlich sympathischer und nahbarer auf ihre Angestellten. Sie zeigen im Umgang mit ihrem treuen Begleiter eine ganz andere Seite von sich - liebevoll, zärtlich, für einen kurzen Moment sind sie nicht nur Chef, sondern auch Mensch.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten