Tagelang zweistellige Minusgrade – die Kältwelle hat Deutschland fest im Griff und alle drehen kräftig die Heizungen auf. Da Russland gleichzeitig seine Gaslieferungen eingeschränkt hat, wird nun der Strom in Deutschland knapp. Die deutschen Netzbetreiber mussten gestern auf drei Kraftwerke aus der sogenannten Kaltreserve zurückgreifen, teilte das baden-württembergische Energieministerium mit.

Es ist das zweite Mal in diesem Winter, dass die Netzbetreiber auf die sogenannte Kaltreserve zurückgreifen müssen. Grund dafür war der erhöhte Strombedarf durch die frostigen Temperaturen. Zusätzlich erschwert werde die Situation durch die unerwartet spärlichen Gaslieferungen aus Russland, berichtete das Ministerium. Dieser Strom fehlt nun und muss ausgeglichen werden.
Lage ist angespannt, aber beherrschbar
"Es gibt zurzeit keine großen Sicherheitspuffer mehr", begründete Marian Rappl vom Netzbetreiber Amprion den Schritt. Vor allem am Abend, wenn die Leistung der Photovoltaikanlagen wegfalle, könne die Leistung der Reservekraftwerke benötigt werden. Die Lage sei "äußerst angespannt, aber noch beherrschbar", hieß es bei dem Netzbetreiber.
Die Bundesnetzagentur bemühte sich, Sorgen vor einem Black-out zu zerstreuen. Es gebe keinen Grund zur Panik. Die Kraftwerke seien schließlich genau für den Einsatz in derartigen Situationen reserviert worden, betonte ein Sprecher.
Stromexport trotz Engpässen
Doch obwohl hierzulande ein Engpass entsteht, exportierte Deutschland trotz der aktuellen Probleme auch gestern Strom nach Frankreich, wie der Amprion-Sprecher betonte. Vor allem in den Mittagsstunden, wenn die Solaranlagen 6.000 bis 7.000 Megawatt Leistung liefern, helfe der Strom aus Deutschland dem Nachbarland seinen Strombedarf zu decken. Dies ändere aber nichts daran, dass am Abend mit dem Wegfall der Sonnenenergie der Rückgriff auf die Reservekapazitäten nötig werden könne.
Tatsächlich ist Deutschland trotz des beschleunigten Atomausstiegs in den vergangenen Monaten wieder zum Stromexporteur geworden. Die deutschen Energiekonzerne hätten seit Oktober wieder deutlich mehr Strom ins Ausland geliefert, als importiert worden sei, sagte der Präsident der Netzbehörde, Matthias Kurth, am Dienstagabend in Düsseldorf. Zu den aktuellen Engpässen betonte er gegenüber dem Nachrichtensender n-tv: "Die deutsche Stromversorgung ist gesichert." dapd