Die Heizöl- und Benzinpreise schwanken stark, doch 2013 waren die Preise stabiler als in den Jahren zuvor. Im DHZ-Interview spricht Rainer Wiek vom Hamburger Energieinformationsdienst über die Lage am Ölmarkt und deren Auswirkungen.
Karin Birk

DHZ: Herr Wiek, vor 40 Jahren gab es die autofreien Sonntage, weil die arabischen Länder den Ölhahn zudrehten. Nun ist absehbar, dass die USA die größte Ölförder-Nation der Welt werden. Ist die Macht der OPEC damit gebrochen?
Wiek: Nein, sie ist allenfalls aufgrund des amerikanischen Schieferölbooms abgeschwächt. Heute fördern die USA vornehmlich für den Eigenbedarf und sind für die OPEC als Kunde kleiner geworden. Anderseits gibt es große Schwellenländer, deren Durst längst nicht gestillt ist. Sie werden künftig mehr Öl brauchen und sich dies primär bei der OPEC besorgen.
DHZ: Es sieht so aus, als wenn die Sanktionen gegen den Iran gelockert werden. Wie schnell könnte dies zu einem höheren Angebot und niedrigeren Preisen führen?
Wiek: Wenn der Iran wieder groß in den Markt eintritt, wird er das als OPEC-Mitglied im Rahmen der Regeln dieses Kartells tun, heißt, er wird sich Quoten unterwerfen müssen. Eine Rückkehr des Irans auf den Ölmarkt führt also nicht automatisch zu sinkenden Preisen.
DHZ: Kommen wir zur Nachfrageseite: Wie wird sich der Bedarf entwickeln?
Wiek: Viele große Institute rechnen aufgrund der steigenden Nachfrage von Ländern wie China und Indien in ihren Energieprognosen für die nächsten 20 bis 30 Jahre mit enormen Verbrauchszuwächsen bei der Energie insgesamt und bei den fossilen Energieträgern Öl, Gas und Kohle im Besonderen. Mit Blick auf die nähere Zukunft ist eine Prognose schwierig, da nicht immer klar ist, wie sich die Konjunktur und damit die Ölnachfrage in großen Wachstumsländern wie China entwickelt.
DHZ: Manche Rohstoffexperten rechnen angesichts der Entwicklung von Angebot und Nachfrage für das Jahr 2014 sogar mit sinkenden Rohölpreisen. Teilen Sie diese Auffassung?
Wiek: Eine seriöse Aussage ist schwer. Wir haben 2011 und 2012 als Jahre mit stark steigenden Rohölpreisen erlebt. 2013 war dann bei den üblichen Schwankungen preislich eher ein stabiles Jahr. Zuletzt bewegten wir uns beim Nordseeöl der Sorte Brent etwa zwischen 105 und 115 Dollar. Ich rechne hier weiter mit Preisstabilität. Vorausgesetzt geopolitische Krisen bleiben aus, die Konjunktur entwickelt sich den Prognosen zufolge und die Verfügbarkeit wird nicht durch preisbedingte Produktionsdrosselungen grundlegend verändert.
DHZ: Was heißt das unter dem Strich für den Verbraucher?
Wiek: Die Kombination aus relativer Stabilität beim Rohöl und einem erstarkten Euro hat in den vergangenen Monaten zu vergleichsweise moderaten Benzin- und Heizölpreisen geführt. Nach sehr starken Preissteigerungen 2011 und 2012 hat sich der Preis für Heizöl 2013 etwas niedriger in einer Bandbreite zwischen 83 und 90 Euro pro 100 Liter stabilisiert. Zum Jahresschluss kostete es 86 Euro. Wie es weitergeht, hängt neben dem Rohölpreis vor allem von der Härte des Winters ab, denn viele Verbraucher kaufen sehr bedarfsorientiert. Der Heizölkauf bleibt immer eine Lotterie.
DHZ: Kommen wir zum Benzinpreis?
Wiek: Auch hier macht sich der günstigere Beschaffungspreis bemerkbar. Allerdings spielen beim Benzinpreis die starken Schwankungen über den Tag eine große Rolle. Die Markttransparenzstelle soll hier für Abhilfe sorgen.
DHZ: Wie abhängig ist die deutsche Volkswirtschaft vom Ölpreis?
Wiek: Insgesamt ist der Ölverbrauch hierzulande viel effizienter geworden, in der Stromerzeugung zum Beispiel spielt Öl keine Rolle mehr. Er konzentriert sich bei uns vor allem auf die verarbeitende Industrie und auf den Verkehr, und ohne Öl wird es dort auf absehbare Zeit auch nicht gehen. Da Deutschland zudem kaum eigenes Öl hat, ist es von Lieferungen großer Produzenten wie Russland abhängig.