Bei der Europameisterschaft noch Fünfter, jetzt Weltmeister: Pierre Holze ist mit seinem WM-Titel das gelungen, was dem deutschen Maurerhandwerk zuvor 43 Jahre verwehrt blieb. Im Interview mit der DHZ spricht der Berliner über hartes Training, wackelige Knie und den "geilsten Job der Welt."

Bei den EuroSkills 2021 landete Maurer Pierre Holze "nur" auf dem fünften Platz. Für den 23-Jährigen ein Motivationsschub, wie er der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ) berichtet. Im deutschen Maurer-Nationalteam setzte er sich erneut durch und erhielt so den Startplatz für die WM der Berufe. Nach drei Wettkampftagen steht fest: Training und Siegeswille haben sich ausgezahlt: Pierre Holze steht an der Weltspitze des Maurerhandwerks.
Im Interview mit der DHZ verrät der Weltmeister, wie seine Leidenschaft für das Handwerk entstand – und erzählt von Turniervorbereitung und Aftershowparty.
Weltmeister Pierre Holze im Interview
Herr Holze, Sie haben den ersten Maurer-WM-Titel seit 43 Jahren geholt. Was haben Sie besser gemacht als Ihre Vorgänger?
Pierre Holze: Ich wurde sehr gut vorbereitet, in den vier Jahren hatte ich insgesamt 50 Trainingswochen. So viel Vorbereitung hatte keiner meiner Vorgänger. Außerdem hatte ich ein super Experten- und Trainerteam um mich herum. Natürlich gehört auch immer Talent und etwas Glück dazu.
Sie hatten Trainings in ganz Deutschland. Sie waren im brandenburgischen Oranienburg, im bayerischen Nördlingen, im rheinland-pfälzischen Trier... Wie sah eine klassische Trainingseinheit bei Ihnen aus?
Eine Trainingseinheit dauerte immer eine Woche. Der Ablauf war eine Wettkampfsimulation. Der erste Tag wurde zur Vorbereitung genutzt. In den Tagen zwei bis vier wurde dann gemauert – immer unter realen Bedingungen und Zeitdruck. Am fünften Tag stand dann die gemeinsame Bewertung mit Trainern und Experten an. Es wurde alles genau geprüft, zum Beispiel wie viele Millimeter ich aus dem Lot war.
Das intensive Training hat sich auf jeden Fall ausgezahlt. Was waren Ihre Gedanken, als Sie am Morgen nach der Siegerehrung das erste Mal als Weltmeister aufgewacht sind?
Ich habe es noch gar nicht so richtig glauben können. Das viele und harte Training hat sich gelohnt. Nach den insgesamt 50 Wochen Training und dem Weltmeisterschaftsturnier war dann auf einmal alles vorbei. Ich muss erst noch realisieren, dass ich eine Goldmedaille bei einer Weltmeisterschaft geholt habe.
Bei der zurückliegenden EM wurden Sie Fünfter und haben eine Medaille verfehlt. Was haben Sie diesmal in der Vorbereitung und im Wettkampf anders oder besser gemacht?
Im Nachhinein war es gar nicht so schlecht, dass ich bei der EM Fünfter geworden bin. Dadurch war ich in den Vorbereitungstrainings motivierter und wollte noch härter an mir arbeiten. Die Nervosität bei dem WM-Wettkampf war auch fast weg. Ich kannte die Abläufe, wusste, worauf ich achten musste und konnte einige Tricks anwenden, die ich bei der Europameisterschaft kennengelernt hatte.
Welchen Anteil hatten Ihre Trainer am Erfolg?

Einen sehr großen. Mein Trainerteam hatte einige hilfreiche Tipps und Tricks, die ich umsetzen konnte. Außerdem haben sie mir im Wettkampf die Nervosität genommen. Das Schöne ist, dass einer meiner Trainer auch mein Ausbilder war. Kevin Schulz und ich kannten uns also schon sehr gut durch meine dreijährige Ausbildung zum Maurer. Im deutschen Nationalteam haben wir uns dann wiedergesehen.
Wie gingen Sie mit dem Zeitdruck um?
Ich wurde auf die letzte Minute pünktlich fertig, also habe ich meine Zeit genau richtig eingeteilt. Der Druck ist immer da, vor allem, wenn sehr genau gearbeitet werden muss. Aber durch mein vieles Training war ich super auf die Situation vorbereitet.
Am Ende standen Sie zusammen mit der Schweiz und China ganz oben auf dem Treppchen…
Es war ein sehr enges Ding. Bei einem so knappen Ergebnis ist die Regelung der WorldSkills die gemeinsame Platzierung auf dem ersten Platz. Ich freue mich für die beiden Teilnehmer aus China und der Schweiz und bin stolz, dass ich von allen die höchste Punktzahl erhalten habe. Bei der Siegerehrung hatte ich dann so wacklige Knie, dass mir mein Schweizer Kollege auf das Podest helfen musste.
Punkteverteilung: Deutschland: 727,5 Punkte – China: 727 Punkte – Schweiz: 725 Punkte
Wie haben Sie die gewonnene Weltmeisterschaft gefeiert?
Ich bin schon nach dem letzten Wettkampftag mit meinem Team in Salzburg zum Feiern gegangen. Nach der Siegerehrung ging dann nochmal ordentlich die Post ab. Gemeinsam mit den anderen Teilnehmern war ich auf der Aftershowparty der WorldSkills.
Welche Gedanken schwirrten Ihnen zwischen den Wettkampftagen durch den Kopf, als Sie abends im Hotelbett lagen? Konnten Sie überhaupt schlafen?
Am ersten Tag konnte ich noch gut schlafen. Aber in den nächsten Nächten, als ich merkte, dass eine Medaille für mich drin ist, konnte ich immer schlechter einschlafen. Dadurch, dass ich beim Wettkampf so auf Adrenalin war, wurde der Schlafmangel aber gut kompensiert.
Wo arbeiten Sie, wenn Sie nicht gerade die Goldmedaille bei den WorldSkills holen?
Ich bin meinem Ausbildungsbetrieb treu geblieben und arbeite bei der Wolfgang Bauer Ingenieurbau GmbH. Ich habe eine Firma erwischt, die viele Bereiche abdeckt. Mein Aufgabenfeld ist sehr breit. Natürlich gehört viel Mauern dazu, aber auch Verputzen, Betonieren und die Arbeit mit Holz. Mein Favorit ist natürlich das Mauern, aber ich habe an allen Tätigkeiten sehr viel Spaß.
Wie sind Sie damals zu Ihrem Handwerksberuf gekommen?
Mein Vater hat eine Firma im Medizinischen-Bereich. Dort wollte ich als Jugendlicher einsteigen. Nach einem dreiwöchigen Praktikum habe ich aber gemerkt, dass das nicht mein Ding ist. Nach ein paar Schulpraktika habe ich dann in den handwerklichen Bereich gefunden. Ich hatte mich zuerst als Gleisbauer beworben, mich dann aber für die Baustelle und die Maurerausbildung entschieden.
Warum sollten sich junge Menschen für eine Ausbildung als Maurer entscheiden?
Wenn man Lust auf Teamwork und handwerkliche Arbeit hat, ist der Beruf perfekt. Es wird drinnen und draußen gearbeitet und durch die Abwechslung ist es der geilste Job der Welt. Am Ende des Tages siehst du, was du mit deinen Händen erschaffen hast und kannst stolz darauf sein. Außerdem gibt es super Aufstiegsmöglichkeiten. Meister, Studium, Bauleiter oder in die Selbstständigkeit gehen – es gibt sehr viele Optionen.
Weltmeistertitel abgehakt, was ist Ihr nächstes Ziel in der Zukunft?
Auf Wettkampfbasis habe ich alles erreicht, jetzt geht es auf die Meisterschule. Mein Plan ist nächstes Jahr mit der Meisterprüfung zu beginnen.
Aufgabenstellung bei der WM:
1. Die Buchstaben "AT" mit einer Kelle im Hintergrund mauern. Dabei lag die Schwierigkeit in den verschiedenen Ebenen und Schrägschichten, in den Fluchten und Maßen sowie in der Ebenmäßigkeit der verputzten Fläche.
2. Das Logo des österreichischen Fußballverbandes in der Mauer darstellen. Hierbei war die Herausforderung, den Adler darzustellen, da hierfür verschiedenartige, breite Fugen und dunkler Mörtel notwendig waren.
3. Die Jahreszahl "2022" dreidimensional mit verschiedenen Schrägschnitten mauern.