Meisterstücke -

Metallbaumeister arbeitet unter Wasser Der besondere Kick

Metallbaumeister Manfred Kick verbindet sein Handwerk mit seinen Hobbys – über und unter Wasser. Nebenbei ist der Tesla-Fan politisch engagiert und darf sich Lebensretter nennen.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass Tesla-Boss Elon Musk über einen deutschen Handwerker twittert und der Europachef des Autobauers persönlich in München vorbeischaut, um sich von der sachgemäßen Reparatur eines Elektroautos zu überzeugen.

Die besondere Ehre wurde Metallbaumeister Manfred Kick aus Garching zuteil, der eine echte Heldentat vollbracht hat. Auf der Autobahn setzte er seinen Tesla vor einen ins Schlingern geratenen VW und bremste den Wagen bis zum Stillstand herunter. Lehrbuchmäßig leistete er dem bewusstlosen Fahrer Erste Hilfe und koordinierte die Rettungsmaßnahmen vor Ort. Durch seine mutige Aktion hat Kick ein Menschenleben gerettet und womöglich eine Massenkarambolage mit vielen Opfern verhindert.

Großer Medienrummel

Die Rettungsaktion lieferte nicht nur eine perfekte Steilvorlage für Teslas Marketing, die öffentlichkeitswirksam die Reparaturkosten an Kicks Auto übernommen haben, sondern sorgte auch für ein großes Medienecho über den wagemutigen Handwerker. Ob Süddeutsche, FAZ oder Bild-Zeitung – alle großen Medien griffen die Geschichte auf.

Für Manfred Kick war das eine neue Erfahrung, obwohl er Öffentlichkeit gewohnt ist. Für die CSU sitzt er im Stadtrat von Garching und ist mit seinem in dritter Generation geführten Handwerksbetrieb im Ort ein bekannter Name.

Metallbau Kick

Große Herausforderungen, wie an jenem Unfalltag, gehören zu Kicks Leben und seiner Arbeit fest dazu. Und Kick liebt diese Herausforderungen, wie er selbst sagt. "Mit jeder Herausforderung wachst ma a Stückerl", sagt Kick.

Die großen Herausforderungen begannen schon in der Jugend des heute 42-Jährigen. Als er sich mit 15 Jahren gerade über seine berufliche Zukunft Gedanken machte, starb unerwartet ein wichtiger Mitarbeiter im kleinen Familienbetrieb an den Folgen eines Wespenstichs.

Ohne zu zögern füllte Kick die Lücke aus und absolvierte unter der Anleitung seines Vaters eine Ausbildung zum Metallbauer. Die Arbeit machte ihm Spaß, aber er verlor keinen Gedanken daran, den Betrieb später einmal zu übernehmen.

Chef mit 24 Jahren

Gerade erst 24 Jahre alt, änderte sich dies schlagartig. Überraschend starb sein Vater im Urlaub bei einem Bootsunfall. Die Metallbaufirma stand von heute auf morgen ohne Chef da.

Die Verantwortung, die lange Tradition der Firma Kick weiterzuführen, lastete nun auf den Schultern des jungen Handwerksmeisters. Den Metallbaumeister machte er schon mit 22 Jahren und war hier einer der jüngsten in seinem Jahrgang. Nebenbei gründete der junge Kick eine Familie und baute auf das Flachdach des Betriebs eine Wohnung für seine Frau, seiner zwei Kinder und sich.

Die familiäre Struktur der Metall­baufirma hat Manfred Kick nach dem Tod seines Vaters bewahrt. Auch wenn die große Nachfrage nach den Leistungen des Unternehmens für eine Vergrößerung sprechen würde, verzichtet Kick darauf. Wichtiger ist ihm der persönliche und unbürokratische Austausch im Team mit flachen Hierarchien.

Kicks Ehefrau Christine kümmert sich – wie zuvor seine Mutter – um die Buchhaltung, beschäftigt sich mit den lästigen Dokumentationspflichten und übernimmt viele andere organisatorische Aufgaben. Seinen jüngeren Bruder Johannes hat Manfred Kick ebenfalls zum Metallbauer ausgebildet, der heute als zweiter Geschäftsführer tätig ist.

"Wir profitieren von den Stärken des anderen", sagt Manfred Kick zur Arbeit mit seinem Bruder. Während er der Praktiker ist, versteht sich Johannes aufs Zeichnen und die visuelle Planung der Projekte

Daneben sind zwei Gesellen fest im Team und zusätzlich fast ganzjährig Werksstudenten beschäftigt.

Handwerk unter Wasser

Unter den sehr unterschiedlichen Aufträgen, die die Firma bewältigt, liegt Manfred Kick das neueste Projekt besonders am Herzen. Im Auftrag einer Industriefirma für Rohrleitungen geht Manfred Kick in München auf Tauchstation und saniert unter Wasser die alten Grundwasserkanäle der Stadt.

Als leidenschaftlicher Taucher, der sich inzwischen zum Rettungstaucher weitergebildet hat, kann Kick hier sein Hobby mit seinem Handwerk vereinen und besitzt damit ein Alleinstellungsmerkmal für den Kunden.

Bis zu drei Stunden am Stück arbeitet Manfred Kick – befestigt an einem Seil – in den gut zehn Meter tiefen und nur 1,5 Meter breiten Grundwasserschächten.

Bevor die eigentliche Arbeit beginnt, reinigt Kick die Kanäle mit einer von ihm selbst zum Staubsauger umgebauten Pumpe. Danach werden die Rohre vermessen. Dabei steht Manfred Kick über Funk in ständiger Verbindung zu seinem Bruder, der oberirdisch anhand der durchgegebenen Lagebeschreibungen räumliche Skizzen des Grundwassersystems anfertigt. Mit diesen werden später am Computer 3D-Grafiken erstellt.

Anschließend beginnt für Manfred Kick das eigentliche Handwerk. Mit Pressluftgeräten werden die Metallrohre bearbeitet und zugeschnitten. Um trotz des großens Wasserdrucks nicht den Halt zu verlieren, ist Kick auf die Idee gekommen, handelsübliche Skischuhe mit einer zusätzlichen Sohle aus Blei zu versehen. Die Schuhe verleihen ihm Stand und schützen zugleich vor Verletzungen, z.B. durch auf dem Grund liegende Nägel.

"Genialität ist, Dinge so einfach wie möglich zu gestalten", sagt Kick.

Zukunftsgeschäft E-Mobilität

Diese Philosophie kommt bei seinen Kunden gut an, zum Beispiel dem Extremsportler Jochen Schweizer. Für eine von Schweizers Events hat Kick zum Beispiel an einer Kugel mitgebaut, in der sich Wagemutige im Stand um 360 Grad drehen können. Bei einem anderen Schweizer-Projekt lieferte Kick Metallelemente, die es ermöglichen, senkrecht an einer Hauswand herunterzulaufen.

Kick ist offen für neue Projekte aller Art, solange nur die Herausforderung stimmt. So hat die kleine Metallbaufirma etwa an der Sanierung des Vierzylinders, dem Firmensitz von BMW in München mitgewirkt, liefert Abfüllapparaturen zur Herstellung zukunftsweisender Krebsmedikamente und baut Spezialpressen mit über 100 Tonnen Presskraft in Betonbunkern für den TÜV, um komplette Akkupakete von Elektroautos zu zerstören.

Der Akku von seinem eigenen Elektroauto wird noch eine Weile halten, hofft Kick. Und auch sein nächstes Fahrzeug wird 100 Prozent elektrisch angetieben sein – natürlich von Tesla. Elon Musk wird das gerne hören.

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