Kolumne Den Nachwuchs berufsbegleitend an die Nachfolge heranführen

Der Weg vom Schulabschluss in eine Führungsposition kann unterschiedlich gegangen werden. Am Beispiel eines Druckerei-Chefs und dessen Enkel schildert Ausbildungsberater Peter Braune die berufsbegleitende Route an die Spitze eines Handwerksbetriebs – und beschreibt, warum er diese stets der akademischen vorziehen würde.

Soll der eigene Nachwuchs den Familienbetrieb übernehmen, sind Ausbildung und Meisterschule eine gute Grundlage. Noch unentschlossene Jugendliche können über diesen Weg außerdem für eine spätere Nachfolge begeistert werden. - © Gundolf Renze - stock.adobe.com

Eines Tages unterhalten sich der Großvater und sein Enkel über dessen berufliche Zukunft. Dem Inhaber einer Druckerei wäre es sehr recht, wenn der Enkel seinen gut laufenden Betrieb in der vierten Generation übernehmen würde.

Vor dem Jungen liegt das letzte Schuljahr am Gymnasium. Mit der Schulzeit geht ein bedeutender und großer Lebensabschnitt zu Ende. Es ist wichtig, dass er sich frühzeitig überlegt, was er dann machen möchte. Er muss für sich klären, was seine Wünsche, Fähigkeiten und Ziele sind.

Der Großvater ist überzeugt, dass seine Erfahrungen für den Jungen ein Sprungbrett sein könnten. Von seinen Kolleginnen und Kollegen hört er dazu allerdings nicht die besten Meinungen. In einer Sitzung vom Gewerbeverein meint der Metzgermeister, die Jugend hätte keinen Bock auf Verantwortung. Eine Raumausstatterin vertritt vehement die Meinung, die jungen Menschen wären weniger risikobereit als früher. Der Inhaber der örtlichen Baufirma glaubt, dass sich zu viele lieber der Sicherheit einer festen Anstellung hingeben. Mit einem Arbeitsvertrag, der Arbeitslosenversicherung und den festen Arbeitszeiten. Die Gründe sind offenbar vielschichtig, aber einer seiner vielen Gedanken scheint ihm hilfreich. Wenn er den Spaß am Unternehmertum aktiv vorlebt, kann er den Enkel vielleicht eher zum Einstieg bewegen.

Vorteile einer Berufsausbildung

Er schlägt seinem Enkel deshalb vor, sofort nach der Schule eine Berufsausbildung als Medientechnologe Druck zu beginnen. Früher hatte er seine Leute als Drucker bezeichnet. Er schildert dem Jungen anschaulich, wie die Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, Werbedrucksachen oder Plakate hergestellt werden. Und wirbt für einen berufsbegleitenden Weg zur Betriebsübernahme.

Die Vorteile einer Berufsausbildung im dualen System liegen aus seiner Sicht auf der Hand. Ab dem ersten Ausbildungsjahr erhält der Junge sein eigenes Entgelt, das mit jedem Jahr ansteigt. Die Kosten, im Zusammenhang mit der Ausbildung im Betrieb trägt der Ausbildende. Die Jugendlichen werden zunehmend finanziell unabhängiger und können sich ihre Wünsche selbstständig erfüllen. Die persönliche Reife wächst durch den Umgang mit den Beschäftigten und Vorgesetzten. Sie lernen alle Bereiche im Unternehmen kennen. Die Theorie können sie bestmöglich mit der Praxis verbinden sowie das Gelernte immer ganz direkt und praktisch anwenden.

Vorteile des Meisterbriefs

Mit dieser Grundlage kann dann der nächste Schritt gegangen werden. Mit dem Meisterbrief erwirbt er das Qualitäts- und Gütesiegel für die Produkte und Leistungen dieses Handwerks. Den Abschluss sollte er haben, um den Betrieb sicher führen und Lehrlinge ausbilden zu können. Er beherrschst dann alle erforderlichen Verfahren, verfügt über das theoretische Hintergrundwissen, um die Technik und Organisation im Griff zu haben. Sehr hilfreich ist der Überblick über die organisatorischen, personellen und betriebs­wirtschaft­lichen Zusammenhänge, um diese kundenorientiert in die Praxis umzusetzen.

Mit dem Meisterbrief kann er gegenüber der Kundschaft nachweisen, dass er kann was er anbietet. Seit einiger Zeit gibt es die Zusatzbezeichnung Bachelor Professional als Ergänzung für den Meistertitel. Mit ihr soll klargestellt werden, dass er als Meister gleichwertig dem akademischen Grad Bachelor gestellt ist. Der Abschluss zum geprüften Betriebswirt wäre dann der höchste Abschluss und gleichwertig dem akademischen Master-Abschluss. Im Gegensatz zum schulischen Weg wird bei dem, was er dem Enkel vorschlägt, das überflüssige, theoretische, akademische Wissen, das für seine Tätigkeit im Unternehmen nicht erforderlich ist, auch nicht vermittelt.

Vorteile gegenüber einem Studium

Wenn er diesen Weg berufsbegleitend geht, verdient er vom ersten Tag an sein eigenes Geld. Er vermeidet auch die Nachteile eines Studiums, zu denen unter anderem die überlangen Studienzeiten, die überfüllten Vorlesungen und eine zu theoretische Ausrichtung des vermittelten Wissens gehören. Für eine akademische Ausbildung fallen für jedes Semester die Studiengebühren an. Zudem sind die Kosten für die Lebenshaltung, Versicherungen und das Lehrmaterial nicht zu unterschätzen.

Nicht jeder Studiengang, insbesondere die vielen Orchideenfächer, wie zum Beispiel die Papyrologie, Koptologie oder Onomastik, garantieren nach dem Abschluss eine direkte Anstellung. Die Anforderungen an die Studierenden sind immens hoch, was oftmals dazu führt, dass der Traumberuf längere Zeit auf sich warten lässt. Viele fühlen sich aufgrund des durchgängigen Lernens überfordert und verlieren die Motivation. Alle starten deutlich später ins Berufsleben und können keine finanziellen Rücklagen bilden.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.