Logistik Das Werkzeug immer im Blick

Riempp Elektrotechnik in Oberboihingen setzt beim Einsatz und bei der Disposition von Werkzeug und Maschinen konsequent auf Softwarelösungen. Mit Erfolg: Der Bestand werde mittelfristig um 30 bis 40 Prozent reduziert.

Florian Riempp
Setzt auf digitalisierte Logistik: Florian Riempp. - © Riempp

Die Riempp GmbH in Oberboihingen hat seit Anfang 2022 eine App im Einsatz, in der neben den 150 Monteuren auch der gesamte Werkzeugbestand digital hinterlegt ist. So hat der Elektrotechnikspezialist, der rund 200 Industriekunden in der Region Stuttgart betreut und teils im Neubau tätig ist, in Echtzeit den Überblick über sein Equipment und dessen Auslastungsgrad. Auch in der Materialbereitstellung, kundenspezifischen Zeiterfassung und der Routenplanung für ihre Prüfer setzen die Schwaben auf digitale Lösungen.

Von Oberboihingen, Esslingen und Tübingen aus betreut Riempp rund 1.000 Maschinen und Anlagen von gut 100 Produktionsbetrieben. "Unsere Reaktionszeit beträgt je nach Dringlichkeit ab zwei Stunden plus Fahrzeit, dann sind wir vor Ort", lautet das Versprechen, das der Dienstleister seinen Kunden seit 1981 gibt und zuletzt 25 Millionen Euro pro Jahr umgesetzt hat. Seine Techniker, Meister und Gesellen betreuen Maschinen und Anlagen von 200 deutschen und internationalen Herstellern. Im Kern müssen die Servicekräfte verschiedene Steuerungen von Siemens, Bosch oder Beckoff beherrschen.

Riempp hat selbst ein Managementsystem entwickelt

Mit dem Anlagen- und Instandhaltungsmanagementsystem Ramsyst, das Riempp selbst entwickelt hat, werden kundenspezifisch alle relevanten Daten und Informationen hinterlegt. Nach diesem Prinzip hat der Arbeitgeber auch seine Werkzeug-App entwickelt. Juniorchef Florian Riempp: "Weil es seitens der Hersteller nichts Vergleichbares gab, haben wir uns selbst eine App programmiert." In dieser ist hinterlegt, wer seit wann welches Werkzeug mit welchem Equipment, etwa Zahl der Akkus und Ladegerät dazu, hat.

Die Schwaben haben für 2.500 Euro einen Gravur-Laser gekauft, mit dem seit Jahresbeginn jede Bohrmaschine, jeder Winkelschleifer, jedes Messgerät und jede Leiter unverwechselbar gekennzeichnet wird. Der Grund: Aufgeklebte QR-Codes oder Seriennummern der Hersteller waren und sind spätestens nach sechs Monaten nicht mehr leserlich oder abgefallen. "Bei einer Lebensdauer von im Schnitt vier Jahren pro Gerät lohnt sich der Aufwand", sagt Riempp. Zuvor hatte er geklärt, dass die Gravur weder Garantien der Hersteller beeinträchtigt noch die Leasinggeber stört. Denn rund die Hälfte des Bestands, in dem die meisten Geräte zwischen 300 und 900 Euro kosten, ist geleast.

Über eine Grundausstattung an Werkzeugen verfügt jedes Monteurfahrzeug. Bezogen auf den einzelnen Auftrag bestellt der Monteur über die App aus dem Bestand im Lager, was er zusätzlich benötigt. Das kann eine weitere Schlagbohrmaschine sein, mit der der Mitarbeiter einen Leiharbeiter oder Subunternehmer ausstattet, oder ein Spezialwerkzeug für einen außergewöhnlichen Arbeitsprozess.

Nutzungsdauer des Bestands wird deutlich erhöht

Riempp: "Üblicherweise beträgt die Ausleihzeit 14 Tage." Ist diese erreicht und das Werkzeug nicht bereits wieder zurückgegeben, poppt bei dem betreffenden Mitarbeiter und dem Lageristen je eine Nachricht auf, dass das Equipment noch fehlt. Dann muss der Monteur das Gerät zurückgeben oder dessen Verlängerung beantragen. Der Chef: "Damit erhöhen wir die Nutzungsdauer des Bestands deutlich und vermeiden, dass Werkzeug monatelang im Auto spazieren gefahren wird."

Als der Verleih noch in Excel-Tabellen eingetragen wurde, fielen selbst Diebstähle oft monatelang nicht auf und bei Engpässen mussten die Lageristen stundenlang Mitarbeitern hinterhertelefonieren, die auf Montage nicht erreichbar oder im Urlaub waren. Bei der Rückgabe werden sofort Funktionalität, Zustand und Vollständigkeit des Werkzeugs gesichtet und dokumentiert. In der Regel meldet der Rückgeber dann auch, wenn ihm etwa der Akku-Bohrschreiber zwei Meter tief gefallen ist. Bei Rissen im Gehäuse oder sonstigen Beschädigungen wird das Gerät ohnehin sofort zur Inspektion beim Hersteller eingesandt.

Riempp: "Mittelfristig dürften wir unseren Bestand um 30 bis 40 Prozent reduzieren, wenn sich die App etabliert hat." Diese Transparenz habe zudem Schlamperei deutlich reduziert und die Ehrlichkeit über Defekte und Beschädigungen erhöht. Hinzu kommt die Zeitersparnis der Lageristen, was die Arbeitsplatzzufriedenheit verbessert und die Kundenorientierung erhöht habe.

Arbeitszeit wird per Smartphone erfasst

Insbesondere die Prüfer elektrischer Anlagen planen bei Riempp bereits seit Jahren via Google Maps ihre Touren so, dass sie bis zu fünf Kunden pro Tag bedienen können und dabei möglichst wenig Zeit im Auto verbringen. Monteure, die mehrere Kunden pro Tag anfahren, erfassen ihre Arbeitszeit inklusive Pausen per Smartphone und ordnen diese in Echtzeit Projektnummern zu, so dass man jederzeit weiß, wo ein Mitarbeiter ist und Aufträge transparent abrechnen und kalkulieren kann.

Ähnliche Systeme kommen in der Materialbeschaffung und Arbeitsvorbereitung zum Einsatz, damit es auf Baustellen nie zu Verzögerungen kommt oder Material-Diebstähle möglichst ausgeschlossen werden können. Mitbewerber von Riempp betonen, dass sich bei ihnen Betriebsräte gegen so viel Digitalisierung wehrten, weil sie diese als Kontrolle und Leistungsverdichtung wahrnehmen. Aus anderen Handwerksbetrieben heißt es, der Aufwand lohne nicht, weil die Belegschaft zu klein ist oder oft Monate auf derselben Baustelle hantiere. Mancherorts fehle dem Inhaber auch einfach die Kraft, solche Innovationen anzuschieben.