Apple startet "Self-Service-Reparatur" für iPhones Das schwierige Geschäft mit den Smartphone-Reparaturen

Smartphones landen massenweise im Müll, obwohl nur einzelne Komponenten kaputt sind oder die Software Fehler zeigt. Smartphone-Reparaturen sind kompliziert und Original-Ersatzteile meist sehr teuer. Apple hat nun einen "Self-Service-Reparatur" angekündigt fürs iPhone. Freien Reparaturwerkstätten bringt das allerdings wenig. Ein Handwerksbetrieb berichtet aus der Praxis.

Smartphone-Reparaturen
Teure Ersatzteile, kein Zugang zu Anleitungen und Software: Wer ein Smartphone reparieren möchte, stößt schnell auf Hindernisse. - © Rokas - stock.adobe.com

Der Klassiker ist das kaputte Display – meist die gesprungene Scheibe. Doch auch an vielen anderen Stellen können Smartphones Macken bekommen, ob selbst verschuldet oder durch Softwareprobleme. Massenweise landen sie deshalb jedes Jahr im Müll. Sie zu reparieren, ist für Laien fast unmöglich und auch Reparaturwerkstätten stehen vor Hürden.

Das Problem ist der Zugang zu Original-Ersatzteilen, zu Software, Reparaturanleitungen und auch Spezialwerkzeug, das man manches Mal braucht, um an das Innere des Smartphones heranzukommen. Hierbei stellen sich viele Hersteller quer bzw. erschweren sie den Zugang. Vor allem die Firma Apple war in der Vergangenheit dafür bekannt, bei Reparaturen zu blockieren und den eigenen Kunden mangelnde Expertise vorzuwerfen. Mit diesem Argument verhinderte der Konzern, dass iPhones und andere beliebte Mac-Produkte repariert und dann länger genutzt werden. Dass die Software eine Fehlermeldung brachte, wenn man an den Geräten eigenmächtig Hand angelegt hat, wurde sogar von Modell zu Modell noch verstärkt.

Smartphone-Reparaturen: Was Apple für dieses Jahr ankündigt hat

Im November 2021 hat Apple allerdings die Kehrtwende ausgerufen und angekündigt in 2022 Original-Ersatzteile, Anleitungen und auch Werkzeuge zur "Self-Service-Reparatur" anzubieten – im Verkauf für die Endkunden. Schon Anfang 2022 will Konzern damit in den USA starten. Im Laufe des Jahres möchte er dann nach eigenen Angaben in anderen Ländern nachziehen. Neben einzelnen Computern gilt das Angebot erst einmal für iPhones der Modellreihen 12 und 13.

Was Apple hier ankündigt, klingt nach einer großen Reparatur-Revolution. Immerhin ist das iPhone eines der meist genutzten Smartphones weltweit. In Reparaturwerkstätten ist die Euphorie allerdings gedämpft. Das Angebot ist einerseits an den Endkunden gerichtet und eine Reparatur zuhause zu wagen, hält sicherlich viele davon ab. Andererseits wird nach Ansicht von Steffen Vangerow auch der Preis für die Ersatzteile so manchen iPhone-Nutzer vor einer Reparatur zurückschrecken lassen.

Steffen Vangerow ist Geschäftsführer eines Handwerksbetriebs in Reutlingen, der sich auf Reparaturen spezialisiert hat. Reparaturen von alten Röhrenradios, von allem, was zur Fernsehtechnik gehört und Reparaturen von Smartphones gehören dazu. Außerdem unterstützt die Firma andere dabei, Reparaturwerkstätten aufzubauen. Zur Ankündigung von Apple sagt Vangerow: "Für uns bedeutet die Ankündigung vor allem, dass es prinzipiell möglich ist, Zugriff auf Ersatzteile und Software von Herstellerseite zu bekommen und dass weitere Hersteller eventuell auch nachziehen", sagt er. Dass er als Fachwerkstatt dadurch praktisch profitiert, bezweifelt er allerdings. Denn der Zugang zu den Reparaturhilfen, zu Ersatzteilen und der notwendigen Software wird aus seiner Sicht weiterhin kompliziert bleiben.

Nachfrage nach Smartphone-Reparaturen ist groß

Die Nachfrage nach Smartphone-Reparaturen aller Hersteller wäre allerdings riesig – wenn denn die Konditionen stimmen würden. Gibt Apple nun Ersatzteile, Software und Anleitungen an seine Kunden gegen Gebühr raus, könnte der Weg zwar so aussehen, dass der Handybesitzer diese selbst bestellt und dann in die Werkstatt trägt. Dann könnten die Reparaturprofis tätig werden. Ob dies mit den Umwegen dann aber geschieht, bleibt fraglich. Betriebe wie die von Steffen Vangerow werden erst einmal keinen besseren Zugang zu dem neuen Service bekommen. Sie können dann nur auf Ersatzteile auf dem freien Markt umschwenken, die nicht die Originale der jeweiligen Hersteller sind.

Zwar agieren die Hersteller nicht alle gleich bei dem Thema und bisher ist auch nur Apple in die Offensive gegangen. Sehr hohe Preise verlangen aber die meisten für die Ersatzteile. Steffen Vangerow ergänzt: "Software ist bei keinem Hersteller einfach zu bekommen." Vor die größten Probleme stellt dies die Werkstätten aber bisher wirklich bei Apple. "Da hier der Austausch von Ersatzteilen durch Software sogar erschwert wird", sagt der Geschäftsführer.

Smartphone-Reparaturen: Software schwierig zu bekommen

Trotz der Hindernisse, die noch bestehen, um Smartphones einfacher reparieren zu können, findet Steffen Vangerow es gut, dass die Diskussion darum nun endlich an Fahrt aufnimmt. "Es zeigt sich auf jeden Fall wie gut der Druck in Amerika und Europa funktioniert hat. Apple reagiert hier vor allem auf den politischen Druck und will den verschiedenen Kampagnen Luft aus den Segeln nehmen", sagt er. In Deutschland trage der Runde Tisch Reparatur mit zu diesem Kampf bei, ein Zusammenschluss verschiedener Akteure des Themas, die sich unter anderem für ein Recht auf Reparatur einsetzen.

"Wir wollen freie Verfügbarkeit und faire Preise sowie Zugriff auf Reparatursoftware für alle freien Reparaturbetriebe", sagt Vangerow. Die mangelnde Verfügbarkeit für herstellerunabhängige Werkstätten ist aus seiner Sicht bislang noch der größte Reparaturverhinderer. "Dies ist wenig überraschend, wenn man bedenkt wie viel an einem Neugerät verdient wird."