Digitalisierung Das sagt das Handwerk zum 5G-Ausbau

Die Handwerkspolitik fordert einen schnellen Ausbau von Mobilfunknetzen und Breitband in Deutschland. Denn nur auf dieser Grundlage könnten die Betriebe die Chancen der Digitalisierung für sich nutzen. Die Stimmen im Überblick.

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Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverband des Deutschen Handwerks

Holger Schwannecke, Generalsekretär des ­Zentralverbandes des Deutschen Handwerks - © Boris Trenkel

"Dass der 5G-Ausbau weiterhin an Fahrt aufnimmt, wird auch den Betrieben des Handwerks die Arbeit erleichtern – insbesondere solchen, die an Orten mit größerer Entfernung zum Betriebsstandort Aufträge ausführen. Eine wirklich flächendeckende 5G-Versorgung wird jedoch erst im Zuge der anstehenden nächsten Neuversteigerung niedrigerer Funkfrequenzen erfolgen können: Denn je niedriger die Frequenzen sind, umso weiter tragen sie auch. Deswegen hat die zurückliegende Auktion mit den Höchstfrequenzen die flächendeckende Versorgung mit dem Mobilfunkstandard 5G bislang nur wenig vorangebracht – zur Flächenabdeckung müsste man mit diesen Frequenzen rund alle drei Kilometer einen Funkmast aufstellen.

Jenseits solcher rein funkphysikalischen Zusammenhänge müssen in der nächsten Ausschreibungsrunde zugleich die Flächenausbauvorgaben für die Netzbetreiber noch stringenter formuliert und dann auch tatsächlich durchgesetzt werden. Die Kosten des Aufbaus flächendeckender Funkinfrastruktur könnten dadurch reduziert werden, dass dann nicht alle Anbieter ihre jeweils eigenen Funknetze nebeneinander erstellen, sondern man sich hier auf eine gemeinsame und dabei selbstverständlich entgeltliche Nutzung von Infrastrukturen einigen könnte. Gegebenenfalls sollte dies mittels einer gesetzlichen Vorgabe zum „regionalen Roaming“ durchgesetzt werden."


Stefan Füll, Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden

Stefan Füll, Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden - © HWK Wiesbaden

"Das Handwerk ist ein innovativer und moderner Wirtschaftsbereich, für den die Nutzung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien eine Selbstverständlichkeit ist. Der Einsatz von breitbandigen Internetverbindungen ist dabei ein integraler Bestandteil von Produktion, Dienstleistung und Kommunikation. Zahnärzte kommunizieren mit Zahntechnikern, Elektrobetriebe und Sanitär-, Heizungs- und Klimabetriebe kommunizieren per Fernwartung mit Häusern und ein Organist in Bayern übermittelt dem Orgelbauer in Mittelhessen via App neue Instrumenten-Einstellungen.

Diese Beispiele verdeutlichen, dass mit einer 'einfachen' Internetverbindung über die normale Telefonleitung entsprechende Arbeitsprozesse nicht oder nur mit unzumutbaren Wartezeiten bei der Datenübermittlung realisierbar wären. Es ist für Betriebsinhaber unerlässlich, dass bezahlbare und praktikable Mobilfunknetze zur Verfügung stehen. Eine zentrale Aufgabe der Politik ist es deshalb, den Menschen und den Betrieben eine Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Aus Handwerkssicht ist eine flächendeckende 4G-Versorgung wichtiger als wenige 5G-Leuchtturmprojekte."


Rainer Beck, Geschäftsführer der Handwerkskammer für Oberfranken

"Als Bundesbildungsministerin Anja Karliczek im März 2019 im Zuge eines Interviews der Spruch „5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig“ über die Lippen kam, reagierte das Handwerk mit ZDH-Präsident Hans-Peter Wollseifer sofort. „Wir brauchen 5G an jeder Werkbank“, sagte er. Und damit hat er Recht. Gerade für einen ländlichen Raum wie Oberfranken ist die Netzanbindung von immenser Bedeutung. Fernab von Großstädten und Bundesfernstraßen leidet Oberfranken zum Teil immer noch unter grauen, manchmal sogar weißen Flecken in Form von Funklöchern und fehlendem oder unzureichenden Breitbandanschluss. Mit einem Anschluss mit 30 Mbit/s oder 50 Mbit/s ist es eben einfach nicht getan.

Rainer Beck, Geschäftsführer der Handwerkskammer für Oberfranken - © HWK für Oberfranken

Unsere Handwerksbetriebe betrifft dies gleich in zweierlei Hinsicht, da sowohl die digitale Infrastruktur am Firmenstandort als auch die Situation beim Kunden vor Ort darüber entscheiden, welche digitalbasierten Arbeitsmittel, Fertigungs- und Betriebsprozesse netztechnisch überhaupt machbar sind. Es ist aber wichtig, dass der Handwerker und die Handwerkerin weiß, dass ihre digitalen Tools immer einsetzbar sind und der Service, den sie bieten, beim Kunden auch funktioniert.

Ein sicheres und belastbares 5G-Netz ist für das Handwerk also die Basis, um überhaupt in neue 5G-Soft- und Hardwarelösungen zu investieren. Diese sind vielfach noch in Pilotprojekten und noch in den letzten Zügen der Entwicklungsphase – aber sie kommen. Und sie werden dann auch genutzt."


Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz

"Der moderne Netzausbau, auch mit 5G, schreitet im Land voran, erfreulicherweise auch in Ostbayern. Das haben uns verschiedenste Mobilfunknetzbetreiber, mit denen wir im Austausch stehen, immer wieder versichert und das ist aus unserer Sicht auch immens wichtig – sowohl für die Bevölkerung, für unsere Handwerker, aber auch für die Region insgesamt. Denn wenn wir unsere Mobilfunknetze heute nicht weiter flächendeckend ausbauen, werden wir, auch mit Blick in Richtung 5G, an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen. Unsere Unternehmen, die Bürger und auch das Handwerk in der Region wollen in Zukunft 5G-Anwendungen nicht nur in großen Städten, wie München, Regensburg oder Passau nutzen, sondern auch im Bayerischen Wald, im Rottal und in der Nordoberpfalz. Im Arbeitsalltag von Handwerkern wird 5G immer mehr zum Thema: Es wird die bestimmende neue Technologie für mobile Anwendungen werden, davon spricht bereits jeder.

Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz - © Foto Graggo

Auch für unsere Betriebe sehen wir hier große Chancen, sie sind viel unterwegs und auf mobile und flexible Lösungen angewiesen. Zumal mobiles Arbeiten bei der Vernetzung von verschiedensten Produkten oder moderner Maschinensteuerung längst eine Selbstverständlichkeit ist. Diese modernen Anwendungen können langfristig aber nur funktionieren, wenn wir jetzt unsere Hausaufgaben machen. Leider müssen wir gerade im ländlichen Raum feststellen, dass der Mobilfunk noch nicht ausreichend ausgebaut ist. Denn die Grundlage für 5G ist ein leistungsfähiger 4G-Standard, und das flächendeckend – auch auf dem Land, eben überall dort, wo er gebraucht wird. Hier legen wir seit Jahren bei Politik und Netzbetreibern den Finger in die Wunde und haben auch schon etliche Vorschläge unterbreitet, wie zuletzt mit einer umfangreichen Studie zum Mobilfunknetzausbau im ländlichen Raum. Einige Punkte daraus wurden von der Politik bereits aufgegriffen. Bestes Beispiel ist die neuerliche Reform bei der Vergabe von Mobilfunkfrequenzen, die nun auch andere Vergabeverfahren zulässt. Dies kann den Netzausbau künftig, gerade in dünner besiedelten Gebieten, weiter entscheidend verbessern."


Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden

Andreas Brzezinski Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden - © André Wirsig

"Wir brauchen den Ausbau des Netzes auf den 5G-Standard im ostsächsischen Raum ganz dringend, um das nächste Level zu erreichen. Gerade bei der Überwachungs- und Steuerungstechnik gibt es sehr viel Potential für das Handwerk. Hier können perspektivisch noch sehr viel filigranere Regelmechanismen und neue Services für Kunden angeboten werden. Entscheidend ist, dass wir schnell zu einem flächendeckenden Netzausbau kommen, gerade mit Blick auf den ländlichen Raum, damit keine Wettbewerbsnachteile entstehen."


Handirk von Ungern-Sternberg, Mitglied der Geschäftsleitung der Handwerkskammer Freiburg

Handirk von Ungern-Sternberg, Mitglied der Geschäftsleitung der Handwerkskammer Freiburg - © HWK Freiburg

"Der Wirtschaftsstandort rund um Freiburg ist mittelständisch geprägt. In den ländlichen Regionen des Schwarzwalds gibt es eine hohe Dichte an hochinnovativen Handwerksbetrieben und viele Hidden Champions. Der Ausbau von 4G verlief sehr schleppend und hat viele weiße Flecken auf der Landkarte hinterlassen. Beim Ausbau von 5G sind wir optimistischer und hoffen, dass gerade Gewerbetreibende prioritär angebunden werden. Die flächendeckende Verbreitung von 5G hat auch wettbewerbliche Aspekte. Eine Unterversorgung des ländlichen Raums, etwa in Höhenlagen des Schwarzwalds oder in Grenzlagen des Dreiländerecks wäre fatal und ginge auch zu Lasten kleiner und mittlerer Betriebe."