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Einigung bei den Tarifverhandlungen Dachdecker: Das sind die Lohnerhöhungen 2021

Der Ecklohn im Dachdeckerhandwerk steigt ab dem 1. Oktober um 2,1 Prozent; auch die Ausbildungsvergütung soll erhöht werden. Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks spricht von einem tragfähigen Kompromiss, warnt jedoch, die zukünftige Konjunkturlage nicht zu unterschätzen.

Ab dem 1. Oktober 2021 sollen die Löhne und Gehälter im Dachdeckerhandwerk um 2,1 Prozent steigen. Der Dachdecker-Gesellenlohn (Ecklohn) steigt damit um 0,40 Euro von 19,12 Euro auf 19,52 Euro. Darauf geeinigt haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaft nach drei Verhandlungsrunden am 5. November 2020. Zudem gab es weitere Übereinkommen zwischen den Tarifvertragsparteien in puncto Ausbildungvergütung und tarifliche Altersvorsorge. Auch eine Corona-Prämie wurde ausgehandelt.

Tarifliche Altersvorsorge für Dachdecker aus dem Osten

Am 1. September 2020 wurden die Tarifverhandlungen für die 90.000 Beschäftigten im Dachdeckerhandwerk aufgenommen. Ursprünglich gefordert hatte die IG Bau eine Erhöhung der Einkommen um 4,8 Prozent sowie der Ausbildungsvergütungen um 100 Euro je Ausbildungsjahr. Zudem forderte sie eine Sicherung der seit 1965 bestehenden zusätzlichen Altersvorsorge in derzeitiger Höhe.

Diese Vorschläge lehnten die Arbeitgeber ab und sprachen sich laut IG BAU unter anderem für deutliche Einschnitte in der zusätzlichen Altersvorsorge ab dem 1. Januar 2021 aus. Auch die zweite Verhandlungsrunde für das Dachdeckerhandwerk am 7. Oktober 2020 in Frankfurt am Main blieb ergebnislos.

In dritten Tarifrunde konnte die Gewerkschaft eine Senkung der Zusatzrente abwenden und die Altersvorsorge auf 94 Euro monatlich dauerhaft sichern. Zudem erhalten Branchenkollegen aus dem Osten ab 2021 ebenfalls 94 Euro Zusatzrente, teilt die IG BAU mit. Die Arbeitgeber sollen dafür ab 1. Januar 2021 einen Rentenbeitrag von 3,2 Prozent zahlen. Dies entspreche einer Steigerung um 2, 2 Prozent. Laut IG BAU profitieren dadurch 15.000 Rentner sowie 63.000 Arbeitnehmer.

Ausbildungsvergütungen sollen steigen

Arbeitgeber und Gewerschaft einigten sich auch auf höhere Ausbildungsvergütungen für angehende Dachdecker. Diese sollen ab 2021 steigen: Im ersten Ausbildungsjahr um 2,6 Prozent auf 780 Euro, im zweiten Ausbildungsjahr um 3,3 Prozent auf 940 Euro sowie im 3. Ausbildungsjahr um 3,4 Prozent auf 1.200 Euro.

Ausbildungsvergütung für Lehrlinge im Dachdeckerhandwerk

Datum 1. Ausbildungsjahr 2. Ausbildungsjahr 3. Ausbildungsjahr
Seit dem 1. Dezember 2019 760 Euro 910 Euro 1.160 Euro
Ab 2021 780 Euro 940 Euro 1.200 Euro

Quelle IG BAU

Corona-Prämie für Dachdecker

Beschäftigte im Dachdeckerhandwerk sollen als Zeichen der Anerkennung für ihre Arbeit in der Corona-Pandemie eine Prämie erhalten. Die Corona-Prämie beträgt 150 Euro beziehungsweise 50 Euro für Azubis. Der Betrag soll mit der November-Abrechnung als Nettobetrag steuer- und sozialabgabenfrei ausgezahlt werden.

Über die Einigungen in der dritten Tarifrunde des Dachdeckerhandwerks müssen die Arbeitgeber noch bis zum 26. November 2020 in ihren Verbänden beraten. Bei einer Zustimmung hat der Tarifvertrag eine Laufzeit bis zum 30. Juni 2022.

Corona-Krise: Weniger Aufträge im Flachdachbereich

"Es waren harte Verhandlungen", kommentiert Dirk Bollwerk, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) und Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite, die Ergebnisse der Tarifrunden. "Umso erfreulicher, dass es in der dritten Runde zu einem Kompromiss kam, der für beide Seiten tragfähig ist." Der Präsident sei froh, dass das Dachdeckerhandwerk seit Beginn der Corona-Krise weiterarbeiten konnte und kaum Mitarbeiter entlassen oder in Kurzarbeit geschickt werden mussten. Jedoch seien bei vielen Betrieben Mehrkosten und ein hoher Aufwand für ein coronakonformes Arbeiten auf Baustellen entstanden. "Mit der Corona-Prämie belohnen wir das Arbeiten unter erschwerten Bedingungen und haben dabei auch ganz bewusst die Auszubildenden im Blick gehabt", erklärt Bollwerk.

Weiterhin müsse jedoch dafür gesorgt werden, dass Betriebe im Dachdeckerhandwerk zukunftsfähig bleiben. "Dafür muss Geld für notwendige Investitionen vorhanden sein. Das sichert dann auch wieder Arbeitsplätze", fordert Bollwerk. Laut seiner Aussage gingen die Auftragseingänge im Gewerbebau seit März 2020 zurück, sowohl bei den Büro- und Verwaltungsgebäuden sowie im Bereich Fabrik- und Werkstattgebäude lägen die Raten bei minus 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies entspreche dem typischen Flachdachbereich, in dem viele Dachdeckerbetriebe aktiv sind. "Die von der Gewerkschaft vielbeschworene sonnige Konjunkturlage im Dachdeckerhandwerk beginnt also schon sich einzutrüben, ein Trend, der sich 2021 noch verschärfen wird", warnt Bollwerk.

Vorteilhaft fürs Dachdeckerhandwerk seien allerdings die Fördermaßnahmen und Steuervergünstigungen der Politik. Sie würden Bauherren zu umfangreichen energetischen Sanierungsmaßnahmen veranlassen. "Dies wird – so hoffen wir – zu einer Stabilisierung der Geschäftslage insgesamt führen", so der ZVDH-Präsident.

Was ist der Ecklohn?

Unter Ecklohn versteht man den Lohn, der nach einem Tarifvertrag für einen Facharbeiter nach zweijähriger Tätigkeit gezahlt werden muss. Nicht jede Branche hat einen Ecklohn und im Laufe der Zeit hat der Ecklohn auch an Bedeutung verloren. Wo es noch Ecklöhne in den Tarifverträgen gibt, können Sie sich als Arbeitnehmer auch darauf berufen, allerdings nur dann, wenn Ihr Arbeitsverhältnis einem entsprechenden Tarifvertrag unterliegt. Trifft das zu, spricht man von Tarifbindung. Wird ein Tarifvertrag ausgehandelt, muss Ihr Arbeitgeber sich dann auch an die Bedingungen halten, die darin definiert sind.

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