Tarifverhandlungen Dachdecker: Vorerst kein Tarifabschluss 

Der Tarifabschluss im Dachdeckerhandwerk ist vorerst gescheitert. Während die IG BAU die Tarifeinigung aus den Gesprächen im August lobte, lehnte die Arbeitgeberseite sie nun ab. Allerdings betonte der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks, weiterhin für Verhandlungen offen zu sein.

Dachdecker
Die Tarifeinigung sah eine Steigerungen des Ecklohns im Dachdeckerhandwerk in zwei Stufen vor vor. - © roboriginal - stock.adobe.com

Nach der letzten Verhandlungsrunde am 23. August gingen die IG BAU und der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) mit einer Tarifeinigung auseinander. Das Ergebnis: Zum 1. Oktober sollten die Löhne und Gehälter im Dachdeckerhandwerk um fünf Prozent steigen. Allerdings bekam dieser Kompromiss, wie am 22. September bekannt wurde, keine Zustimmung seitens der Arbeitgeber. Die Mitgliederversammlung des ZVDH lehnte ihn mehrheitlich ab. Grund seien die laufenden Gespräche im Kanzleramt über eine steuer- und sozialabgabenfreie tarifliche Einmalzahlung von bis zu 3.000 Euro. Der Tarifabschluss ist damit fürs Erste gescheitert.

Der Verband betonte jedoch, weiterhin verhandlungsbereit zu sein. "Uns ist durchaus bewusst, dass wir unserer Verantwortung gegenüber unseren Beschäftigten in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten nachkommen müssen. Hierzu brauchen wir aber auch verlässliche Rahmenbedingungen […]. Ständig steigende Energie- und Materialkosten machen auch den Dachdeckerbetrieben zu schaffen", erklärt der Verhandlungsführer, ZVDH-Präsident Dirk Bollwerk. Das nächste Zusammentreffen der beiden Tarifparteien findet voraussichtlich im Oktober statt.

Was für den Ecklohn vorgesehen war 

Momentan liegt der Ecklohn im Dachdeckerhandwerk bei 19,52 Euro brutto pro Stunde. Die nun abgelehnte Tarifeinigung sah eine Erhöhung zum 1. Oktober 2022 um 0,98 Euro vor – auf dann 20,50 Euro. In einem zweiten Schritt hätten die Löhne und Gehälter im Oktober 2023 um weitere drei Prozent steigen sollen. Damit wäre der Ecklohn von 20,50 Euro auf 21,12 Euro gestiegen – also um 0,62 Euro.

Ecklohn für Dachdecker

DatumEcklohn im Dachdeckerhandwerk
Aktuell19,52 Euro
Abgelehnte Tarifeinigung 20,50 Euro ab 1. Oktober 2022
Abgelehnte Tarifeinigung 21,12 Euro ab Oktober 2023
Quelle: IG BAU

Extra-Zuschuss zur Energiepauschale für Dachdecker war geplant

Im Rahmen des zweiten Entlastungspakets der Bundesregierung erhalten Erwerbstätige eine Energiepreispauschale in Höhe von 300 Euro. Die Tarifeinigung im Dachdeckerhandwerk sah vor, dass Arbeitgeber in dieser Branche sie verdoppeln.

Ausbildungsvergütungen wären ebenfalls gestiegen

Auch Auszubildende im Dachdeckerhandwerk hätten von einem Tarifabschluss profitiert. Eine zehn Prozent höhere Ausbildungsvergütung war für sie vorgesehen. Lehrlinge im ersten Ausbildungsjahr hätten somit 80 Euro im Monat mehr erhalten, im zweiten Ausbildungsjahr 100 Euro und im dritten Ausbildungsjahr 120 Euro.

Ausbildungsvergütung für Lehrlinge im Dachdeckerhandwerk

Datum1. Ausbildungsjahr2. Ausbildungsjahr3. Ausbildungsjahr
Bis 1. Dezember 2019760 Euro910 Euro1.160 Euro
Seit 2021780 Euro940 Euro1.200 Euro
Abgelehnte Tarifeinigung:860 Euro1.040 Euro1.320 Euro
Quelle: IG BAU

Arbeitgeber hätten Beitrag für Winterbauumlage vollständig zahlen müssen

Ab 1. Januar 2023 wäre zudem der Arbeitnehmerbeitrag für die Winterbeschäftigungsumlage – auch Winterbauumlage genannt – in Höhe von 0,8 Prozent entfallen. Die Winterbauumlage in Höhe von insgesamt zwei Prozent wäre ab diesem Zeitpunkt alleinig von den Arbeitgebern gezahlt worden.

Für die Arbeitnehmer im Dachdeckerhandwerk wäre diese Regelung laut IG BAU effektiv zwei Tagen Urlaub oder 0,8 Prozent mehr Lohn gleichgekommen.

Was sagen die Tarifpartner zu den Ergebnissen?

Die Gewerkschaft sprach im Zusammenhang mit der Tarifeinigung fälschlicherweise bereits von einem Tarifabschluss: "In einer von großer Unsicherheit geprägten Zeit, mit hoher Inflation auf der einen Seite und Fachkräftebedarf, hoher Arbeitsbelastung auf der anderen Seite, konnte ein guter Tarifabschluss für die 65.000 Beschäftigten im Dachdeckerhandwerk erzielt werden", sagte IG BAU-Verhandlungsführer Carsten Burckhard nach den Verhandlungen im August. Wie die IG BAU auf die Ablehnung dieser Einigung reagieren wird, ist noch offen.

Was ist der Ecklohn?

Unter Ecklohn versteht man den Lohn, der nach einem Tarifvertrag für einen Facharbeiter nach zweijähriger Tätigkeit gezahlt werden muss. Nicht jede Branche hat einen Ecklohn und im Laufe der Zeit hat der Ecklohn auch an Bedeutung verloren. Wo es noch Ecklöhne in den Tarifverträgen gibt, können sich Arbeitnehmer darauf berufen, allerdings nur dann, wenn ihr Arbeitsverhältnis einem entsprechenden Tarifvertrag unterliegt. Trifft das zu, spricht man von Tarifbindung. Wird ein Tarifvertrag ausgehandelt, müssen sich Arbeitgeber an die Bedingungen halten, die darin definiert sind.