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Hygienekonzept und Pandemieplanung Corona-Infektionsschutz: Übersicht der Hilfestellungen für Arbeitgeber

Hygienekonzepte müssten angesichts der gestiegenen Corona-Infektionszahlen nochmals angepasst werden, heißt es im jüngsten Bund-Länder-Beschluss. Die Berufsgenossenschaften sehen nur bedingt Handlungsbedarf für Handwerksbetriebe – und verweisen auf die bestehenden Hilfestellungen. Diese sind hier noch einmal aufgelistet.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Mit verschärften Maßnahmen reagierten Bund und Länder auf die steigenden Infektionszahlen. Teile des Handwerks müssen ihren Betrieb bis Ende November schließen. Alle Übrigen sind aufgefordert, die Infektionsrisiken im Unternehmen auf ein Minimum zu reduzieren. Konkret müsse "jedes Unternehmen in Deutschland auch auf Grundlage einer angepassten Gefährdungsbeurteilung sowie betrieblichen Pandemieplanung ein Hygienekonzept umsetzen und angesichts der gestiegenen Infektionszahlen auch nochmals anpassen", so der Wortlaut im jüngsten Bund-Länder-Beschluss.

Auf folgende Punkte weisen Bund und Länder explizit hin:

  • Die konsequente Nachverfolgung innerbetrieblicher Infektionsketten.
  • Die Überprüfung und gegebenenfalls Anpassung der Gefährdungsbeurteilung zum Beispiel mit Blick auf die Beschränkung von Kontakten, die Umsetzung allgemeiner Hygienemaßnahmen sowie die Verringerung von Infektionsrisiken bei unvermeidbaren Kontakten.
  • Wo immer dies umsetzbar ist, sollen Unternehmen ihren Beschäftigten jetzt wieder Heimarbeit oder das mobile Arbeiten zu Hause ermöglichen.

Doch welcher Handlungsbedarf ergibt sich dadurch konkret für Handwerksbetriebe, wollte die Deutsche Handwerks Zeitung (DHZ) von den Berufsgenossenschaften wissen. Diese erklären, die entsprechende Passage enthalte "keine grundsätzlich neuen Regelungen". Arbeitgeber müssten ihre bestehenden Regeln, Gefährdungsbeurteilungen und Konzepte jedoch prüfen und gegebenenfalls anpassen, beispielsweise – sofern noch nicht erfolgt – um lüftungstechnische Maßnahmen oder entsprechend der veränderten Arbeitsbedingungen in den kalten Monaten. Die Berufsgenossenschaften verweisen auf ihre Handlungshilfen und teils aktualisierten Arbeitsschutzstandards. Die Antworten im Detail.

Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU)

Die BG BAU zeigt sich im Großen und Ganzen zufrieden damit, wie Handwerksbetriebe und Bauwirtschaft die Maßnahmen zum Infektionsschutz umgesetzt haben. "Die Rückmeldungen unserer Aufsichtspersonen zeigen uns, dass sich die Bauwirtschaft auf die Situation eingestellt hat", so die Berufsgenossenschaft. "Unsere Aufsichtspersonen bewerten hygienische Zustände auf Baustellen mit einer Ampel. Zu Beginn der Coronavirus-Pandemie signalisierte diese bei circa einem Drittel der Baustellen Handlungsbedarf durch Rot – darauf wurde reagiert, so dass dieser Anteil nun bereits bei unter zehn Prozent liegt", erklärt Bernhard Arenz, Präventionsleiter der BG BAU.

Auch der Anteil der gravierenden Mängel bei der Sanitäreinrichtungen auf Baustellen sei inzwischen deutlich gesunken. Dennoch würden Prüfer weiterhin Beschäftigte antreffen, die die grundlegenden Schutzmaßnahmen wie Abstandsregelungen oder das Tragen von Masken nicht umsetzen. "Deshalb ist es sehr wichtig, dass die Arbeitgeber die Gefährdungsbeurteilung bezüglich der Bedrohung durch das Corona-Virus stetig aktualisieren", betont die BG BAU.

Eine möglichst weitgehende Kontaktreduktion sei dabei das Gebot der Stunde. Die Berufsgenossenschaft verweist in diesem Zusammenhang auf die AHA+L-Formel: Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmasken (Mund-Nasen-Bedeckung) tragen und lüften. Darüber hinaus sei die Koordination von festen Arbeits- und Wohngruppen ein weiterer Bestandteil für die Risikoreduktion.

>>> SARS-CoV-2 Arbeitsschutzstandard für das Baugewerbe (Stand Oktober 2020)

Der Arbeitsschutzstandard vom Oktober unterscheidet sich zu der letzten Fassung im Mai unter anderem in der Erweiterung der Schutzmaßnahmen in den Sammelunterkünften, der Arbeits- und Pausengestaltung und die Hygienebestimmungen.

>>> Corona-Sonderseite

Eine Übersicht der Neuerscheinungen und Aktualisierungen finden Betriebe hier.  

Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)

Die BGW verweist darauf, dass Arbeitgeber zur Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung gesetzlich verpflichtet sind – und diese bei neuen Gefährdungen, wie beispielsweise die SARS-CoV-2-Infektionsgefahr, aktualisiert werden muss. Hinsichtlich der derzeitigen SARS-CoV-2-Infektionsgefahr hat die BGW Standards, Regelungen und konkretisierende Empfehlungen und Hilfestellungen zum Schutz von Beschäftigten und Versicherten entwickelt, die für die versicherten Betriebe maßgeblich sind.

>>> Arbeitsschutzstandards

>>> Corona-Sonderseite

Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM)

"Die Betriebe sind gefordert, mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen ihre bereits bestehenden Regeln, Gefährdungsbeurteilungen und Konzepte zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen", so ein Sprecher der BGHM. Der Berufsgenossenschaft seien viele positive Beispiele bekannt, in denen diese Umsetzung im Betrieb gut funktioniert.

Der Bund-Länder-Beschluss enthalte jedoch keine grundsätzlich neuen Regelungen, die eine Verschärfung für den Arbeitsschutz bedeuten würden, so die BGHM weiter. Betriebe könnten sich weiterhin an dem SARS-CoV-2-Arbeitsschutzschutzstandard des Bundesarbeitsministeriums sowie der im August 2020 veröffentlichten SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel orientieren. Sobald sich neue wissenschaftliche Erkenntnisse ergeben, die Einfluss auf die notwendigen Schutzmaßnahmen haben, will die BGHM ihre Handlungshilfen anzupassen.

>>> Corona-Sonderseite

Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM)

"Betriebe die die aktuellen Handlungshilfen, die auf unserer Internetseite zu finden sind, in geeigneter Weise umgesetzt haben, sind nach unserer Einschätzung gut aufgestellt", so die BG ETEM. Die vorhandenen Hygienekonzepte seien weiterhin ausreichend. Die Berufsgenossenschaft empfiehlt jedoch, sich regelmäßig im Internet zu informieren beziehungsweise die Informationen der BG ETEM zu beachten.

>>> Arbeitsschutzstandards

>>> Corona-Sonderseite

Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN)

Zur Konkretisierung des bundesweit geltenden SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandards hat die BGN für das Gast- und Backgewerbe, die Schausteller- und Zirkusbetriebe, die Fleisch-, Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie sowie die handwerkliche Speiseeiszubereitung Praxishilfen als "Ergänzung der Gefährdungsbeurteilung im Sinne des SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandards" zusammengestellt – diese gelten weiterhin als maßgeblich für versicherte Betriebe.

>>> Corona-Sonderseite

Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft, Post-Logistik, Telekommunikation (BG Verkehr)

Die BG Verkehr hat branchenspezifische Empfehlungen zum Infektionsschutz zusammengestellt, die den Arbeitsschutzstandard des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales für das Verkehrsgewerbe konkretisieren. Diese haben weiterhin Gültigkeit.

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