Wirtschaftswachstum Bundesregierung senkt Konjunkturprognose

Lieferengpässe bremsen wirtschaftliche Erholung aus. Mit einem kräftigen Aufschwung wird erst im kommenden Jahr gerechnet.

Halbleiter
Die Wirtschaft wächst nur langsam. Fehlende Bauteiler, zum Beispiel Halbleiter, erschweren die Produktion in der Industrie. - © krasyuk - stock.adobe.com

Die deutsche Wirtschaft kommt doch nicht so schnell in Schwung wie noch im Frühjahr erwartet. Vielmehr habe es die deutsche Wirtschaft derzeit mit einem "kühlen Herbstwind" zu tun, sagte der geschäftsführende Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mit Blick auf gestörte Lieferketten und Engpässen bei Vorprodukten. Hinzu kommen nach den Worten des CDU-Politikers weltweit hohe Energiepreise. Insgesamt rechne die Bundesregierung für dieses Jahr nur noch mit einem Wachstum von 2,6 Prozent. Im Frühjahr war sie noch von einem Plus von 3,5 Prozent ausgegangen. "Für das nächste Jahr erwarten wir ein Wachstum von 4,1 Prozent", sagte er. Bisher hatte er nur mit einem Plus von 3,6 Prozent gerechnet.

Wollseifer: Unruhige Zeiten fordern Betriebe maximal

Das Handwerk bleibt von diesen Problemen nicht verschont. „Unsere Betriebe müssen sich aktuell in einem Umfeld mit zahlreichen Sondereffekten behaupten – bei den Lieferengpässen und der Preisexplosion bei einer Reihe von Materialien, bei den Energiekosten, beim offenen Fachkräftebedarf und bei der sich abzeichnenden erneut angespannteren Corona-Lage“, sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. Die Handwerksbetriebe seien maximal gefordert, um wirtschaftlich erfolgreich durch diese unruhigen Zeiten zu kommen. "Die nächste Bundesregierung muss sicherstellen, dass Steuern zu verkraften sind, Sozialbeiträge nicht weiter steigen und Bürokratie unsere Handwerker und Handwerkerinnen nicht weiter erdrückt", forderte er.

Privater Konsum bleibt Triebfeder für Aufschwung

Nach der Herbstprognose der Bundesregierung ist die derzeitige konjunkturelle Lage zweigeteilt. "Dienstleistungen und Industrie haben sich in zwei unterschiedliche Richtungen entwickelt", sagte Altmaier. So habe sich die Stimmung bei den Dienstleistern nicht zuletzt durch den Impffortschritt in den vergangenen Wochen sehr aufgehellt. Die Menschen hätten wieder Lust auf ein Bier mit Freunden oder einen Abend im Restaurant. „Der private Konsum ist und bleibt im Moment eine der Triebfedern der wirtschaftlichen Erholung“, fügte er hinzu. Gleichzeitig litten rund drei Viertel aller Unternehmen an einer historisch einmaligen Knappheit an bestimmten Vorprodukten wie etwa Halbleitern. Auch gebe es noch Probleme bei Baumaterialien. Dies bremse die Industriekonjunktur insbesondere im dritten und vierten Quartal 2021 aus.

Altmaier sieht keine Versorgungsengpässe beim Gas

Die Energiepreise haben sich nach den Worten Altmaiers binnen Jahresfrist wie etwa beim Öl teilweise verdoppelt. Historisch hohe Preise gebe es auch beim Gas, was auch die Strompreise erhöhe. Wie Altmaier weiter sagte, rechne er aber mit einer Beruhigung. "Ich gehe davon aus, dass die Rallye der Preiserhöhungen im Energiesektor langsam zu Ende gehen wird", betonte er. Dies hänge auch damit zusammen, dass das Angebot angepasst werde. Versorgungsengpässe beim Gas erwartet er nicht. "Wir werden in diesem Winter Versorgungssicherheit haben beim Gas", sagte er. Auch seien die Speicher hierzulande zu rund 70 Prozent gefüllt.

Bundesregierung sieht Inflation dieses Jahr bei drei Prozent

Wie der scheidende Wirtschaftsminister weiter sagte, haben sowohl Lieferengpässe wie die höheren Energiepreise die Inflationsrate im September auf 4,1 Prozent steigen lassen. Die Bundesregierung gehe aber davon aus, dass die Inflationsrate bereits zum Jahreswechsel 2021/2022 wieder ein deutlich niedrigeres Niveau erreicht. Dann fielen Sonderfaktoren wie der Basiseffekt der befristeten Senkung der Mehrwertsteuer in der zweiten Jahreshälfte 2020 wieder weg. Insgesamt erwartet die Regierung für dieses Jahr eine Preissteigerung von 3,0 Prozent. Für das nächste Jahr geht sie von 2,2 Prozent aus, für 2023 von 1,7 Prozent.