Netzentwicklungsplan Bundesnetzagentur fährt Ausbau der Stromnetze zurück

Der Ausbau des Hochspannungsnetzes soll kleiner ausfallen als bislang geplant. Obwohl im Zuge der Energiewende ein Ausbau nötig ist und sich derzeit immer wieder zeigt, dass die Netze noch nicht auf die Stromversorgung mit erneuerbaren Energien ausgelegt sind, sieht der neue Netzentwicklungsplan weniger Bauvorhaben vor. Umweltverbände loben diesen Entschluss.

Weniger Stromautobahnen geplant: Die Bundesnetzagentur hat den neuen Netzentwicklungsplan vorgestellt und fährt den Anzahl der Bauvorhaben zutrück. - © Foto: Gina Sanders/Fotolia

Die Energiewende erfordert nun doch weniger neue Stromautobahnen quer durch Deutschland. Nach langem Hin und Her hat die Bundesnetzagentur nun einen neuen Netzentwicklungsplan vorgelegt und möchte von den geplanten 74 Bauvorhaben nur noch 51 so schnell wie möglich umsetzen. Der Bedarf an neuen Stromtrassen bis 2022 schrumpfte im aktualisierten Bericht, den die Behörde am Montag der Bundesregierung überreichte, von rund 3.800 auf "nur" noch 2.800 Kilometer.

Ein Projekt zunächst auf Eis

Kernstück der Zukunftsplanungen ist der Neubau von drei Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen (HGÜ), die bis 2022 den im Norden erzeugten Windstrom fast verlustfrei in die Verbrauchszentren im Westen und Süden des Landes transportieren und damit die Zuverlässigkeit des Übertragungsnetzes sichern sollen. Die ursprünglichen Pläne hatten sogar vier dieser Korridore vorgesehen. Doch legte die Bundesnetzagentur das vierte Projekt zunächst auf Eis.

Der Präsident der Aufsichtsbehörde, Jochen Homann, betonte, die Netzagentur habe nur die Ausbauvorhaben bestätigt, die "nach strengen Kriterien auch unter den veränderten energiewirtschaftlichen Bedingungen unverzichtbar sind". Neben dem Neubau von Stromtrassen sollen außerdem rund 2.900 Kilometer bestehender Trassen verstärkt werden. Weitere Projekte könnten in den nächsten Jahren noch hinzukommen, hieß es.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) bezeichnete den Netzentwicklungsplan als einen "Meilenstein für den Umbau der Energieversorgung". Sein Ministerium wolle noch in diesem Jahr den Entwurf für ein Bundesbedarfsplangesetz vorlegen, mit dem dann endgültige Klarheit bestehen soll, wo die geplanten Korridore und Trassen verlaufen.

Bewährungsprobe noch nicht bestanden

Doch erst wenn die Pläne konkret feststehen, wird sich auch zeigen, ob es der Regierung gelungen ist, den Protest der Anwohner durch mehr Bürgerbeteiligung zu begrenzen. Schon als die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber – Amprion, Tennet, 50Hertz und TransnetBW – im August ihre Pläne für den Ausbau des Stromnetzes vorgelegt hatten, hatte die Bundesregierung daran eine umfangreiche Öffentlichkeitsbeteiligung angeschlossen.

Insgesamt gingen über 3.300 Stellungnahmen von Bürgern und Verbänden bei der Bundesnetzagentur ein und wurden ausgewertet. In wie weit diese Einwände zum jetzigen Stand der Planungen beigetragen haben, wollte die Bundesnetzagentur aber nicht sagen.

Kritiker hielten die Pläne der Netzbetreiber von vorneherein für überdimensioniert. Die Deutsche Umwelthilfe kritisierte, die Planungen verfolgten die Maxime "so viel Netz wie möglich, statt so viel Netz wie nötig". Auch der Umweltverband BUND kritisierte die Pläne als völlig überzogen und drängte auf Nachbesserungen. Das Handwerk hatte hingegen darauf hingewiesen, dass man stärker auf lokale und dezentrale Anlagen setzen solle und der Ausbau damit nicht in einem solchen Umfang nötig wäre.

Stromnetze funktionieren nicht sicher

Doch trotz dieser Einigkeit über einen nicht ganz so umfangreichen Netzausbau, gibt es derzeit Probleme bei der Stromversorgung.  Häufiger denn je mussten einem Bericht des "Handelsblatts" zufolge die Betreiber von Stromübertragungsnetzen zuletzt eingreifen, weil die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Versorgung gefährdet oder gestört waren.

Die Zahl der kritischen Situationen im Stromnetz sei "insgesamt stark angestiegen", zitiert die Zeitung aua dem "Monitoringbericht 2012" der Bundesnetzagentur und des Bundeskartellamts. Zudem seien auch mehr Gebiete betroffen gewesen.

Als Grund für die wachsende Unsicherheit nennt die Untersuchung den stetig steigenden Anteil erneuerbarer Energien wie Wind oder Sonne, deren Leistung mitunter stark schwankt. Die Netzbetreiber müssten Kraftwerke entsprechend hoch und runter fahren, um Stromengpässe zu vermeiden. dhz/dapd