Manchmal ist das Gras im Nachbargarten doch nicht grüner. Für Betriebe ist das eine große Chance: Ehemalige Mitarbeiter kennen die Kultur, sind schnell einsatzbereit und bringen neue Kompetenzen mit. Beispiele aus der Praxis zeigen, wie man Kontakt hält – und wann eine Rückkehr Sinn ergibt.

Im Fußball ist eine Rückkehr an die alte Wirkungsstätte gang und gäbe. Nach drei durchwachsenen Jahren bei Bayern München kehrte Lukas Podolski zu seinem Jugendverein 1. FC Köln zurück. Mats Hummels wechselte erst von Bayern München zu Borussia Dortmund, dann wieder zurück zum FC Bayern und daraufhin erneut zum BVB. Stürmer Claudio Pizarro heuerte immer und immer wieder bei Werder Bremen an, seinem ersten Verein in Deutschland, insgesamt fünfmal. In der Wirtschaft gilt Apple-Mitgründer Steve Jobs als der Rückkehrer schlechthin, machte nach seinem Comeback Mitte der Neunziger Jahre den US-Konzern zu dem Giganten, der er heute ist. Und im Handwerk?
Das gute Gefühl, wenn ein Ehemaliger wieder anklopft
"Ja, natürlich ist das ein gutes Gefühl. Ein wirklich sehr gutes Gefühl sogar", sagt Geschäftsführer Ulrich Temps über die Freude, wenn ein Ehemaliger wieder bei ihm im Malerbetrieb anklopfe. "Die geklauten Erdbeeren des Nachbarn schmecken immer besser als die Erdbeeren im eigenen Garten. Aber wenn man dauerhaft die Seiten wechselt und im Nachbarsgarten steht und in den heimischen Garten guckt, stellt man häufig eben doch fest, dass es vielleicht andersherum der Fall ist", so Temps. Ärgernisse gibt es schließlich überall und manche werden erst nach einiger Zeit sichtbar: Kollegen, die sich als unausstehlich herausstellen, unstrukturierte Arbeitsabläufe, womöglich sogar verspätete Gehaltszahlungen oder groß angepriesene Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten, die sich nach Antritt der Stelle als Luftschlösser entpuppen.
"Bei verbrannter Erde ist eine Rückkehr ausgeschlossen"
Im Malerbetrieb Temps in Neustadt am Rübenberge bei Hannover sind nach eigenen Angaben 20 von 500 Mitarbeitern Rückkehrer – also immerhin vier Prozent der Belegschaft – darunter ehemalige Auszubildende, Bürokräfte oder Malermeister. "Wir freuen uns über jeden Kollegen, der zurückkommt", betont Temps. Vor der Entscheidung, ob man ihn oder sie erneut einstelle, prüfe man die Bögen der letzten Personalgespräche, Arbeitszeugnisse, das Sozialverhalten, Fehlzeiten oder sonstige Auffälligkeiten. Eine Wiedereinstellung erfolge aber meist formlos und gehe sehr schnell.
Sogar ein Ex-Kollege, dem das Unternehmen damals von sich aus gekündigt hatte, sei wieder dazugestoßen, weil er glaubhaft habe vermitteln können, dass sich seine persönlichen Lebensumstände in der Zwischenzeit maßgeblich zum Positiven verändert hätten. "Mit solchen Kollegen wird auf jeden Fall wieder eine Probezeit vereinbart", sagt Temps. Bei anderen Rückkehrern gehe es in der Regel ohne Probezeit weiter, teilweise werde sogar die vorangegangene Betriebszugehörigkeit angerechnet. "Bei ausgeschiedenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die verbrannte Erde hinterlassen haben, ist eine Rückkehr dagegen ausgeschlossen", so Temps.
Keine langwierige Einarbeitung nötig
Studien zufolge liefert die Leistung, die der Mitarbeiter während seiner ersten Station im Betrieb erbracht hat, die beste Prognose für die weitere Zusammenarbeit. Wer früher gut abgeliefert hat, wird dies mit großer Wahrscheinlichkeit auch nach seiner Rückkehr tun. Zu den wichtigsten Kriterien zählen daneben die Zeitspanne zwischen Weggang und Wiedereinstellung. Sind Kollegen und Prozesse noch vertraut, ist eine langwierige Einarbeitung unnötig. "Das Gros derjenigen, die zurückkehren, ist mit Feuereifer dabei", sagt Ulrich Temps und rechnet vor, dass 30 bis 40 Prozent der Rückkehrer nach ein bis zwei Jahren in der betriebsinternen Hierarchie aufgestiegen sind und mehr Verantwortung übernommen haben.
Systematische Wiedereinstellungen gab es bei Temps bislang nicht; sie erfolgten meist spontan und zufällig. Noch in diesem Jahr wolle man nach Möglichkeit ein "Rehiring"-Programm auflegen, sagt Ulrich Temps. Auch die Optikerkette Fielmann aus Hamburg erklärt, dass ein relevanter Anteil der externen Neueinstellungen schon einmal im Unternehmen gearbeitet hat und dass ehemalige Mitarbeiter aufgrund ihrer kulturellen und fachlichen Passung sehr gerne wieder eingestellt werden. Derzeit arbeitet Fielmann an Maßnahmen, um diese Potenziale noch gezielter zu heben, so ein Fielmann-Sprecher. Denn auch die finanziellen Vorteile sind zu groß, um sie geflissentlich ignorieren zu können. Kosten für Stellenanzeigen, Messeauftritte und Einarbeitung sparen sich Betriebe, wenn sie einem anklopfenden Ehemaligen zügig die Tore öffnen. Auf der anderen Seite können höhere Gehälter, die Wechselwillige manchmal voraussetzen, diesen Einspar-Effekt wieder zunichtemachen.
"Haben schon geahnt, dass sie wiederkommen werden"
Auch bei der Söll Gerüstbau GmbH in Neusäß bei Augsburg ist immer häufiger die Rede von "Comebackern", wie die Rückkehrer im Unternehmen genannt werden. Der Betrieb hat zahlreiche öffentliche Auftraggeber und Einsatzorte – Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten, Universitäten – und ist im Bereich Denkmalpflege auf Klöstern, Burgen oder Kirchen aktiv. "Wir wären bereit, Stellen aufzubauen, nur gibt es leider nicht so viele passende Kandidaten und nicht immer in der Qualität, wie wir sie gerne hätten. Und wenn wir sie dann mal haben, auch nicht immer an dem Standort, an dem wir sie brauchen", so Personalchef Markus Mair.
Aktuell beschäftigt die Firma zwischen 170 und 180 Mitarbeiter – darunter Gerüstbauer, Lkw-Fahrer, Bautechniker – nachdem in den vergangenen Jahren viele Stellen abgebaut worden waren. Mair ist seit Anfang 2024 an Bord, eine Personalabteilung gab es bis dato nicht. Eine Neuerung, die Mair eingeführt hat, besteht darin, ausscheidenden Mitarbeitern ausdrücklich ins Arbeitszeugnis hineinzuschreiben, dass die Tür für sie jederzeit wieder offensteht. Auch in den Abschlussgesprächen sei dies ein Thema. "Es waren ein paar Kandidaten dabei, bei denen wir in den Abschlussgesprächen schon erahnt haben, dass sie sehr schnell wiederkommen werden", sagt Mair süffisant.
Bei zehn Prozent der Neueinstellungen im vergangenen Jahr handelte es sich um Rückkehrer. Aktuell habe man einen Ehemaligen, der in seine Heimat nach Spanien gegangen war, an der Angel. Dieser wolle mit einem frisch erworbenen Lkw-Führerschein im Gepäck zurückkommen – ein Wunschszenario, denn der Betrieb kann sich nicht nur die Rekrutierungskosten sparen, sondern bekommt Zusatzkompetenzen gleich mitgeliefert. Nach dessen Ausscheiden hielt Mair Kontakt mit dem Spanier, schickte ihm via WhatsApp eine Glückwunsch-Nachricht zum Geburtstag. Andere Betriebe nutzen vermehrt soziale Medien, bespielen Instagram- oder Linkedin-Kanäle, um ihre Ehemaligen gedanklich ans Unternehmen zu binden.
Mit seinem Lkw-Führerschein wird der Rückkehrer aus Südeuropa in Schwaben nun auch mehr verdienen als vorher. Wer hingegen ohne Kompetenzzuwachs zurückkommt, bleibt bei Söll auf dem bisherigen Gehaltsniveau. Das Rattenrennen mit anderen Betrieben, sich gegenseitig stets aufs Neue zu überbieten, wolle man nicht mitmachen, betont Mair. Denn natürlich spielt der Wunsch, woanders mehr zu verdienen, bei vielen Jobwechslern eine große Rolle. Bei Söll gibt es eine Grundregel: "Du kannst einmal gehen und zurückkommen, wenn du merkst, dass es woanders nicht besser ist", so Mair. Vorausgesetzt, es habe zuvor keine atmosphärischen Störungen oder größere zwischenmenschliche Probleme gegeben. "Aber das kannst du halt nur einmal machen. Wenn du das noch ein zweites Mal machst, dann ist die Tür endgültig zu." Denn es gibt keine Garantie, dass der verlorene Sohn oder die verlorene Tochter nach der Rückkehr auch wirklich sesshaft wird.