Verhaltensknigge Betriebsprüfung vom Finanzamt: Ein Verhaltens-Knigge

Steht eine Betriebsprüfung an, sind viele Betriebsinhaber erst einmal verunsichert. Was sie erwartet, bei welchen Punkten sie ein Mitspracherecht haben und wer bei der Prüfung auf jeden Fall dabei sein sollte.

Stempel mit Steuerprüfung
Bei einer Betriebsprüfung haben Betriebe auch ein Wort mitzusprechen. Sie können Ort und Zeit mitbestimmen.

Das Bundesfinanzministerium veröffentlichte vor kurzem eine Statistik zu den Ergebnissen der steuerlichen Betriebsprüfungen der Finanzämter im Jahr 2020. In diesem Jahr wurden von der deutschen Finanzverwaltung bundesweit 12.664 Prüferinnen und Prüfer eingesetzt. 2020 wurden 152.649 Betriebe geprüft. Die geprüften Unternehmer mussten tief in die Tasche greifen und Steuernachzahlungen von rund 11,2 Milliarden Euro leisten.

Üblicher Ablauf einer bevorstehenden Betriebsprüfung

Bei einer normalen Betriebsprüfung meldet sich der Prüfer des Finanzamts zunächst telefonisch bei Ihnen oder bei Ihrem Steuerberater und klärt mit Ihnen ab, wann und wo die Betriebsprüfung stattfinden soll. Sind diese Details geklärt, wird Ihnen eine schriftliche Prüfungsanordnung per Post zugeschickt.

Prüfungsort

Bei Festlegung des Prüfungsorts haben Sie ein eingeschränktes Wahlrecht. Eigentlich soll die Prüfung in Ihrem Betrieb stattfinden. Haben Sie jedoch keinen Platz für den Prüfer oder gar keine Zeit, sich um den Prüfer zu kümmern, gibt es zwei weitere Möglichkeiten. Sie können mit Ihrem Steuerberater ausmachen, dass die Prüfung in den Kanzleiräumen stattfindet. Ist das auch nicht möglich, kann die Prüfung der Unterlagen auch vor Ort im Finanzamt stattfinden.

Praxis-Tipp: Entscheiden Sie sich für die Prüfung in Räumlichkeiten Ihres Steuerberaters, klären Sie unbedingt vorher ab, wie hoch das Beraterhonorar für diese Rundum-Betreuung des Prüfers ausfällt. Nur so vermeiden Sie böse Überraschungen. Die Prüfung im Finanzamt hat auch Nachteile. Denn Der Prüfer hat hier viel mehr Zeit, sämtliche Belege der Buchhaltung zu überprüfen.

Zeitpunkt

Passt Ihnen der vom Prüfer vorgeschlagene Termin für den Prüfungsbeginn nicht, sollten Sie das klipp und klar gleich am Telefon sagen. In der Regel richtet sich der Prüfer dann nach Ihnen. Sollte der Prüfer Ihre Wünsche nicht berücksichtigen und in der Prüfungsanordnung ist weiterhin sein Wunschtermin für den Beginn der Prüfung vermerkt, sollten Sie einen Antrag auf Verschiebung des Prüfungsbeginns stellen. Insbesondere, wenn der Verschiebungsantrag mit der Corona-Pandemie begründet wird, soll der Finanzbeamte darauf Rücksicht nehmen (siehe dazu auch: FAQ "Corona" Steuern).

Praxis-Tipp: Zum Jahreswechsel kann es passieren, dass das Finanzamt noch Ende Dezember eine Betriebsprüfung anordnet. Das ist immer dann der Fall, wenn ein Prüfungsjahr verjähren sollte. Kündigt sich der Prüfer also für Ende Dezember an und das passt Ihnen zeitlich gar nicht, stellen Sie einen schriftlichen Antrag auf Verschiebung. In diesem Fall verjährt das erste Prüfungsjahr nicht Ende 2021.

Steuerberater empfehlenswert

Die Praxis zeigt, dass es Sinn ergibt, bei einer Betriebsprüfung einen Steuerberater einzuschalten. Schließlich kann er die steuerlichen Fragen viel besser beantworten und auf Augenhöhe mit dem Prüfer komplizierte Steuersachverhalte diskutieren. Das höhere Beratungshonorar ist aber gut angelegt, weil durch die steuerliche Beratung die Nachzahlungen aufgrund der Steuerprüfung geringer ausfallen dürften.

Verhandeln erlaubt

Präsentiert Ihnen der Prüfer die Feststellungen seiner Überprüfungen, können Sie darauf pochen, dass eine Schlussbesprechung stattfindet. Hier kommen noch einmal alle Beanstandungen auf den Tisch. Insbesondere an dieser Schlussbesprechung sollte unbedingt der Steuerberater mit von der Partie sein. Ziel der Schlussbesprechung sollte es sein, die Steuernachzahlungen durch einen Kompromiss oder durch eine "Paketlösung" zu reduzieren. Verhandeln ist an dieser Stelle ausdrücklich erlaubt und oftmals auch gewünscht, damit der Prüfungsfall ohne Einspruchsverfahren beendet werden kann.