Steuertipp zu Eingangsrechnungen Leistungszeitpunkt fehlt: So retten Sie den Vorsteuerabzug

Bei einer Betriebsprüfung oder Umsatzsteuersonderprüfung hat das Finanzamt die Eingangsrechnungen im Blick. Es stellt sich die Frage, ob es Gründe gibt, die Vorsteuererstattungen aus fehlerhaften Rechnungen rückwirkend zu versagen. Ein aktuelles Schreiben des Bundesfinanzministeriums weist nun auf eine typische Stolperfalle beim Vorsteuerabzug hin. Wie Betroffene handeln sollten.

Eingangsrechnungen sollten stets auf notwendige Angaben geprüft werden. - © JohanKalen - stock.adobe.com

Grundsätze zum Vorsteuerabzug aus Eingangsrechnungen

Erhält ein selbstständiger Handwerker für seinen Betrieb Rechnungen von anderen Unternehmern, steht ihm dafür grundsätzlich ein Vorsteuerabzug zu. Das bedeutet: Die in der Eingangsrechnung ausgewiesene Umsatzsteuer wird vom Finanzamt auf Antrag erstattet. Voraussetzung für die Vorsteuererstattung ist jedoch, dass die Rechnung alle in § 14 Abs. 4 UstG aufgeführten Rechnungsinhalte aufweist.

Praxis-Tipp: Eine in der Praxis häufige Fehlerquelle, die zum Wegfall des Vorsteuerabzugs führt, ist das Fehlen des Leistungszeitpunkts in der Rechnung. Das Bundesfinanzministerium hat in einem Schreiben darauf hingewiesen, unter welchen Voraussetzungen das Finanzamt trotz des Fehlens des Leistungszeitpunkts den Vorsteuerabzug gewähren soll (BMF, Schreiben v. 9.9.2021, Az. III C 2 – S 7280a/19/10004:001).

Was tun bei fehlendem Leistungszeitpunkt?

Fehlt in einer Eingangsrechnung der Leistungszeitpunkt der Lieferung oder der sonstigen Leistung nach § 14 Abs. 4 Nr. 6 UStG, ist diese Rechnung nach Ansicht der Finanzverwaltung nicht ordnungsgemäß ausgestellt. Fällt der Fehler erst im Rahmen einer Umsatzsteuersonderprüfung oder im Rahmen einer Betriebsprüfung auf, gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Der Prüfer des Finanzamts kippt rückwirkend den Vorsteuerabzug. In diesem Fall muss eine berichtigte Rechnung vorgelegt werden, um den Vorsteuerabzug noch zu retten.
  • Dem Prüfer des Finanzamts können Unterlagen vorgelegt werden, mit denen die materiellen Voraussetzungen des Vorsteuerabzugs problemlos überprüft werden können und aus denen sich zweifelsfrei der Zeitpunkt der Lieferung oder der sonstigen Leistungen ersehen lassen.

In dem neuen BMF-Schreiben vom 9. September 2021 steht schwarz auf weiß: Ergibt sich der Leistungszeitpunkt aus weiteren Buchhaltungsunterlagen, Kostenvoranschlägen oder aufbewahrten E-Mails, sollen die Prüfer des Finanzamts nicht am Vorsteuerabzug rütteln. Im Zweifel sollte der Prüfer des Finanzamts dezent auf diese Regelung hingewiesen werden.

Rückwirkende Rechnungsberichtigung möglich

Lässt sich der Leistungszeitpunkt aus anderen Unterlagen nicht plausibel ableiten, hat der Prüfer des Finanzamts das Recht, den Vorsteuerabzug zu versagen. Doch hier kann der Unternehmer auf die rückwirkende Rechnungsberichtigung pochen. Legt er noch vor Abschluss der Prüfung eine berichtigte Rechnung inklusive des Leistungszeitpunkts vor, bleibt die Vorsteuererstattung unangetastet (siehe dazu auch BMF, Schreiben v. 18.9.2020, Az. III C 2 – S 7286-a/19/10001:001).

Praxis-Tipp: Das mit der rückwirkenden Rechnungsberichtigung klappt allerdings nur, wenn die bisherige – nach Auffassung des Finanzamts nicht ordnungsmäßig ausgestellte Eingangsrechnungen – mindestens folgende Angaben enthalten hat: Angaben zum Rechnungsaussteller, zum Leistungsempfänger, zur Leistungsbeschreibung, zum Entgelt und zur gesondert ausgewiesenen Umsatzsteuer.

Vorsteuerabzug aus Eingangsrechnungen

Um steuerlichen Problemen beim Vorsteuerabzug aus dem Weg zu gehen, empfiehlt es sich, die Eingangsrechnungen auf die Voraussetzungen des § 14 Abs. 4 UstG im Vier-Augen-Prinzip abzuklopfen. Das bedeutet, dass zwei Mitarbeiter prüfen, ob die Vorgaben des Umsatzsteuergesetzes hinsichtlich der Rechnungsangaben erfüllt sind. Fehlen notwendige Angaben, sollte der Betrieb vor der Zahlung eine berichtigte Rechnung vom Rechnungsaussteller anfordern.