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Kommentar Betriebsnachfolge: Gewaltige Herausforderung für das Handwerk

In den nächsten Jahren werden hunderttausende Betriebe geschlossen. Der Grund: Die Betriebsinhaber gehen in Rente. Einen Nachfolger wollen oder können viele nicht finden. Die Politik hätte die Möglichkeit, den Verlust von Ausbildungsbetrieben und Arbeitgebern zumindest zu beschränken.

Die KfW hat jüngst eine brisante Studie veröffentlicht. Eine Zahl, die es dabei in sich hat: In den nächsten fünf Jahren werden sich rund 840.000 mittelständische Betriebsinhaber aus ihrem Erwerbsleben verabschieden. Etwa 510.000 suchen einen Nachfolger; für über 330.000 stellt sich diese Frage gar nicht mehr: sie planen die Stilllegung.

Zahlen, die nachdenklich machen, denn dahinter stehen auch viele Beschäftigte und Auszubildende. Es sind gerade Kleinstbetriebe mit weniger als fünf Beschäftigten, die nur die komplette Geschäftsaufgabe vor sich sehen. Für die weitere Zukunft wird sich diese Thematik nach den Daten der KfW-Forscher nicht entspannen, denn dann stehen die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er-Jahre an.

Ein weiteres Problem: Das Potenzial für Betriebsübernahmen nimmt ab, denn die Zahl derjenigen, die die berufliche Selbstständigkeit anstreben, geht deutlich zurück. 2001 gab es noch 1,5 Millionen Existenzgründungen, im Jahre 2016 – ein Rekordtiefstwert – nur noch 672.000. Und drei Viertel der Existenzgründer wollen einen neuen und keinen bestehenden Betrieb.

Man darf sich im Handwerk nichts vormachen. Hier ist die Lage in dieser Frage keineswegs besser. Fast jeder vierte Betriebsinhaber plant in den nächsten fünf Jahren, seinen Betrieb zu übergeben oder zu schließen. Und auch hier fehlt das Nachfolgepotenzial. Etwa 21.000 Jungmeisterinnen und Jungmeister gibt es pro Jahr. Die Zahl der zu übernehmenden Betriebe liegt etwa doppelt so hoch. Nun gibt es auch Übernahmen ohne Qualifikation. Ob das aber die Lösung ist?

Wie kann die Nachfolgeproblematik im Handwerk gelöst werden?

Hier wären wir bei den Hausaufgaben für die Politik. Wir brauchen wieder deutlich mehr Meister. Also weg mit der Lockerung der Handwerksnovelle 2004, zumindest in wesentlichen Bereichen! Und gleiche Förderung für Meister wie für Studenten. Ferner müssen die Rahmenbedingungen für die Selbstständigkeit deutlich verbessert werden. Verschärfungen an der gegenwärtigen Regelung für die Erbschaftsteuer darf es auf keinen Fall geben.

Unternehmer sein soll auch wieder stolz machen. Deshalb sind Kampagnen für Selbstständigmachung und Betriebsübernahmen notwendig. Dies gilt gerade in Zeiten, wo der Wettbewerb zwischen selbstständiger und abhängiger Erwerbstätigkeit angesichts der Arbeitskräfteknappheit immer härter wird. Die neue Bundesregierung hat eine wichtige Aufgabe vor sich. Aber auch die Handwerksorganisationen müssen sich dem Thema "Betriebsnachfolge" mit besonderer Priorität widmen.

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