Gesundheit -

Allergien, Ekzeme und Hauterkrankungen: DGUV fordert Ende des Unterlassungszwangs Berufskrankheiten: Wenn der Job die Haut krank macht

Ständig im Wasser, in Berührung mit rauen Baustoffen oder giftigen Chemikalien: Wer mit den Händen arbeitet, kennt auch die Belastungen, der die Haut Tag für Tag ausgesetzt ist. Hauterkrankungen gehören zu den häufigsten Berufskrankheiten. Als solche anerkannt werden sie allerdings nur, wenn die Betroffenen den Beruf aufgeben. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) fordert die Abschaffung dieses Unterlassungszwangs.

Im schlimmsten Fall heißt die Diagnose Hautkrebs. Bei den anerkannten Berufskrankheiten rangiert der durch UV-Strahlung verursachte Hautkrebs auf Platz zwei nach der Lärmschwerhörigkeit. Betroffen sind davon diejenigen, die die meiste Zeit des Tages draußen arbeiten – Bauhandwerker sind also prädestiniert dafür. Andere Hauterkrankungen, die beruflich bedingt entstehen, werden zwar in weniger Fällen als Berufskrankheit anerkannt, die Zahl der Verdachtsfälle und damit auch die Zahl der Menschen, die an Hauterkrankungen leiden, liegt dennoch hoch.

Ein Problem bei der Anerkennung einer Hauterkrankung als Berufskrankheit liegt im sogenannten Unterlassungszwang. Diesen gibt es bereits seit dem Jahr 1936 und er besagt, dass die Betroffenen ihren Beruf aufgeben müssen, damit ihre Berufskrankheit rechtlich anerkannt werden kann. Sie dürfen dem krankheitsauslösenden Stoff nicht mehr ausgesetzt sein, wenn sie Leistungen der DGUV beziehen wollen.

DGUV fordert Ende des Unterlassungszwangs

In der Berufskrankheitenliste gibt es derzeit neun Erkrankungen – von insgesamt 77 – bei denen die Anerkennung von einem Unterlassungszwang abhängig gemacht wird. Die Hauterkrankungen gehören alle dazu. Doch genau das möchte die DGUV nun selbst ändern. "Die DGUV hat vor kurzem ein Weißbuch zum Berufskrankheitenrecht vorgelegt. Darin spricht sie sich für eine Abschaffung des Unterlassungszwangs aus", bestätigt Elke Biesel, Sprecherin der DGUV.

Sind Betroffene bereit, den Beruf aufgrund einer Hauterkrankung aufzugeben, ist eine Anerkennung im Jahr 2015 in der Mehrzahl der Fälle erfolgt (neuere Zahlen liegen noch nicht vor). So gab es 23.786 Verdachtsanzeigen auf eine beruflich bedingte Hauterkrankung, in 20.457 Fällen wurde dieser Verdacht bestätigt. Damit haben die Betroffenen ein Anrecht auf Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung.

Im Jahr 2015 wurden nach Angaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) insgesamt 20.457 Fälle von Hautkrankheiten bestätigt, die als Berufskrankheit anerkannt. In der überwiegenden Mehrzahl handelt es sich dabei um Handexzeme. Im Handwerk sind Berufsgruppen wie unter anderem Friseure, Maurer und Schlosser besonders von den Belastungen betroffen.

Beispiele für Erkrankungszahlen im Handwerk

  • Friseure: 915 Fälle, bei denen ein Verdacht auf eine Berufskrankheit bestätigt wurde. Die beiden häufigsten Einwirkungen waren Friseurstoffe und Feuchtarbeit.
  • Schlosser: 878 Fälle, bei denen ein Verdacht auf eine Berufskrankheit bestätigt wurde. Die beiden häufigsten Einwirkungen waren Schmierstoffe/Kühlschmierstoffe und Feuchtarbeit.
  • Maurer: 125 Fälle, bei denen ein Verdacht auf eine Berufskrankheit bestätigt wurde. Die beiden häufigsten Einwirkungen waren Zement und Feuchtarbeit.
Quelle: DGUV; 2015

Da Hauterkrankungen die am häufigsten gemeldeten Berufskrankheiten in der gesetzlichen Unfallversicherung sind und für Betroffene auch schwerwiegende Folgen haben – wie der Unterlassungszwang zeigt, steht Prävention bei dem Thema besonders stark im Vordergrund und auch ein schnelles Handeln, wenn sich erste Anzeichen einer Erkrankung zeigen.

So haben die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung zusammen mit den Dermatologen eine eigene Behandlungsinfrastruktur für Patienten mit berufsbedingten Hauterkrankungen aufgebaut, das sogenannte Hautarztverfahren. Informationen dazu gibt es hier. >>>

Ob Friseure, die ständig im Kontakt sind mit Wasser und Chemikalien, Gebäudereiniger, zu deren täglicher Arbeit Putz- und Desinfektionsmittel gehören, Fliesenleger und Maurer, die allergieauslösende Epoxidharze einsetzen oder auch Bäcker und Metzger, die Tag für Tag Einmalhandschuhe aus Kunststoff tragen und die Haut der Hände damit ständig einer feucht-warmen Umgebung aussetzen – im Handwerk fallen besonders viele Arbeiten an, die belastend für die Haut sind.

Handwerksbranchen leiden unter Hauterkrankungen

Gebäudereiniger und Friseure: Hautschutz für die Hände

Gebäudereiniger und Friseure haben beim Arbeiten ständig feuchte oder gar nasse Hände. Das trocknet die Haut stark aus. Zudem arbeiten sie mit Reinigungsmitteln, die Tenside, Säuren oder Laugen enthalten, die die Haut aufquellen lassen und reizen können, mit Desinfektionsmitteln oder sie verwenden chemische Färbemittel, die ebenfalls Gefährdungen darstellen, wenn sie direkt auf die Haut gelangen.

Es ist jedoch ein Teufelskreis, denn gegen die Stoffe, die die Haut belasten, Allergien und Kontaktekzeme auslösen, hilft einerseits Hände waschen. Doch häufiges Händewaschen trocknet die Haut weiter aus und wird somit selbst zur Belastung.

Arbeitgeber haben deshalb die Pflicht, für ihre Mitarbeiter entsprechende Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Sie müssen möglichst wenig belastende Reinigungs- und andere Arbeitsmittel bereitstellen und bei Bedarf Schutzhandschuhe anbieten. Schutzhandschuhe gehören zur Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) für Arbeitnehmer und so müssen sie vom Arbeitgeber bereitgestellt werden.

Doch auch das Arbeiten mit Handschuhen hat Tücken. So ist die Haut an den Händen beim Tragen von Handschuhen – vor allem bei flüssigkeitsdichten Handschuhen – meist ständig warm und feucht. "Hier wird der eigene Schweiß zum Problem", sagt Monika Krause von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und fügt hinzu, dass es deshalb wichtig sei, die Handschuhe häufig zu wechseln und bei einer Allergie gegen Latex darauf zu achten, dass spezielle latexfreie Handschuhe getragen werden. 

Handschuhe tragen beim Verkauf von Lebensmitteln: Thema in Bäckereien und Metzgereien

Die Probleme mit den flüssigkeitsdichten Handschuhen erleben Friseure, die beim Haarefärben als Schutz gegen die chemischen Mittel Handschuhe tragen, aber auch beispielsweise Maler, die spezielle Farben und Anstriche anrühren. Doch in diesen Berufen müssen die Handschuhe meist nur kurzzeitig getragen werden.

Anders sieht das bei den Mitarbeitern im Lebensmittelhandwerk aus, wenn sie – zumindest an einer Hand – täglich über mehrere Stunden Einmalhandschuhe tragen, um den Kontakt zwischen Lebensmitteln und Bargeld zu vermeiden. Hier können gerbstoffhaltige Cremes auf den Händen helfen, die die Bildung von Schweiß hemmen. 

Schutzhandschuhe zu tragen ist in den meisten Gewerken ein wichtiges Thema. Doch es gibt keine Universallösung bzw. keinen Universalhandschuh, der vor allen Gefahren schützt. "Es ist immer vom Gefahrstoff abhängig, der mit den Händen in Berührung kommt, von der Häufigkeit, in der der Handschuh getragen werden muss und davon, welche individuellen Hauteigenschaften jemand hat", sagt die Hautschutzexpertin von der BAuA. Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die Fragen zum richtigen Schutzhandschuh haben, sollten sich an die Hersteller wenden und genau angeben, gegen welche Gefahrstoffe der Handschuh schützen soll, rät Krause.

Bei der Auswahl von Chemikalien­schutz­hand­schuhen sei es zudem wichtig, dass diese das Erlenmeyerkolbensymbol und die Kennzeichnung "Typ A" oder min­destens "Typ B" enthalten, denn nur dann sind sie für den Einsatz geeignet. Zudem gehöre jeweils der zum eigenen Ge­fahr­stoffprodukt passende Kenn­buch­sta­ben gemäß DIN 16523 als Hinweis auf den Handschuh. Als Tipp gibr Krause : "Der Handschuh­­hersteller soll die effektive Schutz­wir­kung vor dem Gefahrstoffprodukt bestäti­gen, am besten schriftlich."

Hautschutz auf dem Bau: Wo besondere Gefahren lauern

Eine Belastung auf dem Bau ist neben der Sonne, die die Haut nicht nur bräunt, sondern auch die Gefahr für Hautkrebs erheblich erhöht, der Umgang mit den sogenannten Epoxidharzen. Sie lösen die Chromverbindungen im Zement als häufigste Ursache für Hauterkrankungen von Bauarbeitern ab und dominieren heute die Liste der Krankheitsauslöser. Im Handwerk führen Boden- und Fliesenleger die Liste der Betroffenen an, gefolgt von Malern und Lackierern sowie Mitarbeitern der Metall- und Elektrotechnik.

Doch auf Epoxidharze ganz zu verzichten ist in der heutigen Wirtschaft kaum möglich. Viele Hersteller bieten deshalb risikoarme Lieferformen, beispielsweise durchstoßbare Gebinde an. Auch in Mehrkammerbeuteln lassen sich die Komponenten ohne Hautkontakt mischen, ebenso bei Mischpistolen. Die anwendungssicheren Verpackungen sind gemäß Gefahrstoff­ver­ord­nung zu bevorzugen. Auch sind nicht alle Produkte gleich stark allergisierend.

Ausgehärtete Epoxidharze sind ungefährlich. In feuchtem Zustand aber lösen sie schon bei geringem Haut- oder Augenkontakt eine starke allergische Reaktion aus: Massive Haut-Ekzeme, vor allem an Händen und Beinen, aber auch im Gesicht und Nacken sind die häufigsten Symptome. Eine persönliche Schutzausrüstung – vor allem Chemikalienschutzhandschuhe – ist deswegen unerlässlich.

Weitere Informationen zum Einsatz von Epoxidharzen und zum Schutz finden Sie in folgendem Beitrag.>>>

So viel Sonnencreme müssen Sie wirklich auftragen

Wie viel Sonnencreme muss ich auftragen und wie lange bin ich damit geschützt? Im Video zeigt die Deutsche Handwerks Zeitung, wie viel von welcher Sonnencreme nötig ist, um die Hautkrebs-Gefahr zu bannen.

Hautschutz: Die Pflichten für Arbeitgeber

Grundsätzlich müssen Arbeitgeber dafür sorgen, dass durch die Arbeitsprozesse und die eingesetzten Arbeitsmaterialien keine oder nur sehr geringe Gefahren entstehen. In jedem Fall müssen sie eine Gefährdungsbeurteilung erstellen und im Anschluss daran Betriebsanweisungen für den Umgang mit den Stoffen und den dazugehörigen Schutzmaßnahmen.

Zu den Pflichten des Arbeitgebers gehören auch arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen, die sie ihren Mitarbeitern im Bedarfsfall anbieten müssen. "Wer einem Gefahrstoff regelmäßig länger als einen halben Tag ausgesetzt ist, für den ist eine solche Untersuchung sogar verpflichtend", sagt Monika Krause.

Um präventiv beim Hautschutz tätig zu werden, sollten Arbeitgeber pro Arbeitsbereich einen sogenannten Hautschutzplan erstellen und für alle Mitarbeiter gut sichtbar im Betrieb aufhängen. Dieser beinhaltet Hinweise darauf, wann Schutzhandschuhe zu tragen sind, wann und wie oft man die Hände waschen oder desinfizieren und wie man sie vor, während und nach der Arbeitszeit pflegen sollte. Die Pläne müssen jedoch immer an die individuelle Situation angepasst werden und so gibt es sie auch in verschiedenen Varianten. Tipps zum Erstellen eines solchen Plans gibt es hier.>>>

Wichtig ist die Prävention vor Hauterkrankungen und damit auch die Substitution der potenziell krankmachenden Stoffe auch deshalb, weil meist im Erstkontakt noch keine Allergie oder eine andere Erkrankung ausgelöst wird. "Im Zweitkontakt oder auch noch später kann sich aber eine heftige Reaktion zeigen, da manche Allergien erst nach mehrfachem Kontakt zu Reaktionen führen", warnt Monika Krause.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten