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Die Pläne der Bildungsministerin Berufsbildungsbericht 2019: Gute Perspektiven für Azubis

Obwohl mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen werden, bleiben nicht nur im Handwerk viele Lehrstellen unbesetzt. Bildungsministerin Anja Karliczek will gegensteuern.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sieht trotz der insgesamt steigenden Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge Handlungsbedarf in der beruflichen Bildung. "Es ist nicht alles Gold, was glänzt", sagte sie mit Blick auf den Berufsbildungsbericht 2019. So sei zwar die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge im vergangenen Jahr um 8.100 auf 531.400 weiter angestiegen. Gleichzeitig hätten aber rund 57.700 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden können, während rund 24.500 junge Menschen keinen Ausbildungsplatz gefunden hätten. Die Zusammenführung von Angebot und Nachfrage bleibe deshalb die wichtigste Herausforderung.

Mehr als jede zehnte angebotene Lehrstelle im Handwerk unbesetzt

Im Handwerk sieht es nicht anders aus. Noch stärker als die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge, sei die Zahl der unbesetzt gebliebenen Ausbildungsplätze gestiegen, sagte ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer. Mehr als 17.000 Lehrstellen – und damit mehr als jede zehnte angebotene Lehrstelle – habe nicht besetzt werden können. Betroffen gewesen seien davon besonders Kleinbetriebe. Gleichzeitig zeige die hohe Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze die anhaltende Ausbildungsbereitschaft der Betriebe. "Von einer nachlassenden Ausbildungsbereitschaft der Betriebe kann keine Rede sein", betonte er.

Berufsbildungsgesetz soll bald ins Kabinett

Karliczek will derweil noch mehr Anreize für die berufliche Bildung schaffen und die  Novelle des Berufsbildungsgesetzes mit der Mindestausbildungsvergütung "bald" ins Kabinett bringen. Dabei könne sie sich vorstellen, die von den Sozialpartnern jüngst vorgebrachten Vorschläge zur Mindestausbildungsvergütung zu übernehmen. Diese hatten einen Azubi-Mindestlohn von 515 Euro für das erste Ausbildungsjahr vorgeschlagen. Bis zum Jahr 2023 sollte die Vergütung dann auf 620 Euro im ersten Lehrjahr steigen. Ihr Ziel sei eine "maßvolle" Vergütung, betonte sie. Das Angebot an Ausbildungsplätzen wolle sie nicht schwächen.

Karliczek will Aus- und Weitebildung durchgängig fördern

Außerdem sollen mit der Novellierung nach ihren Worten die Bezeichnungen "Berufsspezialist", "Berufsbachelor" und "Berufsmaster" in der höheren Berufsbildung eingeführt und damit die internationale Vergleichbarkeit und die Weiterbildungsperspektiven aufgezeigt werden. Daneben machte Karliczek deutlich, dass sie von der Lehre bis zum Meister und weiter die duale Ausbildung "durchgängig" finanziell fördern wolle. Damit greift sie ein Anliegen des Handwerks auf, das sich hier vor allem eine "zeitnahe" Stärkung wünscht, wie Wollseifer mit Blick auf die diskutierte Aufstiegsförderung deutlich machte.

Berufsorientierung an Gymnasien soll verbessert werden

Angesichts der Passungsprobleme will Karliczek die Berufsorientierung – insbesondere an Gymnasien – weiter verbessern. So sollte leistungsstarken Schülern noch mehr das Spektrum der beruflichen Bildung aufgezeigt werden. Außerdem will Karliczek Jugendliche mit Migrationshintergrund verstärkt über die langfristigen Vorzüge einer dualen Ausbildung informieren. Dies gilt umso mehr, da die Zahl der jungen Menschen ohne Berufsausbildung einen Negativrekord erreicht hat. So hat die Zahl der 20- bis 34-Jährigen ohne Berufsabschluss 2017 die Marke von 2,1 Millionen erreicht.

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