Konjunktur Bauwirtschaft rechnet 2022 mit Umsatzplus

Im laufenden Jahr hatte die Bauwirtschaft insbesondere mit gestörten Lieferketten und knappem Baumaterial zu kämpfen. Im kommenden Jahr dürfte sich die Lage jedoch entspannen, so Vertreter der Branche. Welche Entwicklung sie bei den Materialpreisen erwarten.

Die gestiegenen Materialpreise dürften die Baukosten dauerhaft verteuern, so Peter Hübner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. - © ThomBal - stock.adobe.com

Die deutsche Bauwirtschaft blickt angesichts der sich langsam abschwächenden Lieferprobleme mit Zuversicht ins neue Jahr. "Alles in allem bleibt die Bauwirtschaft weiterhin Stützpfeiler der Konjunktur in Deutschland", sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Reinhard Quast.

Die hohen Auftragsbestände wiesen auf eine Umsatzsteigerung von nominal 5,5 Prozent auf 151 Milliarden Euro im kommenden Jahr hin. Bei einer Preisentwicklung der Bauleistungen von rund vier Prozent entspreche dies noch einem realen Zuwachs von 1,5 Prozent. Zulegen will die Branche auch bei der Zahl der Beschäftigten. Sie werden den Prognosen zufolge um rund 10.000 Mitarbeiter auf insgesamt 915.000 Beschäftigte ansteigen. Für dieses Jahr erwartet die Branche ein Umsatzplus von 500 Millionen Euro auf 143,5 Milliarden Euro.

Quast: Hohe Materialpreise haben Erträge der Firmen verhagelt

Anders als andere Branchen konnte die Bauwirtschaft nach den Worten Quasts dieses Jahr zwar weiterarbeiten, allerdings kämpfe sie gegen die "Nebenwirkungen der Pandemie". Das seien gestörte Lieferketten, Mangel an Baumaterial und die höheren Einkaufspreise. Diese hätten "vielen Firmen den Ertrag verhagelt".

"Mittlerweile scheinen wir aber den Gipfel der Dynamik bei den Preisen erreicht zu haben - leider auf hohem Niveau", fügte er hinzu. So sei Bauholz etwa doppelt so teuer wie vor einem Jahr. Bei neuen Verträgen versuche man aber, die erhöhten Preise weiterzugeben. Insgesamt erwarteten die Bauexperten, dass sich die Lieferkettenprobleme im zweiten Quartal 2022 wieder beruhigen.

Mit großen Preissenkungen rechnet die Branche allerdings nicht. "Wir befürchten, dass sich der Preisanstieg nicht mehr vollständig zurückentwickelt", sagte Peter Hübner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. "Das wird dauerhaft ein Problem sein und die Baupreise treiben", fügte er hinzu.

Wohnungsbau legt weiter zu - aber kein Selbstläufer

Im Wohnungsbau werde der Umsatz 2022 nominal um sieben Prozent auf 59,3 Milliarden Euro steigen, nach einem Plus von nominal zwei Prozent auf 55,4 Milliarden Euro. Im Wirtschaftsbau rechnet die Branche mit einem nominalen Umsatzplus von sechs Prozent auf 53,3 Milliarden Euro. Für dieses Jahr wird nur ein nominaler Zuwachs von einem einem Prozent auf 50,3 Milliarden erwartet. Im öffentlichen Bau geht die Branche von einem Umsatzrückgang von nominal drei Prozent in diesem Jahr aus. Hier fehlten vor allem die kommunalen Investitionen, betonte Quast. Und auch für 2022 gingen die kommunalen Spitzenverbände von einem Rückgang der kommunalen Bauinvestitionen von fast neun Prozent aus, gab er zu bedenken.

Bau sieht Forderungen im Koalitionsvertrag berücksichtigt

Den Koalitionsvertrag bewertete Hübner aus Sicht der Bauwirtschaft generell als "positiv", viele Forderungen der Branche seien aufgegriffen worden. Das Ziel im Jahr rund 400.000 neue Wohnungen zu bauen sei sehr ehrgeizig. Notwendig dafür seien aber nicht nur die Baukapazitäten, sondern auch ausreichend bezahlbares Bauland, gab Hübner zu bedenken.

"Hier in unseren Augen von den Kommunen oftmals Schindluder betrieben", fügte er hinzu. Gelände werde umgewidmet und dann teuer an Projektentwickler verkauft. Wenn man so viele Wohnungen erstellen wolle, dann dürfe man nicht gleichzeitig über Mietpreisbremsen und Mietendeckel diskutieren. Dies schrecke Investoren ab und ohne private Investoren werde es nicht funktionieren. Insgesamt rechnet die Branche, dass dieses Jahr insgesamt 310.000 neue Wohnungen und im kommenden Jahr rund 320.000 neue Wohnungen gebaut werden.