Prognose Bauwirtschaft erwartet 2022 realen Umsatzrückgang

Die Bauwirtschaft befindet sich weiterhin in einem schwierigen Fahrwasser. Auch Sanierungen können den Rückgang im Neubau nicht ausgleichen, heißt es bei der Bundesvereinigung Bauwirtschaft. Für 2023 sei ebenfalls kein Umsatzplus in Sicht.

Der Neubau verliert an Fahrt, stützend wirkt die Nachfrage an Sanierungen. - © PixelboxStockFootage - stock.adobe.com

"Der Mix aus steigenden Lebenshaltungskosten, Preissteigerungen und Lieferschwierigkeiten für Baumaterial und Zinserhöhungen lassen die Baukonjunktur an Fahrt verlieren", sagte Marcus Nachbauer, Vorsitzender der Bundesvereinigung Bauwirtschaft. Der Neubau verliere 2022 an Fahrt, stützend wirke sich die Nachfrage nach Sanierungen aus, betonte er.

Rechnet man die höheren Preise heraus, erwarteten die Mitgliedsunternehmen ein reales Umsatzminus von ein bis zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Rückläufiger Auftragseingang

Auch 2023 kann nach den Worten Nachbauers aus "heutiger Sicht" mit keinem real höheren Wachstum als 2022 gerechnet werden. Der Rückgang bei den Aufträgen und der einsetzende Abbau der Auftragsbestände lasse ein rückläufiges Neubaugeschäft erwarten. Auch gehe er nicht davon aus, dass bei den gegenwärtigen Finanzierungs- und Förderbedingungen, der Sanierungsbereich die Verluste im Neubaubereich ausgleichen könne.

Baustoffpreise auf historisch hohem Niveau

Schwierigkeiten bereitet vielen Bau- und Ausbaubetrieben nach wie vor die Beschaffung von Baustoffen und deren Preisentwicklung. "Das Preisniveau im Einkauf bleibt auf historisch hohem Niveau", sagte Nachbauer. So hätte etwa der Index der Erzeugerpreise für Betonstahl um 23 Prozent gegenüber dem schon hohen Vorjahresniveau zugelegt. Bei Dämmstoffen habe das Plus bei 30 Prozent gelegen. Insgesamt sei der Preisindex für Bauleistungen für Wohnungsneubauten so um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. "Die Investitionsbudgets der Auftraggeber für Maßnahmen im Wohnungsbau, im Gewerbebau und der Infrastruktur reichten schlicht nicht mehr aus", betonte er.

Wohnungsneubau verliert besonders

Insgesamt seien die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe im ersten Halbjahr 2022 real um drei Prozent auf 51 Milliarden Euro zurückgegangen. Überproportional habe dabei der Wohnungsneubau verloren. Aktuell könne der Wohnungsneubau – nicht zuletzt wegen der zurückgefahrenen Förderungen – anders als in den Vorjahren, die Baukonjunktur nicht weiter stützen.

Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen helfen

Stabilisiert wird die Baukonjunktur nach den Worten Nachbauers im Bereich Ausbau und Gebäudetechnik. Hier sähen sich die ebenfalls in der Bundesvereinigung Bauwirtschaft vertretenen Unternehmen durch die Nachfrage nach Energieeffizienzmaßnahmen in ihrer Umsatzentwicklung gestützt, betonte Nachbauer. Dies gelte etwa mit Blick auf den Einbau von Wärmepumpen für beim SHK-Handwerk oder etwa durch die hohe Nachfrage nach Leistungen des Elektrohandwerks angesichts der Installation von Photovoltaikanlagen oder dem Hochlauf der E-Mobilität. Auch spürten Tischler einen großen Sanierungsbedarf bei Türen und Fenstern.

Mehr öffentliche Aufträge gefordert

Mit Blick auf den Neubau forderte Nachbauer mehr öffentliche Bauaufträge zur Stabilisierung der Baukonjunktur. Außerdem forderte er von der Politik, angesichts der stark steigenden Energiepreise ein Moratorium zur Einfrierung beziehungsweise zur Absenkung der hohen Energiepreise. Nur so könne die galoppierende Preisentwicklung bei Baustoffen aufgehalten werden. Dies sei mittlerweile auch eine existenzielle Frage.

Fachkräftebedarf bleibt weiter hoch

Trotz der realen Umsatzeinbrüche gehen die rund 370.00 Mitgliedsunternehmen der Bundesvereinigung Bauwirtschaft von einem hohen Fachkräftebedarf aus. "Wir gehen weiter von 3,4 Millionen Beschäftigten aus", sagte ihr Vorsitzender. Am Fachkräfteaufbau werde weiter festgehalten, da eine strukturell hohe Nachfrage an Bauleistungen weiter gegeben sei. Dabei setzte die Branche auf die Ausbildung des eigenen Nachwuchses und auf Fachkräfteeinwanderung.