Das Baugewerbe steckt in der Krise. Nach Jahren des Booms haben sich die Aussichten für 2023 deutlich eingetrübt. Wohnungsbauziele dürften krachend verfehlt werden. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes untermauert das mit aktuellen Zahlen.
Das Baugewerbe erwartet für dieses und für das nächste Jahr fallende Umsätze. "Die Rahmenbedingungen für die Bauwirtschaft haben sich markant verschlechtert und trüben die Aussichten für die Baukonjunktur in 2023 deutlich ein", sagte Reinhard Quast, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes. Der Mix aus steigenden Bau-, Finanzierungs- und Lebenshaltungskosten schlage zunehmend auf die Nachfrage nach Bauleistungen zurück. Für 2022 erwartet der Verband einen Umsatz von knapp 158 Milliarden Euro. Nach Abzug der Preissteigerungen entspricht dies einem Rückgang von 5,5 Prozent. Für 2023 rechnet der Verband mit einem preisbereinigten Minus von 7,0 Prozent.
Die trüben Konjunkturaussichten spiegeln sich auch in einer Umfrage unter rund 1.600 Verbandsunternehmen wider. So wird die aktuelle Geschäftslage von vielen zwar noch als ganz gut oder befriedigend bezeichnet. Mit Blick auf die erwartete Geschäftsentwicklung sieht es dagegen deutlich schlechter aus. So gehen etwas mehr als 60 Prozent der befragten Unternehmen von einer Verschlechterung ihrer Geschäftsentwicklung im nächsten halben Jahr aus.
Verband fordert kluge Investitionsanreize
Dabei wirkt sich Umsatzrückgang in den einzelnen Bausparten unterschiedlich aus. "Sorgenkind ist dabei vor allem der Wohnungsbau", sagte Quast. Aber auch die beiden übrigen Bausparten Wirtschaftsbau und öffentlicher Bau seien stark rückläufig. Damit es bei einer Konjunkturdelle bleibe, brauche die Branche jetzt "kluge Investitionsanreize sowie öffentliche Investitionen", forderte er. Wenn es nicht gelinge, die Rahmenbedingungen für Bauinvestitionen zu stabilisieren, werde erstmals seit 2009 die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe wieder sinken. Bisher rechnet der Verband für 2023 mit circa 910.000 Beschäftigten nach 917.000 in diesem Jahr.
Für 2023 nur 245.000 neue Wohnungen erwartet
Wie der Verband weiter mitteilte, erwartet er im Wohnungsbau die Fertigstellung von rund 280.000 Wohnungen in diesem und von rund 245.000 Wohnungen im nächsten Jahr. "In 2024 wird sich die derzeitige Zurückhaltung bei den Investitionsentscheidungen noch deutlicher bei den Baufertigstellungen bemerkbar machen", warnte der ZDB. Das von der Bundesregierung ausgerufene Ziel von 400.000 neuen Wohnungen im Jahr rückt damit in weite Ferne.
Starker Umsatzrückgang im Wohnungsbau für 2023 erwartet
Das macht sich auch bei den prognostizierten Umsätzen im Wohnungsbau bemerkbar. So rechnet der ZDB für dieses Jahr mit einem realen Umsatzrückgang um 4,5 Prozent. Für das kommende Jahr werde das Umsatzminus bei einer veranschlagten Preisentwicklung von 5,5 Prozent real bei rund zehn Prozent liegen. Dabei werde der Rückgang durch die Sanierungen noch etwas abgemildert. "Daher fordern wir auch die Förderbedingungen zeitnah, auskömmlich und niederschwellig zu gestalten", forderte Quast. Dabei sollte das Fördervolumen der Vorjahre gehalten werden. "Die geplante Bindung der Förderung an das EH40 Niveau halten wir für zu ambitioniert", fügte er hinzu.
Wie das Bundesbauministerium jüngst mitteilte, soll die neue Neubauförderung im ersten Halbjahr 2023 starten. Die genauen Förderbedingungen würden zur Zeit erarbeitet. Ursprünglich sollte die neue Förderkulisse schon Anfang des Jahres 2023 stehen. Der bisher für den Neubau zuständige Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte die künftige Neubauförderung auf rund eine Milliarde Euro deutlich gekürzt und einen Schwerpunkt der Förderung auf Sanierungen gelegt.
Weniger Nachfrage nach Büro- und Fabrikgebäuden
Im Wirtschaftsbau sieht es nicht viel besser aus. Auch hier lassen höhere Baupreise und unsichere Konjunkturaussichten die Nachfrage sinken. Dies gilt insbesondere für Büro- und Fabrikgebäude. Lagergebäude werden dagegen stärker nachgefragt. Insgesamt rechnet der Verband für 2022 im Wirtschaftsbau mit einem realen Umsatzrückgang um 5,0 Prozent und im nächsten Jahr um 6,0 Prozent. Im öffentlichen Bau erwartet er für 2022 ein Minus von real knapp 7,0 Prozent und für 2023 von 4,5 Prozent.
