Seit Ausbruch des Iran-Krieges ist der Dieselpreis um rund 70 Cent pro Liter gestiegen, der Gas-Großhandelspreis hat sich fast verdreifacht. Bäckereien und andere energieintensive Betriebe spüren das direkt in der Kasse. Was hinter den stark gestiegenen Preisen steckt – und wie die Politik darauf reagiert.

Die Unruhen in der Golfregion wirken sich hierzulande direkt an der Zapfsäule aus. Auch die Preise für Gas haben sich seit Jahresanfang deutlich erhöht. Das trifft energieintensive Handwerksbetriebe wie Bäckereien besonders.
Deutliche Mehrkosten für Handwerker
Eine davon betreibt Andreas Schmitt. "Gas- und Strompreise haben wir langfristig abgesichert, aber bei Heizöl und Sprit kommen höhere Kosten auf uns zu", sagte der Inhaber der "Café Ernst Bäckerei & Konditorei" in Neu-Isenburg mit 23 Filialen und zwei Produktionsstätten. "Unter dem Strich müssen wir mit mehreren tausend Euro pro Monat mehr rechnen", fügte er hinzu. Diese Kosten kann er bei der ohnehin vorhandenen Kaufzurückhaltung nur schwer an seine Kunden weitergeben.
Spritpreise: Merz kündigt Entlastungen an
Die Politik will auf die Preistreiberei an den Zapfsäulen reagieren, wie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) jüngst sagte. "Ich bin der Meinung, dass wir handeln müssen." Er wolle schon bald einen Vorschlag dazu machen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) begrüßte den Vorstoß. Wie die Entlastung konkret aussehen soll, ist indes noch offen.
Reiche nicht nur für Senkung der Mehrwertsteuer
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat sich für eine vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel von 19 auf sieben Prozent ausgesprochen. Mit Blick auf vorsteuerabzugsfähige Unternehmen wolle man ebenfalls Entlastungswege prüfen. "Und wenn die hohen Energiepreise länger anhalten, brauchen wir für Menschen mit niedrigen Einkommen auch einen verlässlichen Weg für gezielte weitere Entlastungen." Erneut schlug sie Direktzahlungen zum Jahresanfang 2027 vor, wenn ein Auszahlungsmechanismus bis dahin hoffentlich einsatzfähig sei.
Bäckerhandwerk fordert Senkung von CO₂- und Energiesteuer
Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks begrüßt die geplanten Entlastungen, mahnt aber, dass sie auch besonders betroffene kleine und mittlere Betriebe erreichen müssten – "und zwar schnell, gezielt und unbürokratisch", so Präsident Roland Ermer. Eine vorübergehende Senkung der Umsatzsteuer allein entlaste die Betriebe nicht wirksam, da sie steuerrechtlich ein durchlaufender Posten ist. Stattdessen plädiert er dafür, die CO₂- und Energiesteuer zumindest vorübergehend zu senken – schließlich machten beide einen Großteil des Spritpreises aus.
Höchststand bei E10
Seit Beginn des Iran-Krieges ist der Preis für Sprit deutlich gestiegen. Im Vergleich zum Stand vor Kriegsausbruch hat sich der Preis bis Mitte September um mehr als 53 Cent pro Liter erhöht. Da erreichte der Preis der Sorte E10 einen Höchststand von 2,314 Euro.
Rekordpreise auch bei Diesel
Diesel verteuerte sich bis zum 16. September auf 2,453 Euro pro Liter. Er erreichte damit einen Höchststand, wie der ADAC mitteilte. Im Vergleich zum letzten Vorkriegstag hat sich der Preis um rund 70 Cent pro Liter erhöht. Auch die Preise für Heizöl haben seit Anfang September spürbar zugelegt.
Nahostkonflikt treibt die Preise
Gründe der steigenden Preise für Sprit und Heizöl sind die jüngste Verschärfung des Nahostkonflikts sowie zunehmende Raffinerie-Engpässe. So lag der Preis für Brent-Öl Mitte September bei rund 105 Dollar/ Barrel – nach rund 60 Dollar je Barrel zum Jahresanfang. "Solange der Konflikt weiter schwelt, bleiben wir auf einem hohen Niveau zwischen 100 und 120 Dollar pro Barrel", sagte Frank Schallenberger, Öl-Experte bei der Landesbank Baden-Württemberg. Zuletzt habe vor allem die angriffsbedingte Stilllegung der saudischen Ost-West-Pipeline Richtung Rotes Meer zum Wegfall von vier bis fünf Prozent des weltweiten Angebots geführt und entsprechende Preissteigerungen nach sich gezogen. Zuvor hatte die Pipeline nach der Blockade der Straße von Hormus als Exportalternative gedient. Erschwerend kommt jetzt noch die jüngste Blockade der Meerenge von Bab al-Mandab am Roten Meer durch die Huthi-Miliz hinzu.
Großhandelspreise für Gas haben ebenfalls zugelegt
Auch der Gasmarkt bleibt von den Unruhen in der Golfregion nicht verschont. "Der Großhandelspreis ist seit Jahresanfang von 30 Euro/MWh auf 80 Euro/MWh gestiegen, und solange der Konflikt in der Region nicht gelöst ist, muss man weiter mit erhöhten Preisen rechnen", erklärte Energie-Experte Hendrik Diers vom EWI in Köln. Die Preise spiegeln die Entwicklung an den Weltmärkten wider. Anders als zu Beginn des Ukrainekrieges handelt es sich in Deutschland aber um keinen Mengenschock, sondern um einen Preisschock. Deutschland bekommt wenig Flüssiggas aus der Region.
Energiepreise für Handwerker nicht die einzige Baustelle
Angesichts der steigenden Energiepreise würde Schmitt gezielte staatliche Entlastungen bei den Energiepreisen begrüßen. "Das allein reicht aber nicht. Die Politik muss endlich auch an die Lohnnebenkosten", sagte er. Arbeitskosten seien in seinem Betrieb ein deutlich höherer Kostenblock.
